Gleichheit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gleichheit · Nominativ Plural: Gleichheiten · wird meist im Singular verwendet
Aussprache  [ˈglaɪ̯çhaɪ̯t]
Worttrennung Gleich-heit
Wortzerlegung  gleich1 -heit
Wortbildung  mit ›Gleichheit‹ als Erstglied: Gleichheitsgrundsatz · Gleichheitsprinzip · Gleichheitssatz · Gleichheitszeichen
 ·  mit ›Gleichheit‹ als Letztglied: Chancengleichheit · Deckungsgleichheit · Lohngleichheit · Namensgleichheit · Punktgleichheit · Rechtsgleichheit · Ungleichheit · Waffengleichheit
Wahrig und ZDL

Bedeutung

Zustand eines ausgewogenen Gleichgewichts, der Gerechtigkeit, des Gleichseins; (aufgrund bestimmter Maßnahmen oder Verhältnisse geschaffene) Übereinstimmung in der Lage von Personen oder der Beschaffenheit von etw.
Gegenwort zu Ungleichheit
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine soziale, politische, rechtliche, formale Gleichheit; die völlige, absolute Gleichheit
als Akkusativobjekt: eine Gleichheit herstellen, fordern, garantieren, schaffen
in Präpositionalgruppe/-objekt: die Forderung nach Gleichheit; für Gleichheit sorgen, kämpfen
mit Genitivattribut: die Gleichheit der Menschen, Bürger; die Gleichheit der Rechte; die Gleichheit der Geschlechter
in Koordination: Freiheit, Gleichheit, Brüderlichkeit
hat Präpositionalgruppe/-objekt: die Gleichheit vor dem Gesetz; die Gleichheit von Mann und Frau
als Genitivattribut: das Prinzip, der Grundsatz der Gleichheit
Beispiele:
Wir lassen uns nicht einschüchtern, und schon gar nicht werden wir die Prinzipien aufgeben, die seit der französischen Revolution zur Grundlage unserer Zivilisation geworden sind: Freiheit, Gleichheit und Brüderlichkeit. [Die Zeit, 15.01.2015, Nr. 3]
Über die angestrebte Gerechtigkeit und Gleichheit gibt es viel mehr Diskussionen als über die Inhalte und Qualität der schulischen Ausbildung oder der Ausbildung der Lehrer. [Welt am Sonntag, 10.10.2010, Nr. 41]
Als eines der Ideale, für die Europa und Frankreich stünden, nannte der Präsident die Gleichheit zwischen den Geschlechtern, für die weiter gekämpft werden müsse. [Süddeutsche Zeitung, 28.08.2018]
Das Manifest enthält unter anderem die Forderung nach Zähmung der Finanzmärkte, ein Europa, das den Menschen dient, Arbeit mit einem Einkommen, mit dem man ein Auskommen hat […], weiters wachsende Gleichheit statt wachsender Ungleichheit etwa bei den Lebenschancen für junge Menschen. [Der Standard, 06.08.2013]
Unter Gleichung versteht man in der Mathematik eine Aussage über die Gleichheit zweier Terme, die mit Hilfe des Istgleich‑Zeichen (=) dargestellt wird. [Fragen rund um das Schulfach Mathematik, 08.01.2013, aufgerufen am 06.12.2019]
Die Völkerrechtsordnung basiert, wie auch das UN‑System, auf dem Prinzip der souveränen Gleichheit aller Staaten. [Die Welt, 15.03.2003]
Außerdem werten die neun Kampfrichter [beim Synchronspringen] […] nicht nur die Gleichheit bei Absprung, Luftakrobatik und Eintauchen, sondern auch die Qualität der beiden Einzelsprünge. [Der Tagesspiegel, 28.07.2002]
