Gießerei, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gießerei · Nominativ Plural: Gießereien
Aussprache
WorttrennungGie-ße-rei
Wortzerlegunggießen-erei
Wortbildung mit ›Gießerei‹ als Erstglied: ↗Gießereiarbeiter · ↗Gießereiausschuss · ↗Gießereibetrieb · ↗Gießereierzeugnis · ↗Gießereitechnik
 ·  mit ›Gießerei‹ als Letztglied: ↗Bildgießerei · ↗Bleigießerei · ↗Bronzegießerei · ↗Eisengießerei · ↗Glockengießerei · ↗Handgießerei · ↗Metallgießerei · ↗Stahlgießerei · ↗Zinngießerei
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
a)
das Gießen von flüssig gemachtem Metall und die Herstellung bestimmter Gegenstände aus diesem Metall
Beispiele:
Der [Hoch-]Ofen, der bis dahin das flüssige Eisen für die Gießerei und Schlacke für die Mineratwolle-Produktion des Werks lieferte, hatte zuletzt Verluste gebracht […]. [konkret, 2000 [1982]]
Am 20. Dezember unterzeichneten Vertreter der Firma Fried. Krupp GmbH und das Außenhandelsministerium der DDR […] auf der Grundlage des Rahmenvertrags […] einen Importvertrag über die Lieferung eines metallurgischen Objektes für die Herstellung von Gußobjekten (= Gießerei) […]. [Archiv der Gegenwart, 2001 [1975]]
Zum Beispiel erheben heute Maschinenbaukombinate Forderungen nach Fachkräften zur besseren Auslastung der Gießereikapazitäten. Warum? Weil sie seit 1969 selbst keine Facharbeiter für die Gießerei mehr ausgebildet […] haben. [Einheit, 1971, Nr. 6, Bd. 26]
Man erhielt hier [in einem Lehrfilm] genauen Einblick in eine umfangreiche Fabrikanlage und verfolgte den Werdeprozeß der Nähmaschine in allen Teilen: die Gießerei, das Einformen der gußeisernen Modelle, das Lackieren der Standteile durch Tauchverfahren, die Bearbeitung der Stücke durch ganz- und halbautomatische Wertzeugmaschinen. [Berliner Tageblatt (Morgen-Ausgabe), 04.03.1927]
b)
Zweig der Metallindustrie, der sich mit der Herstellung bestimmter Gegenstände durch Gießen von flüssig gemachtem Metall befasst
Beispiele:
Die deutsche Zinkindustrie gliedert sich in die Metallerzeugung, die Verzinkereien, die Halbzeugherstellung und die Gießereien. [Süddeutsche Zeitung, 28.04.2011]
Die […] Großanlagen hatte Iran aus Deutschland für die Branchen Chemie und Gas, Zement, Gießerei und Stahl bestellt. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.02.2006]
Mit 14 Jahren hat er beim Schalker Verein angefangen. Der Handwerkerlohn lag damals bei 72 Pfennig die Stunde, ein Former in der Gießerei kam auf 1,10 Mark. [konkret, 2000 [1982]]
2.
