Gier, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gier · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Gier‹ als Erstglied: ↗Gierschlund  ·  mit ›Gier‹ als Letztglied: ↗Besitzgier · ↗Beutegier · ↗Blutgier · ↗Genussgier · ↗Klatschgier · ↗Machtgier · ↗Raubgier · ↗Sensationsgier · ↗Tatengier
eWDG, 1967

Bedeutung

heftiges, maßloses Verlangen
Beispiele:
eine große, unermessliche, unersättliche, blinde Gier
das Tier stürzte sich mit unverhohlener, unbändiger Gier auf sein Fressen
eine Gier nach etw. zeigen, empfinden
von einer Gier nach etw. befallen sein
jmd. ist von Gier nach Macht besessen
eine rasende Gier stieg in ihm hoch
er konnte seine Gier kaum noch, nicht mehr unterdrücken, beherrschen
In dem Korb lagen dänische Delikatessen ... daß mir vor Rührung das Wasser in den Augen und vor Gier im Munde zusammenlief [HartungWunderkinder148]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gier · gierig · gieren · Begier · Begierde · begierig · Neugier · Neugierde · neugierig · Habgier · habgierig
Gier f. ‘heftiges, maßloses Verlangen, Begehren’. Das auf den dt. Sprachraum beschränkte Substantiv ahd. girī(n) (8. Jh.), mhd. gir ‘Begierde’, asächs. nur im Kompositum fehugiri ‘Streben nach Besitz’, ist eine Abstraktbildung zu dem durch gierig (s. unten) ersetzten alten Adjektiv ahd. ger (9. Jh.), Nebenform giri (8. Jh.), mhd. gir, ger ‘begierig, verlangend’, mnd. gīr, gēr, das mit ↗gern und ↗begehren (s. d.) verwandt ist und wie diese zur Wurzel ie. *g̑her- ‘begehren, gern haben’ gehört. gierig Adj. ‘voller Gier, heftig begehrend’, ahd. girīg (9. Jh.), mhd. giric ‘begierig, begehrlich’, Weiterbildung zu den oben genannten Adjektivformen ahd. ger, giri, mhd. gir, ger. gieren Vb. ‘heftig begehren, gierig verlangen’ (15. Jh.), nach heutigem Sprachempfinden als Ableitung von Gier angesehen, ist aber wohl Übernahme von mnd. gīren und gehört damit zu der unter ↗gähnen (s. d.) genannten Wurzelform ie. *g̑hēi-, *g̑hī- ‘gähnen, klaffen, offenstehen’. Doch können im Einzelfall auch auf die gleiche Wurzel zurückgehende nominale Formen mit ī (s. ↗Geier) von Einfluß gewesen sein. Begier f. Begierde f. ‘heftiges, leidenschaftliches (sinnliches) Verlangen’. Während ahd. girida (um 800), mhd. girde Abstraktbildungen zum Adjektiv ahd. ger, giri (s. oben) sind, gehört das Abstraktum mhd. begirde zum Verb mhd. begern, begirn, nhd. ↗begehren (s. d.). Verkürztes mhd. begir steht dagegen unter dem Einfluß von mhd. gir, nhd. Gier (s. oben). begierig Adj. ‘voller Begierde, auf etw. versessen’, mhd. begirec, begirdec. Neugier f. Neugierde f. ‘Gier, Begier, Neuigkeiten oder die Angelegenheit anderer zu erfahren’ (17. Jh.), gebildet zu älterem neugierig Adj. ‘voller Neugier, gespannt’ (Mitte 16. Jh.). Habgier f. ‘Gier nach Besitz’ (18. Jh.) übernimmt die ältere Bedeutung von ↗Geiz (s. d.) und meint den ‘raffenden’ im Unterschied zum späteren ‘sparsamen Geiz’; habgierig Adj. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Begehrlichkeit · Gier · ↗Gierigkeit · ↗Habgier · ↗Habsucht · ↗Konsumrausch · ↗Raffgier
Assoziationen
Synonymgruppe
Bedarf · ↗Bedürfnis · ↗Begehren · ↗Begierde · ↗Drang · Gier · ↗Sehnen · ↗Sehnsucht · ↗Verlangen · ↗Wunsch  ●  ↗Durst  ugs., fig.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Begehren · ↗Begehrlichkeit · ↗Begierde · ↗Geilheit · Gier · ↗Lust (auf) · heftiges Verlangen
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anspruchsmentalität Dummheit Egoismus Eifersucht Eitelkeit Geilheit Geiz Gier Gold Größenwahn Habsucht Haß Maßlosigkeit Neid Profit Selbstsucht Sensation Sex Skrupellosigkeit Verblendung befriedigen grenzenlos hemmungslos maßlos sexuell stillen unersättlich ungezügelt unstillbar voyeuristisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gier‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Getötet wurde ein reicher Mann, er wurde ein Opfer seiner Gier.
Der Tagesspiegel, 29.01.1999
So ohne weiteres sollte man sich von dieser Gier nach Schnelligkeit nicht anstecken lassen.
Süddeutsche Zeitung, 11.03.1997
In Wirklichkeit schlug er sich mit seiner Gier nach neuen Büchern herum.
Canetti, Elias: Die Blendung, München: Hanser 1994 [1935], S. 145
Aus Gier waren sie zuerst über die Meere von ihren fernen Ländern hergekommen.
Heyking, Elisabeth von: Tschun. In: Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1914], S. 8625
Mit Gier verschlang ich, was ich an philosophischen Schriften erwischen konnte.
Ganghofer, Ludwig: Lebenslauf eines Optimisten. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 18295
Zitationshilfe
„Gier“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gier>, abgerufen am 18.02.2019.

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