Politik steht, seit es eine Tätigkeit dieses Namens gibt, vor der Pflicht, gesellschaftliche Gleichheit herzustellen. [Süddeutsche Zeitung, 28.05.1994]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gleich · Gleiche · Gleichheit · gleichen · begleichen · vergleichen · Vergleich · Vergleichung · Gleichnis · gleichsam · Gleichung · Gleichgewicht · gleichgültig · Gleichgültigkeit · gleichmäßig · Gleichmaß · gleichmütig · Gleichmut · Gleichschritt · gleichwohl · gleichzeitig
gleich Adj. ‘in allen oder wesentlichen Merkmalen übereinstimmend, ähnlich, der-, die-, dasselbe’, Adv. ‘sofort, auf einmal’, ahd. gilīh Adj., gilīhho Adv. (beide 8. Jh.), mhd. g(e)līch, -lich Adj., g(e)līche Adv., asächs. gilīk Adj., gilīko Adv., mnd. g(e)līk, mnl. ghelijc, nl. gelijk, aengl. (ge)līc, engl. like, anord. (g)līkr, got. galeiks beruhen auf einer Zusammensetzung germ. *ga-līka- aus dem unter ge- (s. d.) behandelten Präfix und germ. *līka- ‘Körper, Gestalt’ (s. Leiche, -lich), so daß von einer Bedeutung ‘dieselbe Gestalt habend’ auszugehen ist. Adjektivischen Gebrauch von germ. *līka- im Sinne von ‘ähnlich, gleich, glatt, passend’ setzen ahd. līhhēn, gilīhhēn (8. Jh.), mhd. gelīchen ‘gefallen’ mit asächs. līkon, mnl. ghelīken, aengl. līcian, engl. to like, anord. līka, got. leikan, galeikan voraus. Außergerm. vergleichbar sind lit. lýgus ‘gleich, gleichartig, gut gebaut’, lýgti ‘gleichen, gleichkommen’, lett. līgt ‘übereinkommen’, so daß auf Grund der germ.-balt. Parallelen von ie. *lē̌ig- bzw. *līg- ‘Gestalt, die Gestalt jmds. habend, gleich, ähnlich’ ausgegangen werden kann. Gleiche f. nur noch in der Wendung in die Gleiche (‘ins Gleichgewicht, in Ordnung’) bringen, ahd. gilīhhī ‘Ähnlichkeit, Gleichheit’ (um 1000), mhd. gelīche; dafür heute allgemein Gleichheit (s. unten). Erhalten hat sich das Substantiv in Tagundnachtgleiche (17. Jh.), für lat. aequinoctium. Gleichheit f. ‘Übereinstimmung (in allen oder wesentlichen Merkmalen), Ähnlichkeit, gleiche Stellung, Gleichrangigkeit, Gleichberechtigung’, mhd. gelīcheit, glīcheit ‘Gleichheit, Gleichmäßigkeit, Gleichnis’, in der Mystik ‘Gleichmut aus Gottergebenheit’, im 16. Jh. synonymes Gleiche (s. oben) zurückdrängend. gleichen Vb. ‘gleich, ähnlich sein’, mhd. gelīchen; die heute übliche starke Flexion kommt (wohl in Analogie zu Verben wie bleichen, schleichen, streichen) im 16./17. Jh. auf und setzt sich im 18. Jh. durch. Daneben steht (transitiv) ahd. gilīhhen (8. Jh.), mhd. gelīchen, nhd. gleichen ‘gleich, ähnlich machen’, dessen schwache Flexion bis zur Ablösung des Verbs durch Präfixbildungen (19. Jh.) beibehalten wird; doch weisen die zugehörigen Präfixverben (an-, aus-, be-, vergleichen) heute ebenfalls starke Flexion auf. begleichen Vb. ‘bezahlen, bereinigen, ausgleichen’, Neubildung (nach nur kurzlebigem frühnhd. sich begleichen ‘sich vergleichen’) Ende des 19. Jhs. in der Handelssprache für saldieren, das zuvor mit vergleichen, ab-, ausgleichen verdeutscht wird. vergleichen Vb. ‘prüfend nebeneinanderstellen’, reflexiv ‘sich gütlich einigen’, mhd. verg(e)līchen ‘ausgleichen’, reflexiv ‘sich vertragen’; Vergleich m. ‘prüfende, kritische Nebeneinanderstellung, gütlicher Ausgleich in einem Streitfall, Einigung’ (17. Jh.), älter Vergleichung