Gewerbefreiheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gewerbefreiheit · Nominativ Plural: Gewerbefreiheiten
Aussprache
WorttrennungGe-wer-be-frei-heit
WortzerlegungGewerbeFreiheit
DWDS-Vollartikel, 2015

Bedeutungen

1.
Plural ungebräuchlich
(durch gesetzliche Bestimmungen teilweise beschränkte) Möglichkeit, überall und jederzeit einer (beliebigen) wirtschaftlichen Betätigung nachgehen zu können
Beispiele:
Das Monopol der Kantone, das es Privaten verbietet, Lotterien durchzuführen, widerspricht der verfassungsmässig garantierten Handels- und Gewerbefreiheit. [Neue Zürcher Zeitung, 23.06.2008]
Der Zunftzwang fällt 1866, endlich Gewerbefreiheit! [Die Zeit, 07.09.2013 (online)]
Das deutsche Rabattverbot verstoße gegen die Gewerbefreiheit und gegen Europarecht, heißt es. [Der Spiegel, 04.04.2011, Nr. 14]
Penibel listet die Anlage A der deutschen Handwerksordnung […] 94 Berufe auf, in denen ein Eintrag in der Handwerksrolle mehr Bedeutung hat als das Recht auf Berufs- und Gewerbefreiheit im Grundgesetz. [Der Spiegel, 06.03.2000, Nr. 10]
In der Bundesrepublik Deutschland haben wir die Gewerbefreiheit; und die Gewerbefreiheit garantiert jedem, egal ob qualifiziert oder nicht, egal ob er einen positiven Leumund hat oder nicht, ein Gewerbe anmelden zu dürfen. [Berliner Zeitung, 27.05.1995]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: schrankenlose, unbeschränkte, völlige, garantierte Gewerbefreiheit
als Akkusativobjekt: die Gewerbefreiheit durchsetzen, einführen, einschränken
als Genitivattribut: der Grundsatz, das Prinzip der Gewerbefreiheit; eine Einschränkung, Beschränkung der Gewerbefreiheit
in Koordination: Freizügigkeit und Gewerbefreiheit
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Eingriff in die Gewerbefreiheit
2.
selten
meist im Plural
Recht, Vorrecht zu einer bestimmten gewerblichen Betätigung
vergleiche Freiheit (Lesart 2 und 3)
Beispiele:
historisch […] wenn Altona im kommenden Jahr die Verleihung der Stadtrechte vor 350 Jahren […] feiert, wird man sich dankbar an dieses Privileg erinnern, denn es umfasste unter anderem Zoll-, Stapel- und Gewerbefreiheiten und eine eigene Gerichtshoheit. [Die Welt, 22.12.2013 (online)]
historisch Einnahmen aus alten Stiftungen und Besitzungen, reichlich fliessende Zollabgaben, Marktprivilegien und Gewerbefreiheiten sowie Einkünfte aus dem bäuerl. Untertanengebiet Jona ermöglichten Steuerfreiheit und verstärkten die Passivität der Bürgerschaft. [Rapperswil (SG). In: Historisches Lexikon der Schweiz, 2011, aufgerufen am 27.07.2015]
China benötigt mindestens noch eine Generation lang sein autoritäres Regime, um seine Zuwachsrate deutlich unter 0.5 Prozent jährlich zu drücken und den Zuzug in die Städte, der schon bei kleinsten Gewerbefreiheiten lawinenartig anschwillt, zu kontrollieren. [Gaia 1994, S. 125]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gewerbe · gewerblich · Gewerbefreiheit · Gewerbetreibender · Kunstgewerbe
Gewerbe n. ‘auf Erwerb gerichtete Berufstätigkeit’, mhd. gewerbe ‘Wirbel, Gelenk, Geschäft, Tätigkeit, Anwerbung’ ist eine Abstraktbildung zu mhd. werben ‘bewegen, drehen, sich bemühen um, tätig sein, betreiben’ (s. ↗werben). Schon früh in der Wendung Handel und Gewerbe (15. Jh.), wo beide Wörter eine Bedeutungsgemeinschaft darstellen. Doch bald (bei der Herausbildung des städtischen Bürgertums) entwickelt Gewerbe den Sinn ‘Erwerb, dauerhaft ausgeübte Erwerbstätigkeit, Handwerk’ (16. Jh.) und ‘Berufszweig’ (18. Jh.; vgl. Schneidergewerbe). gewerblich Adj. ‘das Gewerbe betreffend’ (15. Jh., geläufig vor allem im 19. Jh.). Gewerbefreiheit f. ‘Recht für jedermann, eine Erwerbstätigkeit auszuüben’ (18. Jh.), Übersetzung von engl. freedom of trade. Gewerbetreibender m. ‘wer mit einem Gewerbe seinen Lebensunterhalt verdient’ (19. Jh.), substantiviertes Part. Präs. nach der Verbindung Gewerbe treiben (15. Jh.). Kunstgewerbe n. ‘Kunsthandwerk’ (19. Jh.).

Thesaurus

Ökonomie
Synonymgruppe
Gewerbefreiheit · freies Unternehmertum
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abweichung Beschränkung Einführung Eingriff Einschränkung Freizügigkeit Grundsatz Prinzip Vertragsfreiheit abweichen allgemein einführen einschränken garantiert herrschen schrankenlos unbeschränkt verstoßen voll

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gewerbefreiheit‹.

Zitationshilfe
„Gewerbefreiheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gewerbefreiheit>, abgerufen am 20.09.2018.

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