Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gestalt, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gestalt · Nominativ Plural: Gestalten
Aussprache 
Worttrennung Ge-stalt (computergeneriert)
eWDG

Bedeutungen

1.
Mensch, der nicht näher erkennbar oder bekannt ist
Beispiele:
vermummte Gestalten liefen durch die Straßen
dunkle, finstere, zweifelhafte, zwielichtige Gestalten liefen umher
ausgemergelte Gestalten
eine kauernde Gestalt
in der Ferne tauchte eine Gestalt auf
umgangssprachlichwas ist denn das für eine (seltsame) Gestalt?
die verwegenen Gestalten, die schweigend aßen oder rauchten [ WelkHoher Befehl350]
bis die verschlissene Gestalt zwischen den Kornfeldern verschwunden war [ FalladaJeder stirbt553]
2.
Persönlichkeit
Beispiele:
eine bedeutende, hervorragende Gestalt der Geschichte
die Gestalt Lenins, Wallensteins
eine historische Gestalt
Angelo Neumanns Amt, sein Äußeres und vor allem seine Ehe machten ihn zu einer mystischen Gestalt [ KischMarktplatz73]
3.
Geschöpf der (dichterischen) Phantasie
Beispiele:
die Gestalten der Sage, einer Erzählung
eine Ärztin ist die zentrale Gestalt der Novelle
die positive Gestalt eines Romanes
eine Gestalt der Phantasie
in diesen vierundsiebzig Romanen [hat Balzac] eine eigene Welt mit … zweitausend Gestalten geschaffen [ St. ZweigBalzac177]
Ihr naht euch wieder, schwankende Gestalten [ GoetheFaustZueignung]
4.
das Äußere eines Menschen, die Körperbeschaffenheit, Statur
Beispiele:
er hat eine kräftige, schlanke, schmächtige, hagere, knochige, stämmige, gedrungene Gestalt
die stattliche Gestalt des Vaters
ihre schöne, zierliche, zerbrechliche, füllige, korpulente Gestalt
gehobenihre liebliche, hohe, edle Gestalt
er ist von untersetzter, mittlerer Gestalt
sie ist klein von Gestalt
ein Hüne von Gestalt
von Antlitz und Gestalt jmdm. ähnlich sein
von der (äußeren) Gestalt auf jmds. Wesen schließen
ein Mensch von einnehmender Gestalt
spöttischein Ritter von der traurigen Gestalt (= jmd., der kläglich aussieht)
in ganzer Gestalt vor jmdm. stehen
[Pastor Trieschke verliebte sich] in ihre Oberlippe, ihr starkes Haar, ihre hübschen Augen und ihre blühende Gestalt [ Th. MannBuddenbrooks1,288]
Einem der Evangelisten wollte er die Gestalt des seligen Abtes Daniel geben [ HesseNarziß5,293]
Verkörperung
Beispiele:
der Teufel erschien in Gestalt eines Junkers
Nun wird sich die große Unbekannte, die Traumprinzessin endlich zeigen in irdischer Gestalt [ St. ZweigBalzac271]
5.
Form
a)
Beispiele:
ein Ring in Gestalt einer Schlange
die Umlaufbahn der Erde um die Sonne hat die Gestalt einer Ellipse
etw. hat die Gestalt einer Kugel, eine längliche Gestalt
dieser Brauch hat sich in veränderter Gestalt bis heute erhalten
papierdeutschdie Nachricht erschien in Gestalt einer Schlagzeile (= als Schlagzeile)
Religiondas Abendmahl in beiderlei Gestalt empfangen (= das Abendmahl in Form von Brot und Wein empfangen)
b)
Gestalt annehmen, gewinnengreifbarer, deutlicher werden, sich in festeren Umrissen abzeichnen
Beispiele:
eine Idee, Konzeption, ein Plan nimmt (allmählich) Gestalt an
ein Verdacht, Gedanke gewinnt Gestalt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gestalt · gestalt · ungestalt · Ungestalt · gestalten · Gestaltung
Gestalt f. ‘Beschaffenheit, Äußeres, Figur’. Das alte, noch Rückumlaut zeigende Part. Prät. des unter stellen (s. d.) behandelten Verbs ahd. gistalt, mhd. gestalt, nhd. gestalt geht in der Bedeutung ‘aussehend, beschaffen, eingerichtet’ in adjektivischen Gebrauch über (vgl. schöngestalte Glieder Schiller). Das substantivierte Adjektiv ergibt mhd. gestalt f. ‘Aussehen, Beschaffenheit, Ursache’, während das Part. Prät. des Verbs im Nhd. durch gestellt ersetzt wird. ungestalt Adj. ‘übel beschaffen, unförmig, häßlich’, mhd. ungestalt. Substantiviert Ungestalt f. ‘Mißgestalt’, mhd. ungestalt f. gestalten Vb. ‘bilden, formen’ (16. Jh.), abgeleitet von Gestalt. Gestaltung f. ‘Formgebung’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Synonymgruppe
Aussehen · Form · Gestalt · Äußeres  ●  Fasson  Textilien
Synonymgruppe
(körperliche) Konstitution · Gestalt · Körperbau · Körpergröße · Statur · Wuchs  ●  Habitus  fachspr., medizinisch, botanisch

Typische Verbindungen zu ›Gestalt‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gestalt‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gestalt‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ihre sagenhaften Gestalten stehen noch immer ziemlich wahrheitsgetreu in vielen Gärten herum. [P. M.: Peter Moosleitners interessantes Magazin, 1978, Nr. 12]
Davon setzt sich stets nur eine bestimmte geringe Anzahl in der äußeren Gestalt durch. [Urania, 1970, Nr. 2]
Die veraltete politische Gestalt des Reichs endete formal erst 1806. [Weizsäcker, Carl Friedrich von: Bewußtseinswandel, München: Hanser 1988, S. 253]
Überhaupt schieben sich die beiden Gestalten der Öffentlichkeit eigentümlich ineinander. [Habermas, Jürgen: Strukturwandel der Öffentlichkeit, Neuwied: Luchterhand 1965 [1962], S. 60]
Wir sehen noch einmal den Schatten seiner Gestalt dort hinter dem Fenster. [o. A.: Reportage vom Besuch Mussolinis in Essen, 27.09.1937]
Zitationshilfe
„Gestalt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gestalt>.

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