Gewissenlosigkeit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungGe-wis-sen-lo-sig-keit
Wortzerlegunggewissenlos-igkeit
eWDG, 1967

Bedeutung

Verantwortungslosigkeit
Beispiel:
Es ist der Gipfel der Gewissenlosigkeit und nur ein Wahnsinniger kann zwanzig Jahre nach dem Weltkrieg einen zweiten Krieg ... beginnen [Kellerm.Totentanz401]
verantwortungslose Handlung
Beispiele:
eine Gewissenlosigkeit begehen
jmdn. einer Gewissenlosigkeit bezichtigen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gewissen · gewissenhaft · Gewissenhaftigkeit · gewissenlos · Gewissenlosigkeit · Gewissensbiß · Gewissensehe · Gewissensfrage · Gewissensfreiheit
Gewissen n. ‘Vermögen des Menschen, sein Verhalten sittlich einzuschätzen’. Zu dem zu ahd. wiʒʒan (s. ↗wissen) gehörigen Part. Prät. giwiʒʒan wird das Adjektivabstraktum ahd. giwiʒʒanī f. (11. Jh.) gebildet. Es ist der Versuch einer Wiedergabe von lat. cōnscientia ‘Bewußtsein moralischer Handlungen’, eigentlich ‘das Mitwissen’ (vgl. lat. scientia ‘Kenntnis, Wissen, Wissenschaft’ und s. ↗kon-), das seinerseits dem griech. syné͞idēsis (συνείδησις) ‘Mitwissen, Bewußtsein, (gutes) Gewissen’ nachgebildet ist. Semantische Weiterentwicklung zeigt mhd. gewiʒʒen f. n. ‘Wissen, Kenntnis, Kunde, Erkenntnis dessen, was sich schickt’, das in Analogie zum substantivierten Infinitiv von wiʒʒen neutrales Genus annimmt. Der Begriff des Gewissens entsteht im antiken Griechenland aus der Vorstellung, daß es für alle Handlungen und Verhaltensweisen gegenüber Göttern und Menschen einen inneren „Mitwisser“ gibt. In der christlichen Ethik wird das Gewissen zu einem zentralen Begriff menschlichen sittlichen Verhaltens und des Vermögens, seine Handlungen selbst einzuschätzen. gewissenhaft Adj. ‘genau, zuverlässig’ (17. Jh.). Gewissenhaftigkeit f. ‘Sorgfältigkeit, Genauigkeit’ (1. Hälfte 18. Jh.), zu gewissenhaftig Adj. (16. Jh., im 18. Jh. nicht mehr üblich). gewissenlos Adj. ‘ohne Gewissen, ohne Skrupel’ (um 1400, geläufig erst im 17. Jh.); dazu Gewissenlosigkeit f. ‘Bedenkenlosigkeit, Skrupellosigkeit’ (18. Jh.). Gewissensbiß m. (meist Plur.) ‘moralisches Bedenken, Schuldgefühl’ (17. Jh.), nach (im 17. Jh. häufig belegtem) lat. cōnscientiae morsus; vgl. auch mein Gewissen beißt (Luther), lat. cōnscientiā mordērī (Cicero). Gewissensehe f. ‘Ehe ohne amtlichen Nachweis’ (um 1800) für lat. mātrimōnium cōnscientiae. Gewissensfrage f. ‘eine moralische Entscheidung fordernde Frage’ (17. Jh.). Gewissensfreiheit f. ‘Recht, nicht unter Zwang, sondern nur nach dem Gewissen zu entscheiden, besonders seine Religion ungehindert auszuüben’ (17. Jh.), wohl nach frz. liberté de conscience.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abgrund Gewissen zeugen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gewissenlosigkeit‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Und wer sich allzu hartnäckig widersetzte, bekam die Gewissenlosigkeit der Staatssicherheit zu spüren.
Die Zeit, 28.06.2010, Nr. 26
Sie hätten aber Polen so leicht zu helfen vermocht, sie brauchten es nur nicht mit ihrer Gewissenlosigkeit in den Krieg zu hetzen.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1939]
Nun war auch "Triumph des Willens" eine Auftragsarbeit für die NSDAP, aber man darf die eine Gewissenlosigkeit nicht mit der anderen gleichsetzen.
Die Welt, 22.08.2002
Es ist ein lustiges Buch, aber der fröhliche Sadismus, den Illies empfiehlt, diese gut gelaunte Gewissenlosigkeit, ist natürlich satirisch gemeint.
Der Tagesspiegel, 22.09.2001
Zu meiner Verwunderung sind sie über Art, Zweck und Ziel des Auftrags und Adlers unverfrorene Gewissenlosigkeit weniger erstaunt als ich.
Wallraff, Günter: Ganz unten, Berlin: Aufbau-Verl.1986 [1985], S. 248
Zitationshilfe
„Gewissenlosigkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gewissenlosigkeit>, abgerufen am 16.10.2019.

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