Glucke, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Glucke · Nominativ Plural: Glucken
Aussprache
WorttrennungGlu-cke
Ableitung vonglucken
Wortbildung mit ›Glucke‹ als Erstglied: ↗gluckenhaft  ·  mit ›Glucke‹ als Letztglied: ↗Kupferglucke
Duden, GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
Henne, die brütet oder ihre Küken führt
Beispiele:
Ihre Mutter hielt sich eine Glucke, die liebevoll und aufopfernd Generationen von kleinen Küken auszubrüten pflegte. [Neue Zürcher Zeitung, 20.11.2009]
Richtige Wärmehaltung, richtige Fütterung und Sauberkeit sind die Voraussetzungen für eine verlustlose Aufzucht der Küken. Eine Henne als Glucke gewährleistet einfachste Wärme. Aber auch eine Infrarotlampe […] erfüllt den Zweck. [Berliner Zeitung, 07.05.1955]
[…] Was ist zunächst eine Glucke? Keineswegs jede erwachsene Henne, sondern nur eine solche, die soeben drei Wochen auf dem Nest gesessen und ihre Eier erbrütet hat. Erst nach dieser Handlung erwachen in ihr die mütterlichen Instinkte. [Buddenbrock, Wolfgang von: Das Liebesleben der Tiere, Bonn: Athenäum 1953, S. 248]
Mit ihrem Heranwachsen hört die mütterliche Fürsorge der Glucke auf, die Kücken gehen unter die anderen Hühner, und die Henne fängt wieder an zu legen. [Schlipf, Johann Adam: Schlipfs populäres Handbuch der Landwirtschaft, Berlin: Parey 1918, S. 520]
Hatte das alte System nicht auch seine positiven Seiten? Man wurde gefüttert, musste nicht wählen, hatte keine Gebühren zu zahlen und huschte bei Gefahr unter die Flügel der Glucke Staat. [Neue Zürcher Zeitung, 29.12.2010] bildlich
Wie eine Glucke sitzt das Amt auf seinen Datensammlungen, und noch die klitzekleinste Information wird mit Zähnen und Klauen verteidigt, als hinge das Schicksal des Staates von ihr ab. [Süddeutsche Zeitung, 04.06.2003] vergleichend
übertragen, abwertend Mutter, die ihren Nachwuchs im Übermaß behütet und umsorgt; Frau, die sich im Übermaß um andere kümmertQuelle: DWDS, 2017
Beispiele:
Mütter, die nach der Geburt zu hysterischen Glucken mutieren und nicht mal mehr die Väter an die gemeinsame Brut ranlassen, das klingt im Zeitalter der Gleichberechtigung wie ein Klischee […]. [Süddeutsche Zeitung, 15.10.2016]
Das Gegenteil der Rabenmutter ist die »Glucke«. Die Gluckenmutti zeichnet sich durch übertriebene Fürsorglichkeit aus. [Spiegel, 14.03.2012 (online)]
[…] Sie war wie eine Glucke auf die Kinder fixiert und extrem fürsorglich. Die Kinder durften alles. [Der Spiegel, 10.10.2011, Nr. 41]
Die große alte […] Tragödin […] als Mutter des Coriolan wirkt mit ihrem […] Damenkränzchen wie eine dekorative Beigabe. Eine gütige, stolze Kriegermatrone in langem wallendem Gewand, […] eine mythische Glucke, von der man immer erwarten würde, daß sie für jeden der gut hundert kämpfenden […] Komparsen ein aufmunterndes, tröstendes Wort übrig hätte. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 29.07.1993]
2.
Nachtfalter mit plumpem, dicht behaartem Körper und braun, gelb oder grau gefärbten Flügeln
Beispiele:
Als Modell diente ein Schmetterling aus der Familie der Glucken […], der sich in Espenwäldern in Zentralkanada entwickelt und Schaden verursachen kann […]. [Neue Zürcher Zeitung, 02.07.1997]
Glucke (Gastropacha, Lasiocampa), Schmetterlingsgattg. der Spinner, deren Unterflügel beim Sitzen unter Oberflügeln hervorragen. [o. A.: G. In: Brockhausʼ Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 27402]
3.
Speisepilz   meist als Kurzform für die Krause Glucke (Sparassis crispa) oder Breitblättrige Glucke (Sparassis brevipes) verwendetQuelle: DWDS, 2017
Beispiele:
Die Pilze hatten alle verschiedene Aromen – von der fleischigen Glucke über den fruchtigen Steinpilz – und Konsistenzen, die Suppe war so aromatisch und abwechslungsreich wie ein wunderschöner Herbstwald. [Der Standard, 13.11.2016]
Die krause Glucke war der erste Pilz den ich gesammelt habe, weil man mit ihm nichts verkehrt machen kann. Es können nur Verwechslungen mit der breitblättrigen Glucke vorkommen. [www.celticgarden.de, 01.10.2013]
Als sogenannter Saprobiont ernährt die Glucke sich von Verrottendem, in ihrem Fall von alten Föhren. [Der Standard, 09.08.2012]
Diesen eßbaren Pilz, eine über sieben Kilogramm schwere Krause Glucke, fand dieser Tage unser Leser Albert Mattick in Rangsdorf. [Neues Deutschland, 16.11.1977]
Nur bei wenigen [Pilz-]Arten muß man die Fruchtkörper beim Sammeln am Stielgrunde abschneiden, z. B. bei der Glucke, deren blumenkohlartig verzweigter Fruchtkörper […] einem fleischigen Dauermyzel (Sklerotium) entspringt, das tief im Boden sitzt. [Ulbrich, Eberhard: Essbar oder giftig?, Berlin: Grüne Post 1937, S. 7]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

