Gewohnheit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gewohnheit · Nominativ Plural: Gewohnheiten
Aussprache 
Worttrennung Ge-wohn-heit
Wortbildung  mit ›Gewohnheit‹ als Erstglied: ↗Gewohnheitsdieb · ↗Gewohnheitseinbrecher · ↗Gewohnheitsmensch · ↗Gewohnheitsparade · ↗Gewohnheitsrecht · ↗Gewohnheitstier · ↗Gewohnheitstrinker · ↗Gewohnheitsverbrecher · ↗gewohnheitsgemäß · ↗gewohnheitsmäßig
 ·  mit ›Gewohnheit‹ als Letztglied: ↗Denkgewohnheit · ↗Ernährungsgewohnheit · ↗Hörgewohnheit · ↗Junggesellengewohnheit · ↗Kaufgewohnheit · ↗Konsumgewohnheit · ↗Lesegewohnheit · ↗Rechtsgewohnheit · ↗Schlafgewohnheit · ↗Sehgewohnheit · ↗Trinkgewohnheit
eWDG

Bedeutung

durch häufige Wiederholung zur Selbstverständlichkeit gewordene Handlung oder Haltung, die meist nahezu automatisch vollzogen wird
Beispiele:
eine gute, schlechte, üble, liebe, liebgewordene Gewohnheit
etw. wird jmdm. zur festen Gewohnheit
etw. aus alter Gewohnheit tun
eine Gewohnheit bildet sich heraus
umgangssprachlichwas die Gewohnheit nicht alles macht!
die Macht der Gewohnheit
mit seinen Gewohnheiten brechen
sich (nicht) von seinen Gewohnheiten abbringen lassen
eine Gewohnheit annehmen, ablegen, abstreifen
in eine Gewohnheit zurückfallen
jmds. Gewohnheiten kennen
seine Gewohnheiten ändern
Die leidige Gewohnheit, leise die Klinke herunterzudrücken, einzutreten, ohne anzuklopfen – sie vermochte sie nicht zu lassen [ A. ZweigJunge Frau60]
Denn aus Gemeinem ist der Mensch gemacht, / Und die Gewohnheit nennt er seine Amme [ SchillerWallenst. TodI 4]
Brauch, Sitte
Beispiele:
eine eingewurzelte Gewohnheit
soziale Gewohnheiten (= regelmäßige, gleichartige und beständige Reaktionen der Menschen auf die Einflüsse und Erfordernisse der gesellschaftlichen Umwelt)
Wie sie da die windgepeitschte Chaussee entlangwanderten, nach ländlicher Gewohnheit der Mann voran, die Frau einen Schritt hinterdrein [ FalladaJeder stirbt524]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gewohnheit f. ‘Vertrautheit, Selbstverständlichkeit, fest angenommene Handlungsweise’, ahd. giwonaheit ‘Gewohnheit, Brauch’ (8. Jh.), mhd. gewonheit ‘Gewohnheit, gewohnte Lebensweise’ gehört als Ableitung zu den Formen des unter ↗gewohnt (s. d.) genannten Adjektivs gewohn.

Thesaurus

Synonymgruppe
Angewohnheit · ↗Gepflogenheit · Gewohnheit
Unterbegriffe
  • Unart · ↗Untugend · schlechte Angewohnheit · schlechte Gewohnheit
Synonymgruppe
Brauch · ↗Gepflogenheit · Gewohnheit · ↗Konvention · ↗Regel · ↗Sitte · ↗Usus  ●  ↗Usance  fachspr. · ↗Usanz  fachspr., schweiz.
Oberbegriffe
  • handlungsleitende Norm(en)
  • gesellschaftliche Norm · soziale Norm · soziales Skript
Assoziationen
Synonymgruppe
Alltag · ↗Alltagstrott · Gewohnheit · ↗Joch · ↗Regelmäßigkeit · ↗Trott · täglicher Trott  ●  ↗Routine  franz. · ↗Mühle  ugs.
Assoziationen
  • (etwas) gewohnt sein · (etwas) nicht anders kennen · (sich) gewöhnt haben (an) · gewöhnt sein (an)  ●  (für jemanden) ganz normal sein  ugs.
  • Sisyphusarbeit · immer (so) weitergehen · immer wieder von vorn(e) anfangen (können / müssen) · nie aufhören · nie zu Ende (sein)  ●  ↗(in) Endlosschleife  fig. · (sich) im Kreis drehen  fig. · ↗Drehtüreffekt  fig.
  • (der) Ernst des Lebens · tägliche Plackerei  ●  ↗Hamsterrad  fig. · ↗Tretmühle  fig. · (das) tägliche Kleinklein  ugs. · (die) Mühen der Ebene(n)  geh., Zitat · das tägliche Klein-Klein  ugs.
  • Alltag · ↗Tagesgeschäft  ●  ↗Routine  franz. · täglich Brot  ugs.
  • Alltag · ↗Arbeitsalltag · ↗Routine · ↗Tagesgeschehen · ↗Trott
  • betriebsblind
  • Einerlei · ↗Eintönigkeit · ↗Gleichförmigkeit · ↗Monotonie · ↗Stumpfsinn · ↗Ununterscheidbarkeit · ↗Öde · ↗Ödnis  ●  ↗Ennui  geh. · ↗Langeweile  ugs. · ↗Langweile  ugs.
  • Trampelpfade (des Althergebrachten, bereits Bekannten o.ä.)  fig. · eingefahrene Bahnen  fig. · eingefahrene Gleise  fig.
  • Lebensführung · ↗Lebenswandel
  • (die) Macht der Gewohnheit · (für jemanden) selbstverständlich werden · (sich) zu eigen (machen) · (sich) zur Gewohnheit machen · selbstverständlich werden (für) · ↗verinnerlichen · zur Selbstverständlichkeit werden  ●  (für jemanden) zur Gewohnheit werden  variabel · (für jemanden) zur zweiten Natur werden  variabel · (jemandem) zur Gewohnheit werden  variabel · (jemandem) zur zweiten Natur werden  variabel · in Fleisch und Blut übergehen (lassen)  fig. · ↗inkorporieren  geh. · ↗internalisieren  geh.
  • das tägliche Einerlei · der graue Alltag

Typische Verbindungen zu ›Gewohnheit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gewohnheit‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gewohnheit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Vielleicht muss man die alten Gewohnheiten pflegen, wenn man Erfolg haben will.
Die Zeit, 02.05.2012 (online)
Wie gut sich die Technik verbessern ließ, will sie noch nicht beurteilen, denn schlechte Gewohnheiten lassen sich nur sehr schwer abstellen.
Süddeutsche Zeitung, 04.12.2003
Jedenfalls steht unser Kuckuck mit seinen merkwürdigen Gewohnheiten nicht allein.
Natzmer, Gert von: Tierstaaten und Tiergesellschaften, Berlin: Safari-Verl. 1967, S. 126
Von der großen Versammlung, die man endlich einberief, wurde vorher in den Brigaden merkwürdig wenig gesprochen, aber gegen die Gewohnheit gingen alle hin.
Wolf, Christa: Der geteilte Himmel, Halle (Saale): Mitteldeutscher Verl. 1963, S. 84
Wohl prallt das Auge, aus Gewohnheit vielleicht, noch einigemal ab.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 51
Zitationshilfe
„Gewohnheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gewohnheit>, abgerufen am 20.01.2021.

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