Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gewaltherrschaft, die

Grammatik Substantiv (Femininum)
Aussprache 
Worttrennung Ge-walt-herr-schaft
Wortzerlegung Gewalt Herrschaft
eWDG

Bedeutung

Despotie, Zwangsherrschaft
Beispiele:
von der Gewaltherrschaft befreit sein
Der Feind, hier wie dort, war Hitler, seine Gewaltherrschaft [ H. MannZeitalter147]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gewalt · gewaltig · bewältigen · unbewältigt · überwältigen · vergewaltigen · gewaltsam · Gewaltakt · Gewalthaber · Gewaltherrschaft · gewalttätig
Gewalt f. ‘rohe Kraft, Wucht, Macht, Zwang’, ahd. giwalt (8. Jh.), mhd. gewalt, asächs. giwald, mnd. gewelde, gewalt, mnl. ghewelt, nl. geweld, aengl. geweald wie auch anord. vald, schwed. våld (germ. *(ga-)wald-) gehören als Abstraktbildungen (mit unterschiedlichem Genus) zu dem unter walten (s. d.) behandelten Verb. Diesem folgend gilt in alter Zeit vorwiegend die Bedeutung ‘Macht, Herrschaft, Vollmacht’. gewaltig Adj. ‘mächtig, groß, eindrucksvoll’, ahd. giwaltīg (um 800), mhd. gewaltec, gewaltic, geweltic ‘mächtig’. bewältigen Vb. ‘in seine Gewalt bekommen, mit etw. fertig werden, meistern’ (14. Jh.), heute vielfach ‘geistig verarbeiten, verstehend überwinden’. Zuvor mhd. gewaltigen, geweltigen ‘Gewalt antun, überwältigen, etw. seiner Macht unterwerfen’; zu spätmhd. waltec, weltec ‘mächtig, gewaltig’. In der Negation unbewältigt Part.adj. ‘nicht reflektiert, unverarbeitet; verdrängt’ (unbewältigte Vergangenheit, 1955). überwältigen Vb. ‘besiegen, wehrlos machen, beeindrucken’ (15. Jh.). vergewaltigen Vb. ‘mit einer Frau gegen ihren Willen schlafen, gewaltsam zu etw. zwingen’, spätmhd. vergewaltigen, vergeweltigen. gewaltsam Adj. ‘durch Macht, (rohe) Kraft erzwungen’ (15. Jh.). Gewaltakt m. ‘rohe, brutale Handlung, Aktion mit viel Kraftaufwand’ (19. Jh.). Gewalthaber m. (15. Jh.) ‘wer Macht hat, Herrscher’, in älterer Rechtssprache auch ‘wer Vollmacht hat, Stellvertreter’. Gewaltherrschaft f. Verdeutschung (18. Jh.) von Despotie. gewalttätig Adj. ‘rohe Kraft anwendend, brutal’ (Ende 16. Jh., von Gewalttat, 1. Hälfte 16. Jh.).

Thesaurus

Politik
Synonymgruppe
Oberbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Gewaltherrschaft‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gewaltherrschaft‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gewaltherrschaft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er hat uns alle befreit von dem menschenverachtenden System der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1985]]
Doch mit zunehmender Dauer der Gewaltherrschaft wurde ihm der exemplarische Quellenwert seiner Aufzeichnungen bewusst. [Die Zeit, 17.12.2006, Nr. 51]
Das Unrecht unter der nationalsozialistischen Gewaltherrschaft sei Teil der gemeinsamen Geschichte der Deutschen. [Die Zeit, 03.04.1992, Nr. 15]
So jedenfalls hat die Literatur seit Jahrhunderten gegen die bestehende Ordnung protestiert, zumal gegen die Gewaltherrschaft. [Die Zeit, 24.09.1965, Nr. 39]
In prinzipiellen Sätzen von eindringlicher Kraft führten die Noten Anklage gegen die Gewaltherrschaft an sich. [o. A.: Die Weltkirche im 20. Jahrhundert. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1979], S. 6581]
Zitationshilfe
„Gewaltherrschaft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gewaltherrschaft>.

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