Gotik, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gotik · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungGo-tik (computergeneriert)
Wortzerlegunggotisch-ik
Wortbildung mit ›Gotik‹ als Letztglied: ↗Backsteingotik · ↗Frühgotik · ↗Hochgotik · ↗Neogotik · ↗Neugotik · ↗Spätgotik
eWDG, 1969

Bedeutung

spätmittelalterlicher Kunststil von etwa 1250 bis 1500, für den in der Baukunst steile Spitzbogen, Pfeiler und hohe Fenster charakteristisch sind
Beispiele:
eine im Stil der Gotik erbaute Kathedrale
die Bildhauerei, Plastik, Malerei der Gotik
edelste, reine Gotik
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

gotisch · Gotik
gotisch Adj. ‘den Goten zugehörig bzw. sie betreffend, im Kunststil der Gotik’. Zu einem aus got. Gutþiuda ‘Gotenvolk’ als wahrscheinlich zu erschließenden got. *Gutans Plur. ‘Goten’ (weitere Anknüpfungen ungewiß; vielleicht im Sinne von ‘Männer’ zu got. giutan ‘gießen’, also auch ‘Samen ergießen’?) sind gebildet griech. Gū́tōnes (Γούτωνες), lat. Gothōnēs sowie griech. Góthoi (Γόθοι), spätlat. Gothī ‘Goten’ und das Adjektiv spätlat. gothicus; in Anlehnung daran begegnet in der Zeit des Humanismus (16. Jh.) Goten Plur. und gotisch. Das Adjektiv dient zunächst (1. Hälfte 16. Jh.) zur Kennzeichnung der Zugehörigkeit zu oder Herkunft von dem in der Völkerwanderungszeit untergegangenen Volk der Goten (gotische Sprache, gotisches Volk), steht aber auch allgemein im Sinne von ‘germanisch’ (17. Jh.). Im 18. Jh. wird gotisch auf eine Stilform bezogen und nimmt im Klassizismus unter Einfluß von frz. gothique, ital. gotico, engl. gothic den abschätzigen Sinn ‘mittelalterlich verworren und dunkel, barbarisch, roh, geschmacklos’ an. Zugrunde liegt die verächtliche Einschätzung der mittelalterlichen Bauten Italiens während der italienischen Renaissance, die dafür die Goten, d. h. die Germanen, die Barbaren, verantwortlich macht. In der 2. Hälfte des 18. Jhs. erfährt gotisch, besonders durch Goethes Schrift „Von deutscher Baukunst“ (1772), später durch die Romantiker, hinsichtlich seiner Wertung eine völlige Umkehrung von entschiedener Ablehnung zu Bewunderung und begeisterter Zustimmung; es steht seit Mitte des 19. Jhs. als ästhetische Stil- und Epochenbezeichnung, besonders für den mittel- und westeuropäischen Kunststil des 13. bis 15. Jhs. Als Kennzeichnung der aus der karolingischen Minuskel entwickelten Frakturschrift wird gotisch im 18. Jh. gebräuchlich. Gotik f. europäische Kunstepoche (in Frankreich etwa seit 1150, in Deutschland seit 1220) im Anschluß an die Romanik bis zur Renaissance (in Italien bis Anfang des 15. Jhs., im übrigen Europa bis Anfang des 16. Jhs.), für die in der Baukunst steile Spitzbogen, Pfeiler und hohe Fenster charakteristisch sind; gegen Ende des 18. Jhs. (auch hier wohl unter Einfluß von frz. le gothique) zu gotisch gebildet mit dem auf dem fem. Adjektivsuffix griech. -ikē (-ικη) (zu ergänzen téchnē, τέχνη ‘Kunst, Geschick’), lat. -ica (zu ergänzen ars ‘Kunst, Handwerk’) beruhenden Abstraktsuffix -ik (s. ↗Klassik, ↗Romantik, ↗Technik).

Typische Verbindungen
computergeneriert

Antike Barock Baukunst Baumeister Baustil Bildwerk Bürgerhaus Formensprache Formproblem Frührenaissance Glasmalerei Griechentum Jugendstil Klassik Klassizismus Malerei Meisterwerk Orgelkunst Renaissance Rokoko Romanik Romantik Scholastik Stilgeschichte Wiege barock katalanisch nordfranzösisch nordisch venezianisch

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gotik‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ja, auch in der Gotik arbeitete man sehr viel mit Licht.
Süddeutsche Zeitung, 22.06.1998
Auch bei den Schalen zeigt sich der Übergang von der Gotik zur Renaissance.
o. A.: Lexikon der Kunst - L. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1992], S. 23201
So wiederholt sich der Ablauf von Romantik zur Gotik nochmals in dem Ablauf von der Renaissance zum Barock.
Gudenrath, Eduard: Geist und Gestalt in der Baukunst, Berlin: Oestergaard 1929, S. 251
In ihm erhält das Bild den von der Gotik an vorbereiteten Abschluß.
Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes, München: Beck 1929 [1918], S. 463
Die Bauten und Bilder der Gotik kamen neu zu Ehren.
Die Zeit, 18.05.1950, Nr. 20
Zitationshilfe
„Gotik“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gotik>, abgerufen am 24.06.2019.

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