Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gezeter, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gezeters · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Worttrennung Ge-ze-ter (computergeneriert)
eWDG

Bedeutung

umgangssprachlich das (fortwährende) Zetern, Zetergeschrei
Beispiele:
was wird das für ein Gezeter geben!
ein großes Gezeter anstimmen, anheben
das Gezeter verstummte
[er war] stumpf und taub gegen das Geschrei und Gezeter der erregten Menschen [ ApitzNackt304]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

zetern · zeter · Gezeter
zetern Vb. ‘wehklagend schreien’ (18. Jh.), ‘keifend schimpfen’ (19. Jh.), abgeleitet von zeter Interjektion mhd. zēter, zēther, auch (unter Einfluß von zittern?) zetter, ursprünglich (2. Hälfte 13. Jh.) Not- und Hilferuf eines Angegriffenen bei Mordversuch, Raub, Diebstahl, Vergewaltigung, der die Mitbürger zur Hilfe und zur Verfolgung des Täters verpflichtet; dann Anklageruf zu Beginn der Gerichtsverhandlung, der vom Kläger dreimal erhoben wird (um 1300, vgl. Zeter schreien, um 1400), woraus sich ein allgemeiner Klageruf entwickelt. Die ursprünglich omd. Interjektion breitet sich im 16. Jh. ins Obd., Anfang des 17. Jhs. ins Nd. aus; vgl. ähnliche Not- und Hilferufe wie mhd. (frk. obd.) wāfen(ā), jüngeres alem.-rhein. mordio (15. Jh.) und mnd. tiōdūte, tō jōdūt(e), jōdūte. Die Etymologie ist umstritten. Nach Törnquist in: Studia Neophilologica 11 (1938/39) 318 ff. entstanden aus (mhd.) ze æhte her ‘zur Verfolgung her’ (s. Acht1; das ē in zēter wird als md. Wiedergabe von mhd. æ in æhte gedeutet). Dagegen führt Hammerich Clamor (1941) 170 ff. mhd. zēter und mnd. tiōdūte auf *zi-jōthera ‘zum Kampf her’ bzw. *ti-jōd-ūta ‘zum Kampf heraus’ zurück, Bildungen zu germ. *jauð- (ahd. *jōt, mnd. *jōd) ‘Kampf’, das er mit aind. yúdh- ‘Kampf’, yúdhyatē ‘(be)kämpft’, lat. iubēre ‘befehlen’, lit. judė́ti ‘sich bewegen, sich regen, sich rühren’ an die Wurzel ie. *i̯eudh- ‘in heftiger Bewegung sein, kämpfen’ anschließt. Gezeter, älter auch Gezetter n. ‘lautes Geschrei, Wehklagen, Schimpfen’ (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Geheul · Gejammer · Gezeter · Herumgejammer · Jammer · Jammerei · Klage · Lamento · Wehgeschrei · Wehklagen · klagende Laute
Assoziationen
Synonymgruppe
Gezeter · Gezetere · Gezänk  ●  Gekeife  ugs. · Geplärr  ugs. · Geplärre  ugs.
Synonymgruppe
(das) Herumzetern · (das) Keifen · (das) Kreischen · Gekeife · Gekreisch · Gekreische · Gezeter
Assoziationen
Synonymgruppe
Gezeter · Wehgeschrei · großes Geschrei  ●  Heulen und Zähneklappern  fig., übertreibend

Typische Verbindungen zu ›Gezeter‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gezeter‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gezeter‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Kurzes Gezeter, ein bißchen Schieben, ein bißchen Drängeln, dann herrscht wieder Ruhe. [Die Zeit, 16.04.1998, Nr. 17]
Wenn die Bücher miteinander reden könnten, was wäre das für ein Gezeter! [Die Zeit, 23.08.1996, Nr. 35]
Das Schicksal hat mich begünstigt, das ist mir meist auch inmitten meines größten Gezeters bewußt. [Die Zeit, 18.03.2013, Nr. 11]
Das allgemeine Gezeter könnte das „betriebswirtschaftliche Netz“ derart diskreditieren, daß es nach der Wahl kaum mehr realisiert werden könnte. [Die Zeit, 07.11.1975, Nr. 46]
Sie verstehen es, ihr Ende nicht zu bejammern, nicht durch weinerliches Gezeter zu verlängern. [Süddeutsche Zeitung, 02.03.2002]
Zitationshilfe
„Gezeter“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gezeter>.

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