Gewalt, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gewalt · Nominativ Plural: Gewalten
Aussprache
WorttrennungGe-walt
Wortbildung mit ›Gewalt‹ als Erstglied: ↗Gewaltakt · ↗Gewaltandrohung · ↗Gewaltanwendung · ↗Gewaltausübung · ↗Gewaltdarstellung · ↗Gewaltenteilung · ↗Gewaltentrennung · ↗Gewaltfantasie · ↗Gewalthaber · ↗Gewaltherrschaft · ↗Gewaltherrscher · ↗Gewaltkur · ↗Gewaltmarsch · ↗Gewaltmaßnahme · ↗Gewaltmensch · ↗Gewaltmittel · ↗Gewaltmonopol · ↗Gewaltphantasie · ↗Gewaltpolitik · ↗Gewaltritt · ↗Gewaltszene · ↗Gewalttat · ↗Gewalttäter · ↗Gewaltverbrechen · ↗Gewaltverbrecher · ↗Gewaltverhältnis · ↗gewaltbereit · ↗gewaltfrei · ↗gewaltförmig · ↗gewaltig · ↗gewaltlos · ↗gewaltsam · ↗gewalttätig · ↗gewaltverherrlichend
 ·  mit ›Gewalt‹ als Letztglied: ↗Allgewalt · ↗Amtsgewalt · ↗Befehlsgewalt · ↗Brachialgewalt · ↗Disziplinargewalt · ↗Elementargewalt · ↗Ellbogengewalt · ↗Ellenbogengewalt · ↗Entscheidungsgewalt · ↗Exekutivgewalt · ↗Explosivgewalt · ↗Feudalgewalt · ↗Finanzgewalt · ↗Gegengewalt · ↗Herrschaftsgewalt · ↗Jugendgewalt · ↗Kommandogewalt · ↗Militärgewalt · ↗Männergewalt · ↗Naturgewalt · ↗Obergewalt · ↗Polizeigewalt · ↗Präsidialgewalt · ↗Regierungsgewalt · ↗Reichsgewalt · ↗Schicksalsgewalt · ↗Schlüsselgewalt · ↗Sprachgewalt · ↗Staatsgewalt · ↗Stimmgewalt · ↗Strafgewalt · ↗Urgewalt · ↗Verfügungsgewalt · ↗Waffengewalt · ↗Wortgewalt
 ·  mit ›Gewalt‹ als Binnenglied: ↗Zweigewaltenlehre  ·  formal verwandt mit: ↗vergewaltigen
eWDG, 1967

