Gesinnung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gesinnung · Nominativ Plural: Gesinnungen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungGe-sin-nung (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Gesinnung‹ als Erstglied: ↗Gesinnungsfreund · ↗Gesinnungsgenosse · ↗Gesinnungslump · ↗Gesinnungslumperei · ↗Gesinnungswandel · ↗Gesinnungswechsel · ↗gesinnungsbildend · ↗gesinnungslos · ↗gesinnungstreu · ↗gesinnungsverwandt
eWDG, 1967

Bedeutung

das Gesinntsein, die geistige und sittliche Grundhaltung des Menschen
Beispiele:
eine fortschrittliche, revolutionäre, freiheitliche, demokratische, patriotische, christliche Gesinnung haben
er ist von ehrlicher, redlicher, anständiger Gesinnung
gehoben er ist von edler Gesinnung
seine Gesinnung ist schmutzig, gemein
seine (wahre) Gesinnung verbergen, zeigen
für seine Gesinnung eintreten
seine Gesinnung verkaufen
ich weiß nicht, welche Gesinnung er gegen mich hat
er hat eine freundliche, feindliche Gesinnung gegen sie
So / Haben sie einen Steckbrief hinter mir hergesandt / Der mich niedriger Gesinnung beschuldigt, das ist: / Der Gesinnung der Niedrigen [BrechtGedichte291]
Aber welche Freude, daß ich so bald Ihre gütigen Gesinnungen für mich erkannte [E. T. A. Hoffm.Serapionsbrüder3,148]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gesinnung · gesinnungslos
Gesinnung f. ‘Meinung, Einstellung, Denkweise’ wird im 18. Jh. zu heute nicht mehr üblichem gesinnen ‘meinen, denken an etw.’, aber auch ‘begehren, verlangen’ (zu ↗sinnen, s. d.) gebildet (vgl. bereits vereinzeltes mnd. gesinninge ‘das Ansinnen, Begehren’). Seit dem 19. Jh. bezeichnet Gesinnung vornehmlich die politische Haltung und Denkweise eines Menschen und bildet Komposita wie gesinnungslos Adj. ‘ohne feste politische Haltung, skrupellos’ (19. Jh.), Gesinnungslosigkeit f. (19. Jh.), Gesinnungslump m. ‘wer seine (politische) Haltung um bestimmter Vorteile willen ändert’, Gesinnungslumperei f. (beide 20. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Attitüde · ↗Charakteranlage · ↗Couleur · Gesinnung · ↗Grundeinstellung · ↗Haltung · ↗Neigung · ↗Standpunkt · ↗Stellung · ↗Veranlagung · innere Haltung
Synonymgruppe
(innere) Einstellung · ↗Denkweise · ↗Geisteshaltung · Gesinnung · ↗Haltung · ↗Lebenseinstellung · ↗Mentalität · ↗Position · ↗Selbstverständnis · Werte · innere Haltung · ↗Überzeugung  ●  Mindset  engl. · ↗Ethos  geh., bildungssprachlich
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(jemandes) Sicht der Dinge · Auffassung vom Leben · ↗Denkungsart · ↗Denkweise · ↗Geisteshaltung · Gesinnung · ↗Grundeinstellung · ↗Grundhaltung · ↗Grundüberzeugung · ↗Ideologie · ↗Philosophie · ↗Sinnesart · ↗Weltanschauung · ↗Weltauffassung · ↗Weltbild · ↗Weltsicht · ↗Weltverständnis · Wertauffassung · geistiger Standort · ideologischer Standort · wes Geistes Kind  ●  welches Sinnes  veraltet · wes Sinnes  veraltet · (die Art) wie jemand gestrickt ist  ugs., fig. · (die Art) wie jemand tickt  ugs., fig. · ↗Denke  ugs. · aus welchem Holz jemand geschnitzt ist  ugs., fig. · welchen Sinnes  geh.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Gesittung Lauterkeit anständig antifaschistisch antisemitisch aufrecht ausländerfeindlich demokratisch edel fortschrittlich freiheitlich human humanistisch konservativ liberal menschenverachtend nationalistisch nationalsozialistisch patriotisch pazifistisch reaktionär rechtsextrem rechtsextremistisch rechtsradikal republikanisch revolutionär staatsbürgerlich vaterländisch verwerflich vornehm

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gesinnung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erst in neuerer Zeit versteht man darunter eine Anzeige aus niederer Gesinnung.
Süddeutsche Zeitung, 27.12.2000
Nach Gesinnung geht es bei der Auswahl der Texte auch heute nicht.
Der Tagesspiegel, 26.06.1998
Gutes Benehmen ist die zur festen Form gewordene gute Gesinnung.
Martin, Hans: Darf ich mir erlauben ...?, Stuttgart: Hädecke 1935, S. 85
Die Gesinnung, welche sie fördert, ist unkapitalistisch, zum Teil antikapitalistisch.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 729
Erst viel später konnte ich mir diese verschiedenen Gesinnungen erklären.
Viersbeck, Doris: Erlebnisse eines Hamburger Dienstmädchens. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1910], S. 8179
Zitationshilfe
„Gesinnung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gesinnung>, abgerufen am 17.10.2019.

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