Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Glosse, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Glosse · Nominativ Plural: Glossen
Aussprache  [ˈglɔsə] · [ˈgloːsə]
Worttrennung Glos-se (computergeneriert)
Wortbildung  mit ›Glosse‹ als Erstglied: Glossenschreiber · glossieren  ·  mit ›Glosse‹ als Letztglied: Marginalglosse · Randglosse
Herkunft aus glossamlat ‘Erklärung, Kommentar’ < glõssagriech (γλῶσσα) ‘Zunge, Sprache, eigentümliche Ausdrucksweise, erklärungsbedürftiges Wort’
eWDG

Bedeutungen

1.
spöttische Randbemerkung
Beispiele:
seine Glossen machen
er konnte diese witzige Glosse nicht unterdrücken
seine treffende Glosse wurde von allen belacht
Die Glossen, die das Mädchen zu diesen Äußerungen der Mutter machte, waren von einer dummen und wilden Gehässigkeit [ G. Hauptm.2,237]
kurze, kommentatorische Abhandlung spöttelnder Art in einer Zeitung
Beispiele:
eine polemische Glosse
einstweilen mußte er seine Berichte und Glossen noch an einem der unbesetzten Stehpulte der Lokalredaktion schreiben [ WeiskopfAbschied v. Frieden1,545]
2.
Sprachwissenschaft erläuternde Bemerkung zu einem schwierigen Wort, einer schwierigen Textstelle
Beispiele:
alte Glossen studieren
eine Sammlung althochdeutscher Glossen
diese Glossen sind wichtige Sprachdenkmäler
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Glosse · glossieren · Glossar
Glosse f. ‘erklärende Anmerkung, spöttische Randbemerkung’, mhd. glōse, entlehnt aus lat. glōssa, glōsa ‘fremdes, erklärungsbedürftiges Wort’, das die Bedeutungen spätlat. ‘Interpretament’, mlat. ‘Erklärung, Kommentar’ annimmt; aus griech. glṓssa (γλῶσσα) ‘Zunge, Sprache, eigentümliche Ausdrucksweise, erklärungsbedürftiges Wort’. Seit dem frühen 18. Jh. steht Glosse auch für die ‘mündliche (meist kritische, hämische, spöttische) Bemerkung’. Die im 16. Jh. üblichen Formen Glos, Gloß, Glose werden im 17. Jh. allmählich durch an das Lat. angelehntes Glosse verdrängt. glossieren Vb. ‘ein schwieriges Wort, eine schwierige Textstelle durch Glossen erläutern, spöttische Randbemerkungen machen’, mhd. glōsieren (neben glōsen) ‘auslegen, deuten, erklären’, vgl. mlat. glos(s)are. Schreibung mit -ss- seit dem 17. Jh. Glossar n. älter Glossarium ‘Sammlung von Glossen, Wörterverzeichnis mit Erläuterungen’ (17. Jh.; vgl. vereinzelt mhd. glōsār ‘Glossar’), aus mlat. glossarium ‘Glossensammlung’, einer neuen Ableitung von mlat. glossa, während scheinbar formal übereinstimmendes und nur selten bezeugtes lat. glōssārium dem griech. glōssárion (γλωσσάριον) als Deminutivum von griech. glṓssa (s. oben) entspricht.

Thesaurus

Synonymgruppe
Randbemerkung  ●  Glosse  fachspr.
Synonymgruppe
Glosse · Karikatur · Parodie · Persiflage · Satire · Verspottung · humoristische Verarbeitung · Überspitzung · Übertreibung · Überzeichnung  ●  Veräppelung  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Glosse‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Glosse‹.

Verwendungsbeispiele für ›Glosse‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Diese Glosse erscheint heute in dieser Form zum letzten Mal. [Die Zeit, 01.10.2003, Nr. 40]
Wie schnell die Redaktion reagiert, bewies sie jetzt wieder in einer sprachkritischen Glosse. [Die Zeit, 22.08.1975, Nr. 35]
Nein, er hat sich auch als Autor meiner Glossen ausgegeben, und das finde ich natürlich empörend. [Die Zeit, 26.10.1962, Nr. 43]
Wenn man sich einer steilen These nicht ganz sicher ist, tarnt man sie als Glosse. [Süddeutsche Zeitung, 13.07.2004]
Die Kapitel bilden also eine Einheit; höchstens ist mit einigen unbedeutenden Glossen zu rechnen. [Keller, C. A.: Gog und Magog. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1958], S. 16309]
Zitationshilfe
„Glosse“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Glosse>.

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