Gestalt, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gestalt · Nominativ Plural: Gestalten
Aussprache
WorttrennungGe-stalt (computergeneriert)
Wortbildung mit ›Gestalt‹ als Erstglied: ↗-gestaltig · ↗Gestaltenfülle · ↗Gestaltpsychologie · ↗Gestaltwandel · ↗Gestaltwechsel · ↗gestaltenreich · ↗gestalthaft · ↗gestaltlos
 ·  mit ›Gestalt‹ als Letztglied: ↗Arbeitergestalt · ↗Asketengestalt · ↗Athletengestalt · ↗Bauerngestalt · ↗Blattgestalt · ↗Bodengestalt · ↗Bühnengestalt · ↗Charaktergestalt · ↗Christusgestalt · ↗Doppelgestalt · ↗Elendsgestalt · ↗Fabelgestalt · ↗Fantasiegestalt · ↗Frauengestalt · ↗Hauptgestalt · ↗Heldengestalt · ↗Herrschergestalt · ↗Hungergestalt · ↗Idealgestalt · ↗Jammergestalt · ↗Leidensgestalt · ↗Lichtgestalt · ↗Menschengestalt · ↗Missgestalt · ↗Märchengestalt · ↗Märtyrergestalt · ↗Phantasiegestalt · ↗Riesengestalt2 · ↗Riesengestalt1 · ↗Romangestalt · ↗Schädelgestalt · ↗Spukgestalt · ↗Tiergestalt · ↗Titelgestalt · ↗Traumgestalt · ↗Truggestalt · ↗Zentralgestalt · ↗Zwergengestalt · ↗Zwerggestalt
 ·  formal verwandt mit: ↗andersgestalt · ↗dergestalt · ↗solchergestalt
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Mensch, der nicht näher erkennbar oder bekannt ist
Beispiele:
vermummte Gestalten liefen durch die Straßen
dunkle, finstere, zweifelhafte, zwielichtige Gestalten liefen umher
ausgemergelte Gestalten
eine kauernde Gestalt
in der Ferne tauchte eine Gestalt auf
umgangssprachlich was ist denn das für eine (seltsame) Gestalt?
die verwegenen Gestalten, die schweigend aßen oder rauchten [WelkHoher Befehl350]
bis die verschlissene Gestalt zwischen den Kornfeldern verschwunden war [FalladaJeder stirbt553]
2.
Persönlichkeit
Beispiele:
eine bedeutende, hervorragende Gestalt der Geschichte
die Gestalt Lenins, Wallensteins
eine historische Gestalt
Angelo Neumanns Amt, sein Äußeres und vor allem seine Ehe machten ihn zu einer mystischen Gestalt [KischMarktplatz73]
3.
Geschöpf der (dichterischen) Phantasie
Beispiele:
die Gestalten der Sage, einer Erzählung
eine Ärztin ist die zentrale Gestalt der Novelle
die positive Gestalt eines Romanes
eine Gestalt der Phantasie
in diesen vierundsiebzig Romanen [hat Balzac] eine eigene Welt mit ... zweitausend Gestalten geschaffen [St. ZweigBalzac177]
Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten [GoetheFaustZueignung]
4.
das Äußere eines Menschen, die Körperbeschaffenheit, Statur
Beispiele:
er hat eine kräftige, schlanke, schmächtige, hagere, knochige, stämmige, gedrungene Gestalt
die stattliche Gestalt des Vaters
ihre schöne, zierliche, zerbrechliche, füllige, korpulente Gestalt
gehoben ihre liebliche, hohe, edle Gestalt
er ist von untersetzter, mittlerer Gestalt
sie ist klein von Gestalt
ein Hüne von Gestalt
von Antlitz und Gestalt jmdm. ähnlich sein
von der (äußeren) Gestalt auf jmds. Wesen schließen
ein Mensch von einnehmender Gestalt
ein Ritter von der traurigen Gestalt (= jmd., der kläglich aussieht)
in ganzer Gestalt vor jmdm. stehen
[Pastor Trieschke verliebte sich] in ihre Oberlippe, ihr starkes Haar, ihre hübschen Augen und ihre blühende Gestalt [Th. MannBuddenbrooks1,288]
Einem der Evangelisten wollte er die Gestalt des seligen Abtes Daniel geben [HesseNarziß5,293]
Verkörperung
Beispiele:
der Teufel erschien in Gestalt eines Junkers
Nun wird sich die große Unbekannte, die Traumprinzessin endlich zeigen in irdischer Gestalt [St. ZweigBalzac271]
