Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gesindel, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gesindels · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Ge-sin-del
Wortbildung  mit ›Gesindel‹ als Letztglied: Diebesgesindel · Diebsgesindel · Lumpengesindel · Raubgesindel · Verbrechergesindel
eWDG

Bedeutung

abwertend Pack, heruntergekommene (und verbrecherische) Menschen
Beispiele:
ein verkommenes, erbärmliches, verworfenes, lichtscheues Gesindel
eine Rotte, Horde von niedrigem Gesindel
es treibt sich viel, allerhand Gesindel herum
Viele waren nicht besser als das arme Gesindel, mit dem wir die Gefängnisse aller Art bevölkern [ DürrenmattRichter23]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gesinde · Gesindel
Gesinde n. ‘Gefolgs-, Kriegsleute, Hausdienstleute, Knechte und Mägde eines Bauern-, Gutshofes’, ahd. gisindi (9. Jh.), asächs. gisīði, mhd. mnd. gesinde, (mit Assimilation) gesinne ‘Begleitung, (Kriegs)gefolge, Dienerschaft’ (germ. *ga-sinþja-) sind Kollektivbildungen zu stark flektiertem ahd. gisind (9. Jh.), mhd. gesint, asächs. gisīð, aengl. gesīþ (germ. *ga-sinþa-) und schwach flektiertem ahd. gisindo (9. Jh.), mhd. gesinde, aengl. gesīþa, got. gasinþa, anord. sinni ‘Gefährte, Weggenosse, Gefolgs-, Dienstmann, Hausgenosse’ (germ. *ga-sinþan-). Die Personenbezeichnung ist ein Präfixkompositum zu ahd. sind ‘Weg, Richtung, Seite’, mhd. sint, auch ‘Reise, Fahrt’, asächs. sīð, aengl. sīþ ‘Weg, Gang, Reise’, anord. sinn ‘Gang, Fahrt’, got. sinþs ‘Gang’ (germ. *sinþa-) und meint ursprünglich den, ‘der den Weg, die Reise gemeinsam mit (einem) anderen macht’, das Kollektivum Gesinde dagegen die ‘Gesamtheit der Begleiter, Gefährten auf dem gemeinsamen Weg, auf der Reise’. Zur Bildungsweise s. Bauer3, Genosse, Geselle, Gefährte; zur Etymologie des Grundworts s. senden. Dazu die Deminutivbildung Gesindel n. ‘kleines Gefolge’, mhd. gesindelīn, dann ‘Hausleute, kleine Dienerschaft’, vor allem jedoch pejorativ ‘heruntergekommenes, sich herumtreibendes Volk, Pack’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Plebs · Sippschaft · niederes Volk  ●  White trash  engl. · Abschaum  derb · Asis  derb · Asoziale  derb · Bagage  ugs. · Bodensatz  ugs. · Brut  derb · Gelichter (lit.)  geh., veraltet · Geschmeiß  derb · Gesindel  derb · Gesocks  derb · Gschleaf  ugs., bayr. · Gschwerl  ugs., bayr. · Kanaken  derb · Kroppzeug  derb, norddeutsch · Lumpenpack  derb · Mischpoke  derb, jiddisch · Mob  derb · Pack  derb · Paselacken  derb, ruhrdt. · Pöbel  derb · Volks  ugs., regional, abwertend
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Gesindel‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gesindel‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gesindel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ich habe nur keine Lust, mich mit dem Gesindel abzuschleppen. [Apitz, Bruno: Nackt unter Wölfen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1958], S. 238]
Drum kommt in den Anstalten das größte Gesindel des Landes zusammen. [Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 432]
Doch das ausgerechnet diesbezüglich notorisch unfähige Gesindel brachte nichts zuwege. [C’t, 1999, Nr. 5]
Einer von ihnen soll das Opfer außerdem als "asoziales Gesindel" beschimpft haben. [Süddeutsche Zeitung, 07.08.2001]
Das Gesindel schien von den Häusern noch nicht Besitz ergriffen zu haben. [Werfel, Franz: Die Vierzig Tage des Musa Dagh I, Stockholm: Bermann – Fischer 1947 [1933], S. 337]
Zitationshilfe
„Gesindel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gesindel>.

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