Gewissen, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gewissens · Nominativ Plural: Gewissen
Aussprache
WorttrennungGe-wis-sen
Wortbildung mit ›Gewissen‹ als Erstglied: ↗Gewissensangst · ↗Gewissensbedenken · ↗Gewissensbiss · ↗Gewissensdruck · ↗Gewissensehe · ↗Gewissenserforschung · ↗Gewissensfrage · ↗Gewissensfreiheit · ↗Gewissensgrund · ↗Gewissenskonflikt · ↗Gewissenslast · ↗Gewissensnot · ↗Gewissenspein · ↗Gewissensqual · ↗Gewissensruhe · ↗Gewissenssache · ↗Gewissensskrupel · ↗Gewissenswurm · ↗Gewissenszwang · ↗gewissenfrei · ↗gewissenhaft · ↗gewissenlos
eWDG, 1967

Bedeutung

sittliches Bewusstsein, innere Stimme, Fähigkeit des Menschen, Rechenschaft vor sich selbst abzulegen
Beispiele:
er hat ein ruhiges, reines, feinfühliges, böses, schuldbeladenes, weites, bedrücktes, robustes Gewissen
sein schlechtes Gewissen stand ihm im Gesicht geschrieben
er sieht aus wie das leibhaftige schlechte Gewissen
das verbietet ihm sein künstlerisches, wissenschaftliches Gewissen
das Gewissen lässt ihm keine Ruhe
das Gewissen peinigt, quält, plagt jmdn.
jmdm. schlägt das Gewissen
jmds. Gewissen regt sich, ist wach, schläft
die Ruhe des Gewissens
der Stimme, dem Ruf des Gewissens folgen
seinem Gewissen folgen
er hat kein Gewissen
er ist ein Mensch ohne Gewissen
sein Gewissen beruhigen, beschwichtigen, einschläfern, erleichtern, entlasten, beschweren, schärfen
jmds. Gewissen wachrütteln
etw. belastet jmds. Gewissen
sich [Dativ] ein Gewissen aus etw. machen (= etw. schwer nehmen)
sprichwörtlich ein gutes Gewissen ist ein sanftes Ruhekissen
mit Präposition
in Verbindung mit »an«
Beispiel:
an jmds. Gewissen rütteln, appellieren
in Verbindung mit »auf«
Beispiele:
jmdm. etw. auf das Gewissen binden
jmdm. fällt etw. auf das Gewissen
etw. auf sein Gewissen laden
jmdn. auf Ehre und Gewissen fragen
etw. auf Ehre und Gewissen beteuern
jmdn. auf dem Gewissen haben (= an jmds. Unglück, Tod, Untergang schuld sein)
in Verbindung mit »in«
Beispiel:
jmdm. ins Gewissen reden (= jmdm. Vorhaltungen machen)
in Verbindung mit »mit«
Beispiel:
das musst du mit deinem Gewissen ausmachen
in Verbindung mit »nach«
Beispiel:
nach bestem Wissen und Gewissen antworten
in Verbindung mit »vor«
Beispiel:
etw. vor seinem Gewissen verantworten können
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gewissen · gewissenhaft · Gewissenhaftigkeit · gewissenlos · Gewissenlosigkeit · Gewissensbiß · Gewissensehe · Gewissensfrage · Gewissensfreiheit
Gewissen n. ‘Vermögen des Menschen, sein Verhalten sittlich einzuschätzen’. Zu dem zu ahd. wiʒʒan (s. ↗wissen) gehörigen Part. Prät. giwiʒʒan wird das Adjektivabstraktum ahd. giwiʒʒanī f. (11. Jh.) gebildet. Es ist der Versuch einer Wiedergabe von lat. cōnscientia ‘Bewußtsein moralischer Handlungen’, eigentlich ‘das Mitwissen’ (vgl. lat. scientia ‘Kenntnis, Wissen, Wissenschaft’ und s. ↗kon-), das seinerseits dem griech. syné͞idēsis (συνείδησις) ‘Mitwissen, Bewußtsein, (gutes) Gewissen’ nachgebildet ist. Semantische Weiterentwicklung zeigt mhd. gewiʒʒen f. n. ‘Wissen, Kenntnis, Kunde, Erkenntnis dessen, was sich schickt’, das in Analogie zum substantivierten Infinitiv von wiʒʒen neutrales Genus annimmt. Der Begriff des Gewissens entsteht im antiken Griechenland aus der Vorstellung, daß es für alle Handlungen und Verhaltensweisen gegenüber Göttern und Menschen einen inneren „Mitwisser“ gibt. In der christlichen Ethik wird das Gewissen zu einem zentralen Begriff menschlichen sittlichen Verhaltens und des Vermögens, seine Handlungen selbst einzuschätzen. gewissenhaft Adj. ‘genau, zuverlässig’ (17. Jh.). Gewissenhaftigkeit f. ‘Sorgfältigkeit, Genauigkeit’ (1. Hälfte 18. Jh.), zu gewissenhaftig Adj. (16. Jh., im 18. Jh. nicht mehr üblich). gewissenlos Adj. ‘ohne Gewissen, ohne Skrupel’ (um 1400, geläufig erst im 17. Jh.); dazu Gewissenlosigkeit f. ‘Bedenkenlosigkeit, Skrupellosigkeit’ (18. Jh.). Gewissensbiß m. (meist Plur.) ‘moralisches Bedenken, Schuldgefühl’ (17. Jh.), nach (im 17. Jh. häufig belegtem) lat. cōnscientiae morsus; vgl. auch mein Gewissen beißt (Luther), lat. cōnscientiā mordērī (Cicero). Gewissensehe f. ‘Ehe ohne amtlichen Nachweis’ (um 1800) für lat. mātrimōnium cōnscientiae. Gewissensfrage f. ‘eine moralische Entscheidung fordernde Frage’ (17. Jh.). Gewissensfreiheit f. ‘Recht, nicht unter Zwang, sondern nur nach dem Gewissen zu entscheiden, besonders seine Religion ungehindert auszuüben’ (17. Jh.), wohl nach frz. liberté de conscience.

Thesaurus

Synonymgruppe
Bedenken · Gewissen · Gewissensbisse · Schuldgefühle · ↗Skrupel · Vorbehalte · ↗Zweifel · schlechtes Gewissen
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Appell Aufstand Beruhigung Ehre Freiheit Menschenleben Menschheit Nation Wissen appellieren beruhigen böse christlich erleichtern gut moralisch ordnungspolitisch personifiziert plagen reden regen rein ruhig schlecht schärfen sozial unterwerfen vereinbaren verkörpern ökologisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gewissen‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Doch die zweifache Mutter gibt sich kämpferisch, sie habe ein reines Gewissen.
Die Zeit, 05.12.2011 (online)
Tatsächlich rütteln diese Filme das Gewissen in den reichen Ländern auf.
P. M.: Peter Moosleitners interessantes Magazin, 1985, Nr. 7
Das ist sein schlechtes Gewissen, und das ist schon ziemlich eklig!
konkret, 1983
Er hat sein Amt uneigennützig nach bestem Gewissen zu verwalten.
Eschenburg, Theodor: Staat und Gesellschaft in Deutschland, Stuttgart: Schwab 1957 [1956], S. 1058
Und das lastet auf Deinem Gewissen wie auf dem meinen.
Suttner, Bertha von: Martha's Kinder. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 4014
Zitationshilfe
„Gewissen“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gewissen>, abgerufen am 21.10.2019.

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