Gleichgewicht, das
GrammatikSubstantiv (Neutrum)
Aussprache
WorttrennungGleich-ge-wicht (computergeneriert)
Wortzerlegunggleich1Gewicht
Wortbildung mit ›Gleichgewicht‹ als Erstglied: Gleichgewichtsempfinden · Gleichgewichtsgefühl · Gleichgewichtslage · Gleichgewichtsorgan · Gleichgewichtspolitik · Gleichgewichtspunkt · Gleichgewichtssinn · Gleichgewichtsstörung · Gleichgewichtszustand · Gleichgewichtsübung
 ·  mit ›Gleichgewicht‹ als Letztglied: Machtgleichgewicht · Marktgleichgewicht
eWDG, 1969

Bedeutung

Zustand eines Körpers, in dem sich die auf ihn entgegengesetzt einwirkenden Kräfte gerade aufheben
Beispiele:
das Gleichgewicht eines Schiffes, Flugzeuges, Menschen
sie verlor ihr Gleichgewicht und stürzte
Gleichgewicht halten
etw. hängt im Gleichgewicht
das statische, dynamische, biologische, radioaktive Gleichgewicht
bildlich seelische Ruhelage
Beispiele:
das innere, geistige, persönliche Gleichgewicht
jmdm. das Gleichgewicht nehmen, rauben
jmds. Gleichgewicht erschüttern
er verliert niemals sein Gleichgewicht
sein Gleichgewicht wiedererlangen, -finden
jmdn. aus dem Gleichgewicht bringen, reißen, werfen
aus dem Gleichgewicht geraten, kommen, sein
übertragen Ausgleich
Beispiele:
die Dinge wieder ins Gleichgewicht bringen (= ausgleichen)
sein überlebter Begriff vom Gleichgewicht der Kräfte schloß ihn von der wirklichen Teilnahme an dem Schicksal Europas damals noch aus [H. MannZeitalter405]
die notwendige Wiederherstellung des Gleichgewichtes zwischen Lehre und Forschung [Butenandt50 Jahre11]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gleich · Gleiche · Gleichheit · gleichen · begleichen · vergleichen · Vergleich · Vergleichung · Gleichnis · gleichsam · Gleichung · Gleichgewicht · gleichgültig · Gleichgültigkeit · gleichmäßig · Gleichmaß · gleichmütig · Gleichmut · Gleichschritt · gleichwohl · gleichzeitig
gleich Adj. ‘in allen oder wesentlichen Merkmalen übereinstimmend, ähnlich, der-, die-, dasselbe’, Adv. ‘sofort, auf einmal’, ahd. gilīh Adj., gilīhho Adv. (beide 8. Jh.), mhd. g(e)līch, -lich Adj., g(e)līche Adv., asächs. gilīk Adj., gilīko Adv., mnd. g(e)līk, mnl. ghelijc, nl. gelijk, aengl. (ge)līc, engl. like, anord. (g)līkr, got. galeiks beruhen auf einer germ. Zusammensetzung aus dem unter ↗ge- (s. d.) behandelten Präfix und germ. *līka- ‘Körper, Gestalt’ (s. ↗Leiche, ↗-lich), so daß von einer Bedeutung ‘dieselbe Gestalt habend’ auszugehen ist. Adjektivischen Gebrauch von germ. *līka- im Sinne von ‘ähnlich, gleich, glatt, passend’ setzen ahd. līhhēn, gilīhhēn (8. Jh.), mhd. gelīchen ‘gefallen’ mit asächs. līkon, mnl. ghelīken, aengl. līcian, engl. to like, anord. līka, got. leikan, galeikan voraus. Außergerm. vergleichbar sind lit. lýgus ‘gleich, gleichartig, gut gebaut’, lýgti ‘gleichen, gleichkommen’, lett. līgt ‘übereinkommen’, so daß auf Grund der germ.-balt. Parallelen von ie. *lē̌ig- bzw. *līg- ‘Gestalt, die Gestalt jmds. habend, gleich, ähnlich’ ausgegangen werden kann. Gleiche f. nur noch in der Wendung in die Gleiche (‘ins Gleichgewicht, in Ordnung’) bringen, ahd. gilīhhī ‘Ähnlichkeit, Gleichheit’ (um 1000), mhd. gelīche; dafür heute allgemein Gleichheit (s. unten). Erhalten hat sich das Substantiv in Tagundnachtgleiche (17. Jh.), für lat. aequinoctium. Gleichheit f. ‘Übereinstimmung (in allen oder wesentlichen Merkmalen), Ähnlichkeit, gleiche Stellung, Gleichrangigkeit, Gleichberechtigung’, mhd. gelīcheit, glīcheit ‘Gleichheit, Gleichmäßigkeit, Gleichnis’, in der Mystik ‘Gleichmut aus Gottergebenheit’, im 16. Jh. synonymes Gleiche (s. oben) zurückdrängend. gleichen Vb. ‘gleich, ähnlich sein’, mhd. gelīchen; die heute übliche starke Flexion kommt (wohl in Analogie zu Verben wie bleichen, schleichen, streichen) im 16./17. Jh. auf und setzt sich im 18. Jh. durch. Daneben steht (trans.) ahd. gilīhhen (8. Jh.), mhd. gelīchen, nhd. gleichen ‘gleich, ähnlich machen’, dessen schwache Flexion bis zur Ablösung des Verbs durch Präfixbildungen (19. Jh.) beibehalten wird; doch weisen die zugehörigen Präfixverben (an-, aus-, be-, vergleichen) heute ebenfalls starke Flexion auf. begleichen Vb. ‘bezahlen, bereinigen, ausgleichen’, Neubildung (nach nur kurzlebigem frühnhd. sich begleichen ‘sich vergleichen’) Ende des 19. Jhs. in der Handelssprache für saldieren, das zuvor mit vergleichen, ab-, ausgleichen verdeutscht wird. vergleichen Vb. ‘prüfend nebeneinanderstellen’, refl. ‘sich gütlich einigen’, mhd. verg(e)līchen ‘ausgleichen’, refl. ‘sich vertragen’; Vergleich m. ‘prüfende, kritische Nebeneinanderstellung, gütlicher Ausgleich in einem Streitfall, Einigung’ (17. Jh.), älter Vergleichung f. mhd. vergelīchunge. Gleichnis n. ‘Veranschaulichung eines Sachverhaltes durch eine beispielhafte, bildliche Darstellung’, ahd. gilīhnissa, gilīhnessi, -nissi ‘Abbild, Ähnlichkeit, Gleichnis’ (8. Jh.), mhd. gelīchnisse. gleichsam Adv. ‘gewissermaßen, in derselben Art wie’ (15. Jh.). Gleichung f. in der Mathematik ‘Gleichsetzung mathematischer Größen’ (Ende 17. Jh.), Verdeutschung von lat. aequātio anstelle des im 16. und 17. Jh. üblichen Vergleichung; zuvor ‘Vergleichung, Gleichartigkeit, Ähnlichkeit’ (vereinzelt bis ins 19. Jh.), mhd. g(e)līchunge. Gleichgewicht n. ‘Gleichheit des Gewichts’ (16. Jh.) für lat. aequipondium (aus lat. aequus ‘gleich’ und lat. pondus n. ‘Gewicht’; vgl. gleichwichtig, 15. Jh., gleichgewichtig, Gleichwichtigkeit, 16. Jh.), ‘Balance, Zustand eines Körpers, in dem sich die auf ihn entgegengesetzt einwirkenden Kräfte aufheben’ (17. Jh.) für lat. aequilībrium (zu lat. aequilībris ‘im Gleichgewicht’, lat. lībra ‘Waage, Pfund’), übertragen ‘Ausgleich von Kräften, Machtverhältnissen, seelische Ruhe, Ausgeglichenheit’ (18. Jh.). gleichgültig Adj. ‘teilnahmslos, belanglos, unwesentlich’ (18. Jh.), zuvor ‘gleichwertig, gleichbedeutend’, auch ‘ohne Wert, ohne Bedeutung’ (um 1600); Gleichgültigkeit f. (2. Hälfte 17. Jh.). gleichmäßig Adj. ‘unverändert fortlaufend, regelmäßig, ruhig, ausgeglichen’ (15. Jh.); Gleichmaß n. ‘Ebenmaß, Gleichförmigkeit, Ausgeglichenheit’ (vereinzelt 16. Jh., häufiger seit etwa 1700). gleichmütig Adj. ‘ruhig, gefaßt, gelassen’ (15. Jh.); dazu die Rückbildung Gleichmut m. ‘Gelassenheit’ (17. Jh.). Gleichschritt m. ‘gleichmäßige Bewegung zweier und mehrerer Personen bzw. der Truppe mit einheitlicher Schrittlänge und taktmäßigem Niedersetzen des gleichen Fußes’ (2. Hälfte 18. Jh.). gleichwohl Konj. Adv. ‘trotz dem Vorhergesagten, dennoch, trotzdem’ (15. Jh.), Zusammenrückung von gleich und wohl, spätmhd. gelīche wol, eigentl. ‘in gleicher Weise gut, wirksam’, mnd. gelīkewol. gleichzeitig Adj. ‘zur gleichen Zeit’ (Mitte 18. Jh.).
OpenThesaurus (09/2016)

