Gleichmut, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungGleich-mut
Wortzerlegunggleich1Mut
Wortbildung mit ›Gleichmut‹ als Erstglied: ↗gleichmütig
eWDG, 1969

Bedeutung

unverändert ruhige Gemütslage
Beispiele:
etw. mit Gleichmut anhören, hinnehmen, ertragen, betrachten
ein lächelnder, heiterer, geduldiger, kopfschüttelnder, stoischer, stumpfer, gespielter Gleichmut
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gleich · Gleiche · Gleichheit · gleichen · begleichen · vergleichen · Vergleich · Vergleichung · Gleichnis · gleichsam · Gleichung · Gleichgewicht · gleichgültig · Gleichgültigkeit · gleichmäßig · Gleichmaß · gleichmütig · Gleichmut · Gleichschritt · gleichwohl · gleichzeitig
gleich Adj. ‘in allen oder wesentlichen Merkmalen übereinstimmend, ähnlich, der-, die-, dasselbe’, Adv. ‘sofort, auf einmal’, ahd. gilīh Adj., gilīhho Adv. (beide 8. Jh.), mhd. g(e)līch, -lich Adj., g(e)līche Adv., asächs. gilīk Adj., gilīko Adv., mnd. g(e)līk, mnl. ghelijc, nl. gelijk, aengl. (ge)līc, engl. like, anord. (g)līkr, got. galeiks beruhen auf einer Zusammensetzung germ. *ga-līka- aus dem unter ↗ge- (s. d.) behandelten Präfix und germ. *līka- ‘Körper, Gestalt’ (s. ↗Leiche, ↗-lich), so daß von einer Bedeutung ‘dieselbe Gestalt habend’ auszugehen ist. Adjektivischen Gebrauch von germ. *līka- im Sinne von ‘ähnlich, gleich, glatt, passend’ setzen ahd. līhhēn, gilīhhēn (8. Jh.), mhd. gelīchen ‘gefallen’ mit asächs. līkon, mnl. ghelīken, aengl. līcian, engl. to like, anord. līka, got. leikan, galeikan voraus. Außergerm. vergleichbar sind lit. lýgus ‘gleich, gleichartig, gut gebaut’, lýgti ‘gleichen, gleichkommen’, lett. līgt ‘übereinkommen’, so daß auf Grund der germ.-balt. Parallelen von ie. *lē̌ig- bzw. *līg- ‘Gestalt, die Gestalt jmds. habend, gleich, ähnlich’ ausgegangen werden kann. Gleiche f. nur noch in der Wendung in die Gleiche (‘ins Gleichgewicht, in Ordnung’) bringen, ahd. gilīhhī ‘Ähnlichkeit, Gleichheit’ (um 1000), mhd. gelīche; dafür heute allgemein Gleichheit (s. unten). Erhalten hat sich das Substantiv in Tagundnachtgleiche (17. Jh.), für lat. aequinoctium. Gleichheit f. ‘Übereinstimmung (in allen oder wesentlichen Merkmalen), Ähnlichkeit, gleiche Stellung, Gleichrangigkeit, Gleichberechtigung’, mhd. gelīcheit, glīcheit ‘Gleichheit, Gleichmäßigkeit, Gleichnis’, in der Mystik ‘Gleichmut aus Gottergebenheit’, im 16. Jh. synonymes Gleiche (s. oben) zurückdrängend. gleichen Vb. ‘gleich, ähnlich sein’, mhd. gelīchen; die heute übliche starke Flexion kommt (wohl in Analogie zu Verben wie bleichen, schleichen, streichen) im 16./17. Jh. auf und setzt sich im 18. Jh. durch. Daneben steht (transitiv) ahd. gilīhhen (8. Jh.), mhd. gelīchen, nhd. gleichen ‘gleich, ähnlich machen’, dessen schwache Flexion bis zur Ablösung des Verbs durch Präfixbildungen (19. Jh.) beibehalten wird; doch weisen die zugehörigen Präfixverben (an-, aus-, be-, vergleichen) heute ebenfalls starke Flexion auf. begleichen Vb. ‘bezahlen, bereinigen, ausgleichen’, Neubildung (nach nur kurzlebigem frühnhd. sich begleichen ‘sich vergleichen’) Ende des 19. Jhs. in der Handelssprache für saldieren, das zuvor mit vergleichen, ab-, ausgleichen verdeutscht wird. vergleichen Vb. ‘prüfend nebeneinanderstellen’, reflexiv ‘sich gütlich einigen’, mhd. verg(e)līchen ‘ausgleichen’, reflexiv ‘sich vertragen’; Vergleich m. ‘prüfende, kritische Nebeneinanderstellung, gütlicher Ausgleich in einem Streitfall, Einigung’ (17. Jh.), älter Vergleichung f. mhd. vergelīchunge. Gleichnis n. ‘Veranschaulichung eines Sachverhaltes durch eine beispielhafte, bildliche Darstellung’, ahd. gilīhnissa, gilīhnessi, -nissi ‘Abbild, Ähnlichkeit, Gleichnis’ (8. Jh.), mhd. gelīchnisse. gleichsam Adv. ‘gewissermaßen, in derselben Art wie’ (15. Jh.). Gleichung f. in der Mathematik ‘Gleichsetzung mathematischer Größen’ (Ende 17. Jh.), Verdeutschung von lat. aequātio anstelle des im 16. und 17. Jh. üblichen Vergleichung; zuvor ‘Vergleichung, Gleichartigkeit, Ähnlichkeit’ (vereinzelt bis ins 19. Jh.), mhd. g(e)līchunge. Gleichgewicht n. ‘Gleichheit des Gewichts’ (16. Jh.) für lat. aequipondium (aus lat. aequus ‘gleich’ und lat. pondus n. ‘Gewicht’; vgl. gleichwichtig, 15. Jh., gleichgewichtig, Gleichwichtigkeit, 16. Jh.), ‘Balance, Zustand eines Körpers, in dem sich die auf ihn entgegengesetzt einwirkenden Kräfte aufheben’ (17. Jh.) für lat. aequilībrium (zu lat. aequilībris ‘im Gleichgewicht’, lat. lībra ‘Waage, Pfund’), übertragen ‘Ausgleich von Kräften, Machtverhältnissen, seelische Ruhe, Ausgeglichenheit’ (18. Jh.). gleichgültig Adj. ‘teilnahmslos, belanglos, unwesentlich’ (18. Jh.), zuvor ‘gleichwertig, gleichbedeutend’, auch ‘ohne Wert, ohne Bedeutung’ (um 1600); Gleichgültigkeit f. (2. Hälfte 17. Jh.). gleichmäßig Adj. ‘unverändert fortlaufend, regelmäßig, ruhig, ausgeglichen’ (15. Jh.); Gleichmaß n. ‘Ebenmaß, Gleichförmigkeit, Ausgeglichenheit’ (vereinzelt 16. Jh., häufiger seit etwa 1700). gleichmütig Adj. ‘ruhig, gefaßt, gelassen’ (15. Jh.); dazu die Rückbildung Gleichmut m. ‘Gelassenheit’ (17. Jh.). Gleichschritt m. ‘gleichmäßige Bewegung zweier und mehrerer Personen bzw. der Truppe mit einheitlicher Schrittlänge und taktmäßigem Niedersetzen des gleichen Fußes’ (2. Hälfte 18. Jh.). gleichwohl Konj. Adv. ‘trotz dem Vorhergesagten, dennoch, trotzdem’ (15. Jh.), Zusammenrückung von gleich und wohl, spätmhd. gelīche wol, eigentlich ‘in gleicher Weise gut, wirksam’, mnd. gelīkewol. gleichzeitig Adj. ‘zur gleichen Zeit’ (Mitte 18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Apathie · ↗Desinteresse · ↗Gleichgültigkeit · Gleichmut · ↗Indifferenz · ↗Interessenlosigkeit · ↗Lethargie · ↗Passivität · ↗Phlegma · ↗Saumseligkeit · ↗Teilnahmslosigkeit · ↗Trägheit · ↗Untätigkeit  ●  Abnegation  geh., veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Gelassenheit · ↗Gemütsruhe · Gleichmut · ↗Seelenruhe · ↗Unerschütterlichkeit · innere Ruhe · stoische Ruhe · unerschütterlicher Gleichmut  ●  ↗Ataraxie  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Abgeklärtheit · ↗Ausgeglichenheit · ↗Beherrschtheit · ↗Beherrschung · ↗Besonnenheit · ↗Charakterstärke · ↗Fassung · ↗Gefasstheit · ↗Gelassenheit · ↗Gemütsruhe · Gleichmut · ↗Gleichmütigkeit · ↗Kaltblütigkeit · ↗Leidenschaftslosigkeit · ↗Seelenruhe · ↗Selbstbeherrschung · ↗Unerschütterlichkeit · stoische Haltung · unerschütterlicher Gleichmut  ●  ↗Ataraxie  geh. · ↗Contenance  geh., franz. · ↗Kontenance  geh.
Assoziationen
  • (sich) nicht aus der Fassung bringen lassen · nicht zu erschüttern (sein)  ●  die Ruhe weghaben  ugs.
  • Ausgeglichenheit · ↗Seelenfrieden · innere Ruhe · innerer Frieden
  • Gelassenheit · ↗Gemütsruhe · Gleichmut · ↗Seelenruhe · ↗Unerschütterlichkeit · innere Ruhe · stoische Ruhe · unerschütterlicher Gleichmut  ●  ↗Ataraxie  geh.
  • (etwas) mit Fassung tragen · (sich) unter Kontrolle halten · (äußerlich) gefasst reagieren · kaltes Blut bewahren · keine Regung zeigen · ruhig bleiben · sich nichts anmerken lassen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Desinteresse Geduld Gelassenheit Laune asiatisch begegnen bemerkenswert bewahren bewundernswert buddhistisch entgegensehen erstaunlich ertragen fatalistisch gespielt getragen heiter hinnehmen kühl lächelnd orientalisch philosophisch routiniert scheinbar souverän stoisch unendlich unerschütterlich unglaublich wappnen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gleichmut‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Kurt vergipste mit stoischem Gleichmut die Löcher in den Wänden.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 237
Eigentlich verbinden wir mit Ihnen eher exzessives Leben als Gleichmut.
Bild, 16.09.2003
Das kam öfter mal vor, überlegt Lutz Schön mit Gleichmut.
Der Tagesspiegel, 02.06.2001
Es warf ihn immer wieder aus seinem nicht leicht erkämpften Gleichmut.
Feuchtwanger, Lion: Erfolg. In: ders., Gesammelte Werke in Einzelbänden, Bd. 6, Berlin: Aufbau-Verl. 1993 [1930], S. 48
Er war über sich und den andern erstaunt und doch voll Ruhe und Gleichmut.
Kolbenheyer, Erwin Guido: Paracelsus, München: J. F. Lehmanns 1964 [1917], S. 247
Zitationshilfe
„Gleichmut“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gleichmut>, abgerufen am 22.10.2019.

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