Gothic, der, das oder die

Grammatik Substantiv (Maskulinum, Neutrum) · Genitiv Singular: Gothic(s) · Nominativ Plural: Gothics
Grammatik selten Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gothic
Aussprache [ˈgɔθɪk]
Worttrennung Go-thic
Wortbildung  mit ›Gothic‹ als Erstglied: Gothic Girl  ·  mit ›Gothic‹ als Grundform: Goth
Herkunft zur Musikrichtung gothic rockengl, mit gothicengl ‘gotisch’ im Sinne von ‘grob, gewalttätig, makaber’
Dieser Eintrag war DWDS-Artikel des Tages am 22.05.2022.
DWDS-Vollartikel

Bedeutungen

1.
Gothic Rock, ein Ende der 70er Jahre aus dem Post-Punk hervorgegangenes Genre der Rockmusik, das sich vornehmlich durch bass- und gitarrenlastige, düster-psychedelische Klänge auszeichnet
Grammatik: nur im Singular, meist ohne Artikel
Beispiele:
Bei Gothic, mittelalterlichen Klängen und Industrial versammeln sich in der »Schwarzen Nacht« [einer Musikveranstaltung] Liebhaber dunkler Musik. [Die Zeit, 15.11.2016 (online)]
Wenn ein Bandname Dark Dark Dark lautet, denkt man zunächst an Gothic oder Heavy Metal […]. [Berliner Morgenpost, 13.12.2012]
Seine Musik war Gothic, sagt er, »als es die Bezeichnung noch nicht gab« – eine Mischung aus Duran‑Duran, Depeche Mode und The Cure. [Frankfurter Rundschau, 03.08.2012]
Gothic war der dunkle Bruder von New Romantics. Eigentlich viel romantischer, noch alberner und lächerlicher, deutlich weniger amüsant, aber von enormer und bis heute ungebrochener Anziehungskraft. Erste Bands, die man in diesen Läden gern hörte, waren Theatre Of Hate oder eine Band namens Bauhaus. [Die Zeit, 25.10.2001]
Gothic – das ist Musik wie aus dem Schauerroman, geheimnisvoll, fesselnd und fast beklemmend. Mit dunklem Trommeln, zerbrechlichen Gesängen und klassischen Gitarrenklängen schafften die Fünf von »Das Zeichen« genau diese Atmosphäre. [Leipziger Volkszeitung, 22.03.1999]
Hier könnte die Zukunft der Gothic liegen: in einer Schwermut und Ernsthaftigkeit ohne übertriebenes Pathos. Und diese Gratwanderung meistern »Tiamat« zurzeit am elegantesten. [Basler Zeitung, 17.10.1997]
2.
Szene oder Genreform, deren Mitglieder ein gemeinsames Interesse an eher schwermütigen Themenkomplexen wie Tod, Vergänglichkeit, Mystik oder Psychopathologie teilen und deren typisches Erscheinungsbild vor allem durch die Farbe Schwarz geprägt ist
Grammatik: nur im Singular, meist ohne Artikel
Beispiele:
»Gothic« sei eine friedliche Kunstform, zu der neben Musik auch Kleidung, Styling, Malerei und Literatur gehörten. [Saarbrücker Zeitung, 17.11.2006]
In einem Augenblick erscheint er wie eine Figur aus einer ehrgeizigen Dostojewski‑Verfilmung, im anderen ist er wieder ganz der Comic‑Held aus den Kinderträumen. Aber dahinter steckt eine zweite Annäherung, die eines zärtlichen Dekonstruktivisten an den Mythos der amerikanischen Gothic. [Welt am Sonntag, 12.06.2005]
In den vergangenen Jahren schien es, als wäre sie tatsächlich friedlich sanft entschlafen: die deutsche Gothic[-]Szene wirkte müde, ausgelaugt und schlimmer noch, sie schien tot. […] Dabei war Gothic einst mehr als bloß ein Musikgenre, es war eine Lebenseinstellung, eine Modewelle, eine Philosophie. Man wickelte sich in Schwarzes, behängte sich mit allerlei Kreuzen, der Friedhof galt als Meeting Point und düstere Choräle als Soundtrack zum Altaranbeten und Kajalstrichziehen. Doch der Szene fehlten ihre Helden. [Berliner Morgenpost, 29.04.2004]
Während vorangegangene Musikrichtungen wie Depro‑Punk ihren Anhängern mit metallischen Rhythmen das Ende der Welt einzuhämmern versuchten, wandelten die Gothic‑Begeisterten die negative Einstellung in eine fast schon romantisch angehauchte Philosophie um. Sie grenzen sich lieber ab – schon rein äußerlich –, statt auf Konfrontation zu setzen wie die oft politischen Jugendbewegungen zurückliegender Jahrzehnte. »Es ist mehr als Musik. Gothic ist eine Lebenseinstellung«, erklärt ein deutsch‑britisches Studentenpärchen. [Leipziger Volkszeitung, 10.06.2003]
