Gewalthaber, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Gewalthabers · Nominativ Plural: Gewalthaber
Aussprache
WorttrennungGe-walt-ha-ber
eWDG, 1967

Bedeutung

Machthaber
Beispiel:
die Angst vor dem Zorn des Gewalthabers trieb ergötzliche Blüten in den verantwortlichen Ämtern [Wasserm.Wahnschaffe2,333]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gewalt · gewaltig · bewältigen · unbewältigt · überwältigen · vergewaltigen · gewaltsam · Gewaltakt · Gewalthaber · Gewaltherrschaft · gewalttätig
Gewalt f. ‘rohe Kraft, Wucht, Macht, Zwang’, ahd. giwalt (8. Jh.), mhd. gewalt, asächs. giwald, mnd. gewelde, gewalt, mnl. ghewelt, nl. geweld, aengl. geweald wie auch anord. vald, schwed. våld (germ. *(ga-)wald-) gehören als Abstraktbildungen (mit unterschiedlichem Genus) zu dem unter ↗walten (s. d.) behandelten Verb. Diesem folgend gilt in alter Zeit vorwiegend die Bedeutung ‘Macht, Herrschaft, Vollmacht’. gewaltig Adj. ‘mächtig, groß, eindrucksvoll’, ahd. giwaltīg (um 800), mhd. gewaltec, gewaltic, geweltic ‘mächtig’. bewältigen Vb. ‘in seine Gewalt bekommen, mit etw. fertig werden, meistern’ (14. Jh.), heute vielfach ‘geistig verarbeiten, verstehend überwinden’. Zuvor mhd. gewaltigen, geweltigen ‘Gewalt antun, überwältigen, etw. seiner Macht unterwerfen’; zu spätmhd. waltec, weltec ‘mächtig, gewaltig’. In der Negation unbewältigt Part.adj. ‘nicht reflektiert, unverarbeitet; verdrängt’ (unbewältigte Vergangenheit, 1955). überwältigen Vb. ‘besiegen, wehrlos machen, beeindrucken’ (15. Jh.). vergewaltigen Vb. ‘mit einer Frau gegen ihren Willen schlafen, gewaltsam zu etw. zwingen’, spätmhd. vergewaltigen, vergeweltigen. gewaltsam Adj. ‘durch Macht, (rohe) Kraft erzwungen’ (15. Jh.). Gewaltakt m. ‘rohe, brutale Handlung, Aktion mit viel Kraftaufwand’ (19. Jh.). Gewalthaber m. (15. Jh.) ‘wer Macht hat, Herrscher’, in älterer Rechtssprache auch ‘wer Vollmacht hat, Stellvertreter’. Gewaltherrschaft f. Verdeutschung (18. Jh.) von Despotie. gewalttätig Adj. ‘rohe Kraft anwendend, brutal’ (Ende 16. Jh., von Gewalttat, 1. Hälfte 16. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

nationalsozialistisch totalitär

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gewalthaber‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der Kampf zwischen den Gewalthabern und der Gesellschaft im Zarenreiche droht jetzt erst vollen Umfang zu gewinnen.
Vossische Zeitung (Abend-Ausgabe), 03.03.1905
Doch schien sich zu Hause manches gelockert zu haben, die Gewalthaber waren unsicher geworden, und das nutzten wir aus.
Tucholsky, Kurt: Fünfundzwanzig Jahre. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1930], S. 7402
Sie sind fest davon überzeugt, daß dies nur wieder ein propagandistisches Plus für ihre Gewalthaber zeitigen könne.
Die Zeit, 24.01.1955, Nr. 04
Das Interesse der Gewalthaber aber ging zunächst lediglich auf Geldeinnahme.
Weber, Max: Wirtschaft und Gesellschaft. In: Weber, Marianne (Hg.), Grundriß der Sozialökonomik, Tübingen: Mohr 1922 [1909-1914, 1918-1920], S. 963
In ihrer großen Mehrzahl stehen sie fremd und stumm und ablehnend der Methode ihrer Gewalthaber gegenüber.
o. A.: Kurt Schumacher zum Deutschlandtreffen, 29.05.1950, S. 12
Zitationshilfe
„Gewalthaber“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gewalthaber>, abgerufen am 22.04.2019.

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