Thesaurus

Synonymgruppe
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
DWDS-Beispielextraktor

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Man sieht darin eine empfindliche Störung des strategischen Gleichgewichts in der Region.
Die Zeit, 12.04.2010, Nr. 15
Die in mühseliger Arbeit geschaffene verbesserte Lage der ungarischen Roma drohte zwangsläufig wieder aus dem Gleichgewicht zu geraten.
Süddeutsche Zeitung, 08.12.2004
Nicht alles scheint uns hier mit dem "Gleichgewicht des Schreckens" erklärbar.
Schulz, Johannes u. Vogel, Karl Michael: Thesen zur Funktionsfähigkeit der Bundeswehr. In: Haug, Hans-Jürgen u. Maessen, Hubert (Hgg.) Kriegsdienstverweigerer - Gegen die Militarisierung der Gesellschaft, Frankfurt a. M.: Fischer 1971, S. 42
Die Frage, die sie auf deutsch an mich richtete, brachte mich schon bald aus dem Gleichgewicht.
Brief von Ernst G. an Irene G. vom 03.07.1944, Feldpost-Archive mkb-fp-0270
Er brachte mich lange Zeit völlig aus dem seelischen Gleichgewicht.
Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 44870
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufrechterhaltung Erhaltung Kräfte Schreckens Störung Wiederherstellung Zahlungsbilanz annäherndes aufrechtzuerhalten austarierte außenwirtschaftliches biologische empfindliche fragile gesamtwirtschaftlichen gestört gestörte herzustellen inneres labile militärische natürliche nukleare prekäre seelische stabiles strategische wahren wiederherzustellen ökologische

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gleichgewicht‹.

Worthäufigkeit

selten häufig

Ältere Wörterbücher

Korpustreffer

Referenzkorpora
Zeitungskorpora
Spezialkorpora