Glyptothek, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Glyptothek · Nominativ Plural: Glyptotheken
Aussprache  [ˈglʏptoˌteːk]
Worttrennung Glyp-to-thek
DWDS-Vollartikel, 2020

Bedeutungen

1.
bildungssprachlich Sammlung meist antiker Skulpturen und geschnittener Steine
Beispiele:
Glyptothek bedeutet eigentlich eine Sammlung geschnittener Steine; das Wort ist heutzutage für Sammlungen antiker Skulpturen gebräuchlich. [Hayo, Martina, Neubauer, Dominik, Walther, Lutz, Teste deine Allgemeinbildung: Kunst & Literatur, Bade-Baden: Humboldt Verlags GmbH 2006, S. 10]
vergleichendSelbst Goethe, den er, wie er mir später erzählte, in Karlsbad bei einer festlichen Gelegenheit den Orest tragieren sah, und der in seinen Attitüden einer wandelnden Glyptothek glich, vermochte den damals jungen Mann nicht wankend zu machen in seinem Streben nach Wahrheit und Natur. [Wohlmuth, Alois, Ein Schauspielerleben, Ungeschminkte Selbstschilderungen von Alois Wohlmuth, München: Parcus, 1928., S. 75455]
2.
Architektur Gebäude, in dem Skulpturen gesammelt und ausgestellt werden
Beispiele:
Und kaum irgendwo gibt es Spitzenstücke aus der klassischen Zeit dieser Kunst in einer solchen Dichte und Fülle wie in den Münchner Antikensammlungen, die seit fünfzig Jahren, seit 1967, ihr Zuhause gegenüber der Glyptothek, also dem Skulpturenmuseum, am Königsplatz haben. [Süddeutsche Zeitung, 08.11.2017]
Bereits 1806 stellte der damalige Kronprinz fest: »Ich will der Stifter werden einer Sammlung antiker Produkte der Bildhauerkunst«, um zwei Jahre später diesen Wunsch mit dem Satz zu präzisieren: »Wir müssen auch zu München haben, was zu Rom ›museo‹ heißt.« Und wenige Tage vor der Grundsteinlegung am 23. April 1816 teilte Ludwig dem Architekten Carl Haller von Hallerstein in einem Brief mit, wie das Museum heißen solle: »Glyptothek – also nenne ich das die Bildwerke alter und neuer Zeit enthaltende Gebäude.« [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 14.10.2005]
Ulrike Koch‑Brinkmann hat die bunten Muster auf Abgüsse aus Marmor aufgetragen. Zwölf dieser Skulpturen werden ab dem 16. Dezember in der Münchner Glyptothek der Öffentlichkeit präsentiert. [Die Zeit, 11.12.2003]
Der eine war der Privatdozent der Archäologie Dr. Julius. Sein Eifer, die Chemiker in kunstverständige Männer zu verwandeln, steigerte sich soweit, daß er für einen kleinen Kreis von uns in der Glyptothek eine Privatvorlesung hielt. [Fischer, Emil, Aus meinem Leben, herausgegeben von M. Bergmann, Berlin: Julius Springer, 1922., S. 21948]
Erst in München sind mir die Augen für die große Kunst völlig geöffnet worden. Ich hatte als Student soviel Zeit übrig, um immer wieder in der Glyptothek vor die Aegineten und den trunkenen Faun hinzutreten[…]. [Witkowski, Georg, Von Menschen und Büchern, Erinnerungen 1863–1933, entstanden zwischen 1937 und 1938 unter dem Titel »Erzähltes aus sechs Jahrzehnten 1863–1933«. Erstdruck Leipzig: Lehmstedt, 2003., S. 75222]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Glyptothek · Glypte
Glyptothek f. Sammlung geschliffener Steine, dann auch antiker Skulpturen, gelehrte Bildung (19. Jh.) aus griech. glyptós (γλυπτός) Adj. ‘in Holz, Erz, Stein gegraben, geschnitzt’, zu griech. glýphein (γλύφειν) ‘ausmeißeln, gravieren’, und griech. thḗkē (θήκη) ‘Behälter’ (s. ↗Bibliothek und ↗Theke). Glypte f. ‘geschnittener Stein, Skulptur’, griech. glyptḗ (γλυπτή), Femininum von glyptós (s. oben).

Typische Verbindungen zu ›Glyptothek‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Glyptothek‹.

Zitationshilfe
„Glyptothek“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Glyptothek>, abgerufen am 16.07.2020.

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