f. mhd. vergelīchunge. Gleichnis n. ‘Veranschaulichung eines Sachverhaltes durch eine beispielhafte, bildliche Darstellung’, ahd. gilīhnissa, gilīhnessi, -nissi ‘Abbild, Ähnlichkeit, Gleichnis’ (8. Jh.), mhd. gelīchnisse. gleichsam Adv. ‘gewissermaßen, in derselben Art wie’ (15. Jh.). Gleichung f. in der Mathematik ‘Gleichsetzung mathematischer Größen’ (Ende 17. Jh.), Verdeutschung von lat. aequātio anstelle des im 16. und 17. Jh. üblichen Vergleichung; zuvor ‘Vergleichung, Gleichartigkeit, Ähnlichkeit’ (vereinzelt bis ins 19. Jh.), mhd. g(e)līchunge. Gleichgewicht n. ‘Gleichheit des Gewichts’ (16. Jh.) für lat. aequipondium (aus lat. aequus ‘gleich’ und lat. pondus n. ‘Gewicht’; vgl. gleichwichtig, 15. Jh., gleichgewichtig, Gleichwichtigkeit, 16. Jh.), ‘Balance, Zustand eines Körpers, in dem sich die auf ihn entgegengesetzt einwirkenden Kräfte aufheben’ (17. Jh.) für lat. aequilībrium (zu lat. aequilībris ‘im Gleichgewicht’, lat. lībra ‘Waage, Pfund’), übertragen ‘Ausgleich von Kräften, Machtverhältnissen, seelische Ruhe, Ausgeglichenheit’ (18. Jh.). gleichgültig Adj. ‘teilnahmslos, belanglos, unwesentlich’ (18. Jh.), zuvor ‘gleichwertig, gleichbedeutend’, auch ‘ohne Wert, ohne Bedeutung’ (um 1600); Gleichgültigkeit f. (2. Hälfte 17. Jh.). gleichmäßig Adj. ‘unverändert fortlaufend, regelmäßig, ruhig, ausgeglichen’ (15. Jh.); Gleichmaß n. ‘Ebenmaß, Gleichförmigkeit, Ausgeglichenheit’ (vereinzelt 16. Jh., häufiger seit etwa 1700). gleichmütig Adj. ‘ruhig, gefaßt, gelassen’ (15. Jh.); dazu die Rückbildung Gleichmut m. ‘Gelassenheit’ (17. Jh.). Gleichschritt m. ‘gleichmäßige Bewegung zweier und mehrerer Personen bzw. der Truppe mit einheitlicher Schrittlänge und taktmäßigem Niedersetzen des gleichen Fußes’ (2. Hälfte 18. Jh.). gleichwohl Konj. Adv. ‘trotz dem Vorhergesagten, dennoch, trotzdem’ (15. Jh.), Zusammenrückung von gleich und wohl, spätmhd. gelīche wol, eigentlich ‘in gleicher Weise gut, wirksam’, mnd. gelīkewol. gleichzeitig Adj. ‘zur gleichen Zeit’ (Mitte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gleichförmigkeit · Gleichheit · Identität
Assoziationen
Antonyme
  • Gleichheit · Gleichheit · Gleichheit
Synonymgruppe
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Isomerie
  • Berührungspunkte · Gemeinsamkeiten · Übereinstimmungen · Überschneidungen
  • Dementsprechendes · Entsprechendes · Sinngemäßes · Vergleichbares · Ähnliches
Synonymgruppe
Chancengleichheit · Gleichberechtigung · Gleichheit · Gleichheit vor dem Gesetz · Gleichordnung (z.B. im Privatrecht) · Gleichsetzung · Gleichstellung · rechtliche Gleichstellung
Assoziationen
Antonyme
  • (Zustand von) Über- und Unterordnung
Synonymgruppe
Egalität · Identität · Kongruenz · Parität · Selbstübereinstimmung · vollständige Übereinstimmung (mit sich selbst)  ●  Nämlichkeit  Amtsdeutsch · Gleichheit  ugs.
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Gleichheit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gleichheit‹.

Zitationshilfe
„Gleichheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gleichheit>, abgerufen am 06.12.2021.

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