Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gilde, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gilde · Nominativ Plural: Gilden
Aussprache 
Worttrennung Gil-de
Wortbildung  mit ›Gilde‹ als Erstglied: Gildehaus · Gildemeister · Gildenaufzug · Gildenhaus · Gildenmeister · Gildenzeichen · Gildezeichen
 ·  mit ›Gilde‹ als Letztglied: Fleischergilde · Kaufmannsgilde
eWDG

Bedeutung

historisch Zusammenschluss von Handwerkern und Kaufleuten oder von religiös Gleichgesinnten im Mittelalter zur Wahrung der gemeinsamen Interessen
Beispiele:
eine strenge, ehrbare Gilde
die Gilde der Schmiede, Fischer, Kaufleute
übertragen
Beispiel:
Und weil es alle Leute interessierte, gab es bald eine ganze Gilde von Beobachtern [ HagelstangeSpielball90]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gilde f. ‘Zusammenschluß von Handwerkern, Kaufleuten’, mnd. gilde ‘Festschmaus, Festlichkeit (der Bruderschaften und Ämter), genossenschaftlicher Zusammenschluß für gemeinsame Leistungen, Bruderschaft (von Handwerkern, Kaufleuten, Glaubensgenossen), Zusammengehörigkeit, Schar’, mnl. ghilde, nl. gilde, anord. gildi ‘Bezahlung, Schmaus’. Der Ausdruck verbreitet sich, von den Gebieten an der Nord- und Ostsee ausgehend, seit dem 17. Jh. im gesamten dt. Sprachgebiet und stellt sich im Sinne von ‘Berufsverband’ neben gleichbed. md. Innung und obd. Zunft (s. d.). Gilde ist eine Bildung zu den unter gelten und Geld (s. d.) angeführten Wortgruppen (vgl. aengl. gield ‘Opfer, Zahlung, Abgabe, Tribut, Vergeltung, Bruderschaft’), knüpft an deren alte Bedeutungen ‘opfern, erstatten, entrichten’ bzw. ‘Opfer, Abgabe, Bezahlung’ an und bezeichnet ursprünglich wohl eine heidnische Kultgemeinschaft, zu deren Opfermahlzeiten jedes Mitglied einen Beitrag zu leisten verpflichtet ist. In frk. Kapitularien des 8./9. Jhs. werden Nachfolger derartiger Genossenschaften (in latinisierter Form gildonium oder gelda genannt) offensichtlich auf Grund ihres heidnischen Ursprungs verboten. Die Bezeichnung geht jedoch auf andere Interessengemeinschaften und deren festliche Zusammenkünfte über. Ausführlich dazu de Vries Altgerm. Religionsgesch. 1 (²1956) 483 ff.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gewerk (Bau) · Gilde · Innung · Zunft
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Gilde‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gilde‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gilde‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Da das Kloster bereits 1464 zerstört wurde, hat auch die Gilde keine lange Dauer gehabt. [Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1930, S. 336]
Aber die Führer der Gilde verfolgen seit langem höhere Ziele. [Die Zeit, 19.07.1996, Nr. 30]
Wir werden sicher noch gebraucht “, sagt er über seine Gilde. [Die Zeit, 15.07.1994, Nr. 29]
Solche Erfahrungen muß eine kleine Gilde von Wissenschaftlern beinahe jedes Jahr machen. [Süddeutsche Zeitung, 12.11.1994]
Die traditionsreiche Gilde gibt es immer noch, wenngleich kein Bier mehr gebraut wird. [Die Welt, 07.02.2004]
Zitationshilfe
„Gilde“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gilde>.

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