5.
Form
a)
Beispiele:
ein Ring in Gestalt einer Schlange
die Umlaufbahn der Erde um die Sonne hat die Gestalt einer Ellipse
etw. hat die Gestalt einer Kugel, eine längliche Gestalt
dieser Brauch hat sich in veränderter Gestalt bis heute erhalten
papierdeutsch die Nachricht erschien in Gestalt einer Schlagzeile (= als Schlagzeile)
Religion das Abendmahl in beiderlei Gestalt empfangen (= das Abendmahl in Form von Brot und Wein empfangen)
b)
Gestalt annehmen, gewinnengreifbarer, deutlicher werden, sich in festeren Umrissen abzeichnen
Beispiele:
eine Idee, Konzeption, ein Plan nimmt (allmählich) Gestalt an
ein Verdacht, Gedanke gewinnt Gestalt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gestalt · gestalt · ungestalt · Ungestalt · gestalten · Gestaltung
Gestalt f. ‘Beschaffenheit, Äußeres, Figur’. Das alte, noch Rückumlaut zeigende Part. Prät. des unter ↗stellen (s. d.) behandelten Verbs ahd. gistalt, mhd. gestalt, nhd. gestalt geht in der Bedeutung ‘aussehend, beschaffen, eingerichtet’ in adjektivischen Gebrauch über (vgl. schöngestalte Glieder Schiller). Das substantivierte Adjektiv ergibt mhd. gestalt f. ‘Aussehen, Beschaffenheit, Ursache’, während das Part. Prät. des Verbs im Nhd. durch gestellt ersetzt wird. ungestalt Adj. ‘übel beschaffen, unförmig, häßlich’, mhd. ungestalt. Substantiviert Ungestalt f. ‘Mißgestalt’, mhd. ungestalt f. gestalten Vb. ‘bilden, formen’ (16. Jh.), abgeleitet von Gestalt. Gestaltung f. ‘Formgebung’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Aussehen · ↗Erscheinung · ↗Erscheinungsbild · ↗Figur · Gestalt
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Fasson · ↗Form · Gestalt
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(körperliche) Konstitution · Gestalt · ↗Körperbau · ↗Körpergröße · ↗Statur · ↗Wuchs  ●  ↗Habitus  fachspr., medizinisch, botanisch
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Auxologie · Wissenschaft vom menschlichen Körperwachstum
  • Konstitutionstyp · Körperbautyp

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ritter annehmen ausgemergelt begegnen dunkel endgültig erscheinen finster hager heutig historisch konkret massig menschlich mythisch prägend schillernd schlank schwankend seltsam skurril tragisch traurig ursprünglich verleihen vermummt weiblich zierlich zwielichtig äußer

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gestalt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber das europäische Haus hat noch keineswegs die richtige Gestalt.
Die Zeit, 26.08.1998, Nr. 36
Ihre sagenhaften Gestalten stehen noch immer ziemlich wahrheitsgetreu in vielen Gärten herum.
P. M.: Peter Moosleitners interessantes Magazin, 1978, Nr. 12
Zum ersten Male nach den schrecklichen Erlebnissen der letzten Jahre nimmt Ihr Land, wenn ich mich so ausdrücken darf, wieder Gestalt an.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1949]
Nun war nur noch die Gestalt des Generals auf dem Eis.
Wiechert, Ernst: Das einfache Leben, München: Ullstein Taschenbuchverl. 2000 [1946], S. 246
Da er die Bewohner des Hauses früher nie beachtet hatte, war die Ergänzung ihrer Gestalten für ihn unmöglich.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 414
Zitationshilfe
„Gestalt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gestalt>, abgerufen am 18.10.2019.

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