glucken · glucksen · gluckern · Glucke
glucken Vb. ‘den Laut gluck ausstoßen, brüten’ (von Hennen), übertragen ‘untätig, stumpfsinnig dasitzen’ mhd. klucken, glucken, mnd. klucken, mnl. clocken, nl. klokken, aengl. cloccian, engl. to cluck, schwed. klucka sind lautnachahmenden Ursprungs; vgl. entsprechende Bildungen wie lat. glōcīre und auf spätlat. clociāre zurückgehendes frz. glousser, ital. chiocciare sowie die unter ↗lachen (s. d.) aufgeführten außergerm. lautnachahmenden Verben. Neben dem Laut der Henne beim Brüten und Locken der Küken und ähnlichen Tönen anderer Vögel ahmt glucken und seine abgeleiteten Iterativbildungen glucksen Vb. (15. Jh.), gluckern Vb. (16. Jh.) auch Laute nach, die beim Schlucken, Aufstoßen oder beim Fließen einer Flüssigkeit aus einer Enge entstehen. Glucke f. nordd. und nordwestmd. auch Klucke, ‘brütende oder die Küken ausführende Henne’, spätmhd. mnd. klucke; Rückbildung zum Verb.

Thesaurus

Zoologie
Synonymgruppe
brütender Vogel
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Übermutter · überbehütende Mutter  ●  Helikoptermutter  ugs., fig. · Supermutti  ugs.
Assoziationen
  • (jemandem) jede Arbeit abnehmen · hätscheln und tätscheln · ↗verhätscheln · ↗verpäppeln · ↗verweichlichen · ↗verwöhnen · ↗verziehen · ↗verzärteln · von vorne bis hinten bedienen · überbehüten  ●  in Watte packen  fig. · (es jemandem) vorne und hinten hereinstecken  derb, fig. · (immer nur) mit Samthandschuhen anfassen  ugs., fig. · (jemandem) Zucker in den Arsch blasen  derb, fig. · (jemandem) den (eigenen) Hintern hinterhertragen  ugs. · (jemandem) den Arsch nachtragen  derb, fig., variabel · (jemandem) den Arsch pudern  derb, fig. · betuddeln  ugs., norddeutsch · betutteln  ugs., norddeutsch · betüddeln  ugs., norddeutsch · ↗betütern  ugs., norddeutsch · ↗verpimpeln  ugs., regional
Antonyme
Synonymgruppe
Gluckhenne · ↗Henne · ↗Huhn · ↗Legehenne · ↗Leghenne  ●  ↗Poulet  schweiz. · ↗Hendl  ugs.
Oberbegriffe
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Eiern Küken hockt krause

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Glucke‹.

Zitationshilfe
„Glucke“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Glucke>, abgerufen am 29.06.2017.

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