Bedeutungen

1.
Macht, Befugnis, über jmdn., etw. zu bestimmen
Beispiele:
die elterliche, obrigkeitliche, kaiserliche, absolute, feudale Gewalt
Jura im Falle höherer Gewalt ist die Haftung ausgeschlossen
(vollständig) unter, in jmds. Gewalt sein, stehen
jmdn. in seiner Gewalt haben, in seine Gewalt bekommen
Gewalt über jmdn. gewinnen
Gewalt über Leben und Tod
die Gewalt zu etw. haben
Mit allen Hoheitsrechten und Gewalten [SchillerDemetriusI]
Über die hab ich keine Gewalt [GoetheFaustI 2626]
Macht, etw. zu beherrschen
Beispiel:
die Gewalt über sein Fahrzeug verlieren
etw., sich in der Gewalt habenetw., sich beherrschen, im Zaume halten
Beispiele:
den Körper, die Zunge, den Mund in seiner Gewalt haben
sich (selbst) in der Gewalt haben
er hatte sich schnell wieder in der Gewalt
er hatte sich für einen Augenblick nicht in der Gewalt behalten
2.
nur im Singular
Zwang
a)
Willkür, unrechtmäßiges Vorgehen unter Ausnutzung einer Machtstellung
Beispiele:
Gewalt leiden müssen
das ist nackte, schreiende Gewalt
verhüllend einem Mädchen Gewalt antun (= es vergewaltigen)
Und bist du nicht willig, so brauch ich Gewalt [GoetheErlkönig]
Gewalt geschieht dem Vater [SchillerTellIII 3]
Eurem Bruder wird Gewalt angetan, und ihr kneift die Augen zu! [BrechtGuter Mensch4]
bildlich
Beispiel:
gehoben der Wahrheit, Wirklichkeit, Geschichte, den Tatsachen Gewalt antun (= sie verfälschen)
b)
rohe, körperliche Kraft
Beispiele:
die Tür mit Gewalt öffnen
rohe, blinde, brutale Gewalt anwenden
er musste mit (sanfter) Gewalt hinausbefördert, dazu gebracht werden
umgangssprachlich Gewalt in den Händen, Armen haben
bildlich
Beispiele:
mit Gewalt etw. erlangen, ertrotzen, nehmen
umgangssprachlich er will mit aller Gewalt reich werden
umgangssprachlich mit aller Gewalt (= aus Leibeskräften) lachen, schreien
3.
gehoben Stärke, Kraft, hoher Grad
Beispiele:
die Gewalt des Windes, der Wellen
von der Gewalt des Sturmes in den Abgrund geschleudert werden
das Unwetter brach mit elementarer Gewalt herein
die Gewalten der Natur
die Gewalt war gebrochen
die Gewalt der Leidenschaft, Rede, Wahrheit, Bitten
von der Gewalt der Empfindung hingerissen
es zog ihn zu ihr mit unwiderstehlicher Gewalt
umgangssprachlich jetzt wird es mit Gewalt (= schnell) Winter
Ich störe staunend die Gewalt des Mundes [SchillerStuartI 7]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gewalt · gewaltig · bewältigen · unbewältigt · überwältigen · vergewaltigen · gewaltsam · Gewaltakt · Gewalthaber · Gewaltherrschaft · gewalttätig
Gewalt f. ‘rohe Kraft, Wucht, Macht, Zwang’, ahd. giwalt (8. Jh.), mhd. gewalt, asächs. giwald, mnd. gewelde, gewalt, mnl. ghewelt, nl. geweld, aengl. geweald wie auch anord. vald, schwed. våld (germ. *(ga-)wald-) gehören als Abstraktbildungen (mit unterschiedlichem Genus) zu dem unter ↗walten (s. d.) behandelten Verb. Diesem folgend gilt in alter Zeit vorwiegend die Bedeutung ‘Macht, Herrschaft, Vollmacht’. gewaltig Adj. ‘mächtig, groß, eindrucksvoll’, ahd. giwaltīg (um 800), mhd. gewaltec, gewaltic, geweltic ‘mächtig’. bewältigen Vb. ‘in seine Gewalt bekommen, mit etw. fertig werden, meistern’ (14. Jh.), heute vielfach ‘geistig verarbeiten, verstehend überwinden’. Zuvor mhd. gewaltigen, geweltigen ‘Gewalt antun, überwältigen, etw. seiner Macht unterwerfen’; zu spätmhd. waltec, weltec ‘mächtig, gewaltig’. In der Negation unbewältigt Part.adj. ‘nicht reflektiert, unverarbeitet; verdrängt’ (unbewältigte Vergangenheit, 1955). überwältigen Vb. ‘besiegen, wehrlos machen, beeindrucken’ (15. Jh.). vergewaltigen Vb. ‘mit einer Frau gegen ihren Willen schlafen, gewaltsam zu etw. zwingen’, spätmhd. vergewaltigen, vergeweltigen. gewaltsam Adj. ‘durch Macht, (rohe) Kraft erzwungen’ (15. Jh.). Gewaltakt m. ‘rohe, brutale Handlung, Aktion mit viel Kraftaufwand’ (19. Jh.). Gewalthaber m. (15. Jh.) ‘wer Macht hat, Herrscher’, in älterer Rechtssprache auch ‘wer Vollmacht hat, Stellvertreter’. Gewaltherrschaft f. Verdeutschung (18. Jh.) von Despotie. gewalttätig Adj. ‘rohe Kraft anwendend, brutal’ (Ende 16. Jh., von Gewalttat, 1. Hälfte 16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Beherrschung · Gewalt · ↗Herrschaft · ↗Macht · ↗Machtausübung · ↗Stärke  ●  ↗Power  ugs., engl.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Gewalt · ↗Heftigkeit · ↗Kraft · ↗Schwung · ↗Ungestüm · ↗Vehemenz · ↗Wucht  ●  ↗Karacho  ugs. · Musik dahinter  ugs. · ↗Schmackes  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Androhung Anwendung Ausbruch Drohung Einsatz Eskalation Fremdenfeindlichkeit Gewalt Haß Opfer Sex Spirale Terror Welle antun anwenden ausüben beenden brutal eskalieren häuslich körperlich militärisch motiviert physisch recht rechtsextrem roh sexuell staatlich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gewalt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Was der Roman zeigt, ist ebenso einfach wie provokativ: Gewalt ist schlechthin grundlos.
Die Zeit, 03.01.1997, Nr. 2
Sie arbeitet nicht mit der militärischen Gewalt, sehr wohl aber eben mit politischer Macht.
Der Spiegel, 07.09.1992
Und ist die Drohung mit atomarer Vernichtung nicht auch Gewalt?
Alt, Franz: Liebe ist möglich, München: Piper 1985, S. 70
Aber um diesen Weg fortzuführen, hätte er sich selbst Gewalt antun müssen.
Sartori, Claudio u. a.: Italien. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1957], S. 42146
Sogleich aber gewann sein unverzagtes Herz Gewalt über seinen Schrecken.
Perutz, Leo: Die dritte Kugel, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1988 [1915], S. 153
Zitationshilfe
„Gewalt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gewalt>, abgerufen am 26.03.2019.

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