Betrieb der Metallindustrie, in dem Metall gegossen wird, bzw. die entsprechende Anlage innerhalb eines solchen Betriebs
Beispiele:
Zu den ältesten Glocken der Gießerei gehören zwei, die 1583 und 1589 für die Westminster Abbey gegossen wurden […]. [Süddeutsche Zeitung, 05.12.2016]
Die Gießereien erwirtschafteten im vergangenen Jahr mit 338 Mitarbeitern 58 Millionen Euro Umsatz. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 28.05.2005]
[…] Schiller hat seine Glocke […] nach einem Besuch in einer Rudolstädter Gießerei geschrieben. [Berliner Zeitung, 19.04.1957]
Die Leute [Ofenmaurer] kamen viel herum, in das Hochofenwerk, in die Gießereien, Walzwerke und Glühhäuser, überallhin, wo Öfen zum Schmelzen, Schmieden, Trocknen, Frischen und Härten zu mauern und instand zu halten waren. [Reger, Erik [d.i. Dannenberger, Hermann]: Union der festen Hand, Kronberg/Ts.: Scriptor 1976 [1931], S. 521]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine mittelständische Gießerei
in Präpositionalgruppe/-objekt: in einer Gießerei arbeiten
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gießen · Gießer · Gießerei · Zinngießer · Weißgießer · Rotgießer · Gelbgießer · Schwarzgießer · ausgießen · begießen · Gießkanne
gießen Vb. ‘Flüssigkeit ausfließen lassen, mit Wasser tränken, eine flüssig gemachte Masse, Geschmolzenes in eine Form schütten’. Das gemeingerm. Verb ahd. gioʒan ‘gießen, einschmelzen, vermischen’ (8. Jh.), mhd. gieʒen, asächs. giotan, mnd. gēten, mnl. ghieten, nl. gieten, aengl. gēotan, anord. gjōta (nur ‘laichen, Blicke werfen’), schwed. gjuta, got. giutan ‘gießen’ (germ. *geutan) führt mit nasaliertem lat. fundere (fūsum) ‘gießen, fließen lassen, schmelzen’ auf eine Dentalerweiterung, dagegen anord. gjōsa ‘hervorbrechen’, anord. isl. geysa ‘hervorstürzen’ (s. ↗Geiser), ahd. gussi (um 800), gussa (9. Jh.) ‘Flut’ auf eine s-Erweiterung der Wurzel ie. *g̑heu- ‘gießen’ (Schwundstufe *g̑hu-). Zu dieser Wurzel gehören auch aind. juhṓti ‘opfert’ (und zwar ‘gießt Butter ins Feuer’), griech. chḗin (χεῖν) ‘gießen, ausschütten, ergießen, verbreiten’, ché͞uma (χεῦμα) ‘Guß, Strom’, choḗ (χοή) ‘Weiheguß, Trankopfer’. Seit ahd. Zeit wird gießen, wie auch lat. fundere, als Wort der Metalltechnik verwendet; so ist schon das Part. Prät. ahd. gigoʒʒan ‘gegossen, geschmolzen, durch Gußarbeit entstanden’ in diesem Sinne bezeugt. Aus dieser Verwendung werden ferner Gießer m. ‘Arbeiter in der Gießerei’ (um 1500) und Gießerei f. ‘Betrieb, der Gegenstände durch Gießen schmelzbarer Stoffe in Hohlformen herstellt’ (17. Jh.) abgeleitet sowie die entsprechenden Bedeutungen von ↗Guß (s. d.). Zinngießer m. Hersteller von Zinnguß (14. Jh.), dafür auch Weißgießer m. (18. Jh.) und ↗Kannegießer m. (s. d.). Rotgießer m. (16. Jh.), Gelbgießer m. (18. Jh.) Hersteller von Bronzeguß (einer Kupfer/Zinnlegierung), Messingguß (einer Kupfer/Zinklegierung). Schwarzgießer m. Hersteller von Eisenguß (18. Jh.). ausgießen Vb. ‘Flüssigkeit aus einem Gefäß ausfließen lassen, überschütten, mit Gußmasse füllen’, ahd. ūʒgioʒan (9. Jh.), mhd. ūʒgieʒen. begießen Vb. ‘Flüssigkeit auf etw. schütten’, heute auch ‘etw. mit alkoholischen Getränken feiern’, ahd. bigioʒan (8. Jh.), asächs. bigiotan, mhd. begieʒen. Gießkanne f. (16. Jh.).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anlage Arbeiter Bau Beschäftigte Gelände GmbH Herstellung Hochofen Hütte Maschinenbau Maschinenfabrik Schließung Schmied Schmiede Stahlwerk Walzwerk Werft Werkstätte bauersch beauftragen gießen herstellen königlich mittelständisch produzieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gießerei‹.

Zitationshilfe
„Gießerei“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gießerei>, abgerufen am 19.02.2019.

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