Es gibt kaum eine Jugendkultur, die in in derart viele Gruppen, Stil‑ und Denkrichtungen zerfallen ist. Fest steht: Diese Szene, die nicht nur »Gothic«, sondern auch »Dark Wave«, »Independent« oder einfach nur Düster‑Szene genannt wird, und somit auch ihre Musik, teilt sich in drei Hauptströmungen: Die Mittelalterlichen, die Grufties und die Industrials. [Leipziger Volkszeitung, 17.07.2002]
Die Mode hat sich im Verlauf der Jahre verändert, die Grundstimmung unter diesen Leuten ist jedoch dieselbe geblieben: Gothic ist angesagt – jene Musik und Lebenseinstellung, die das Düstere, Mystische und Unheimliche im Leben kultiviert und den Tag zur Nacht werden lässt. [Basler Zeitung, 17.10.1997]
3.
Anhänger des Gothic (2)
Grammatik: Genus Maskulinum
Synonym zu Goth
Explizit weibliche Formen werden durch Gothic Girl oder andere Ausweichformen umschrieben.
Beispiele:
Vielleicht hast Du schon einmal den Begriff Gothic-Szene gehört? Deren Mitglieder sehen oft auffällig aus, sie tragen viel Schwarz, dazu Silberschmuck, gerne mit Totenköpfen oder Fledermäusen verziert, und ganz häufig sieht man bei ihnen auch hochgetürmte Frisuren, zum Teil knallbunt gefärbt. Weil die Gothics oft finster wirken, gibt es viele Gerüchte über sie, dabei mögen sie einfach nur einen etwas gruseligen, besonderen Stil. Viele Gothics lieben Musik und gehen gern auf Musikfestivals und Konzerte, wo sie sich treffen und unter sich sein können. [Neue Osnabrücker Zeitung, 18.05.2018]
Hat jemand behauptet, Gothics liebten es ausschließlich dunkel? In Wirklichkeit ist kaum eine Szene so wenig uniform wie jene Großfamilie, die sich jährlich zu Pfingsten zum Wave‑Gotik‑Treffen in Leipzig versammelt. Auch wenn manch einer Uniform trägt. Und, zugegeben, der ein oder andere es auch ganz gern schwarz mag. Es wird für Gothics immer schwieriger, sich unter 20.000 Besuchern des Wave‑Gotik‑Treffens hervorzuheben. […] Bis Dienstagfrüh präsentiert die Szene[…] ihr eigenwilliges Mode‑Bewusstsein zwischen Fasching, Romantik und Bürgerschreck. Erst sieben Jahre alt ist das schwarze Engelchen Ayana […], Daniel und Anja […] kleiden sich in einer Mischung aus Viktorianismus, Futurismus und Militaria. Cyber‑Goths […] achten bis hin zur Kontaktlinse auf ein stimmiges Aussehen. Gestern Nachmittag trafen sich Viktorianer […] zum Picknick[…]. Daneben der dreigesichtige Kai und ein Vampir: Martin […]. [Leipziger Volkszeitung, 22.05.2010]
Mindestens einmal pro Monat brachte der Postbote ein Paket, dessen Inhalt mich in schiere Verzückung geraten ließ: Schnallenschuhe, Bondage‑Hosen, lange schwarze Mäntel, Totenkopf‑Ohrringe, Nietengürtel, T‑Shirts von The Cure, Joy Division oder Bauhaus, weiße Theaterschminke, Kajalstifte und 1.000 andere schwarze Sachen, die mich zu einem Gothic von Welt machten. [Die Zeit, 18.07.2008]
Es gibt unterschiedliche Stilrichtungen, vom Gothic Metal über Death Metal bis Neofolk und Wave. Kennzeichnend [für die Musik der Gothics] ist eine düstere Grundstimmung. […] Viele Menschen sehen in den Gothics eine Bedrohung. Diese Furcht ist unbegründet, da sie zwar ihren eigenen Lebensstil nach außen hin darstellen, aber andere Menschen akzeptieren und niemandem schaden wollen. Sie zeichnen sich durch Toleranz und Friedfertigkeit aus und sind meist Einzelgänger. [Berliner Morgenpost, 08.12.2003]
Typisch für die Gothics sei ein patchworkmäßiges Lebensbild, das sich aus vielen Religionen oder Lebenseinstellungen zusammensetzt. Deutlich unter zehn Prozent der Gothics würden sich selber als Satanisten begreifen, meint F[…]. [Rhein-Zeitung, 23.11.2002]
übertriebenMan erkennt Gothics an typischen Zeichen wie dem Pentagramm, dem umgekehrten Kreuz oder der 666, dem Zeichen des »Antichristen.« Manche Gothics halten sich auch sehr gern auf Friedhöfen auf. [Gothics, 23.04.2012, aufgerufen am 01.09.2020]

letzte Änderung:

Zitationshilfe
„Gothic“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gothic>.

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