Gottheit, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gottheit · Nominativ Plural: Gottheiten
Aussprache
WorttrennungGott-heit
WortzerlegungGott-heit
Wortbildung mit ›Gottheit‹ als Letztglied: ↗Muttergottheit
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
gehoben Gott
Beispiele:
»Es gibt keine Gottheit außer Allah und Mohammed ist sein Prophet«, das ist das Credo aller Muslime. [charismatismus.wordpress.com, 08.08.2016]
Während seiner 17-jährigen Herrschaft erklärte Echnaton den Sonnengott Aton zur einzig gültigen Gottheit. [Neue Zürcher Zeitung, 08.05.2016]
Die 2005 gegründete Pastafari-Bewegung, die das »fliegende Spaghettimonster« als Gottheit verehrt, organisierte sich zunächst in den USA – als Kritik am zunehmenden Einfluss des Kreationismus auf den Schulunterricht. [Spiegel, 17.12.2015 (online)]
Die Gottheit erschien Ranke, wie er einmal sagt, als das »geheimnisvolle Ich aller Existenz, die der Welt verschwindet, indem es sie erfüllt«. Das eben ist ihr Geheimnis, daß sie die Welt zwar »erfüllt«, der gleichen Welt aber auch »verschwindet«, weil sie als Schöpfergott mehr ist als Welt und Kreatur. [Die Zeit, 10.10.1946, Nr. 34]
2.
nicht eindeutig bezeichneter Gott bzw. Göttin
Beispiele:
Der Buddhismus und der Shintoismus, der Glaube, der sich auf die alten japanischen Gottheiten bezieht, existieren für die meisten friedlich nebeneinander und werden auch – je nach Anlass und Gemütslage – ganz undogmatisch parallel praktiziert. [Spiegel, 19.05.2016 (online)]
Die Schöpfungsgeschichte war der Versuch, aus einem polytheistischen Umfeld herauszutreten und nicht länger jedem Naturphänomen eine Gottheit zuzuordnen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2006]
Auf dem oberen Band eines der beiden mittleren Reliefs ist eine Gottheit mit zwei Körpern und einem Kopf dargestellt als Sinnbild der Synthese, der Vereinigung der Gegensätze. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.08.1993]
übertragen [Der Rapper] Kanye West hat sich bereits zur Gottheit erklärt und auch zu einem höheren Wesen, das die Antworten auf sämtliche Fragen des Lebens in sich trägt. [Süddeutsche Zeitung, 07.12.2016]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: buddhistische, heidnische, hinduistische, weibliche Gottheiten
als Akkusativobjekt: eine Gottheit verehren
3.
nur im Singular
gehoben das Gottsein; Göttlichkeit, göttliche Natur
Beispiele:
Wir haben es in der Eucharistie wirklich mit einem konkreten Du mit Jesus Christus selbst in seiner Gottheit und in seiner Menschheit zu tun. [Die Welt, 24.10.2005]
Dabei geht es im Grunde darum, das Christentum wieder mit der modernen Vernunft in Einklang zu bringen, eben indem man es von scheinbar philosophischen und theologischen Elementen wie etwa dem Glauben an die Gottheit Christi und die Dreieinheit Gottes befreie. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 13.09.2006]
Daß Gott in seinem Wort auch über die kommende Geschichte verfügt, ist der eigentliche Beweis seiner Gottheit […]. [Jannasch, W.: Wort Gottes. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 35801]
Kollokation:
als Genitivattribut: Attribute, Erscheinungsformen der Gottheit
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gott · Göttin · vergöttern · Gottheit · göttlich · Gottesdienst · Gottesfurcht · gottesfürchtig · Gotteshaus · gottlob · gottlos · Gottlosigkeit
Gott m. (in polytheistischen Religionen) übermenschliches, (in monotheistischen Religionen) höchstes, übernatürliches Wesen, von dem sich der religiöse Mensch seinem Glauben gemäß abhängig fühlt, ahd. (8. Jh.), mhd. mnd. got, asächs. aengl. engl. mnl. nl. god, anord. goð, guð, schwed. gud, got. guþ weisen auf germ. *guða- ‘Gott, Gottheit’, im Plur. ‘Schicksalsmächte’, das als Neutr. für männliche und weibliche Gottheiten gilt. Unter christlichem Einfluß wird das Genus mask., und das Substantiv bezeichnet im gesamten germ. Sprachbereich den ‘Christengott’. Die Herkunft ist nicht sicher geklärt. Allgemein führt man germ. *guða- auf ein mit -to- gebildetes Part. Perf. ie. *g̑hū̌to- ‘angerufen’, zur Wurzel ie. *g̑hau-, *g̑hau̯ə- ‘rufen, anrufen’, zurück, so daß die substantivierte Form ie. *g̑hū̌tom als ‘das (durch Zauberwort) angerufene oder berufene Wesen’ zu deuten wäre; vgl. dazu aind. hávatē ‘ruft (an, herbei)’, hūtá- ‘angerufen, herbeigerufen’, puruhūtá- ‘von vielen angerufen’ (als Beiname Indras in den Veden), griech. kauchā́sthai (καυχᾶσθαι) ‘sich rühmen, prahlen’, air. guth ‘Stimme’, gall.-lat. gutuater ‘gallischer Priester’, wohl aus *g̑hutupətēr ‘Vater (d. h. Meister) des Anrufs (an Gott)’, lit. žavė́ti, lett. zavēt ‘zaubern’, aslaw. zъvati, russ. zvat’ (звать) ‘rufen’. Eine andere Deutung knüpft germ. *guða- als ‘das (Wesen), dem geopfert wird’ an die Wurzel ie. *g̑heu- (s. ↗gießen) an, mit einem im Germ. allerdings nicht belegten Bezug auf das Trankopfer. Göttin f. ‘weibliche Gottheit’, ahd. gutin, gutinna (um 1000), mhd. gotinne, gotin, gotīn, seit dem 14. Jh. umgelautet göt(t)in. vergöttern Vb. ‘zu einem Gott, göttlich machen, wie einen Gott behandeln, hoch verehren’ (17. Jh.), Präfixbildung zu frühnhd. göttern, gottern ‘Gott weihen’ (16. Jh., Luther ‘göttlich machen, göttliche Art verleihen’); daneben frühnhd. gotten, götten ‘vergöttlichen, ein Gott werden, zu einem Gott erklären’, mhd. goten und frühnhd. vergotten ‘zu einem Gott machen, göttliche Verehrung erweisen’, mhd. vergoten ‘göttlich machen, in Gott verwandeln’; Ableitungen vom Substantiv. Gottheit f. ‘als Gott verehrtes Wesen, Göttlichkeit, Gott’, ahd. got(a)heit (um 1000), mhd. got(e)heit, mnd. gothēt, mnl. godheit, nl. godheid, aengl. godhād, engl. godhead. göttlich Adj. ‘Gott betreffend, von Gott kommend, einem Gott ähnlich, herrlich, wunderbar’, ahd. got(a)līh (8. Jh.), mhd. got(e)lich, göt(e)lich, göttelich, mnd. gȫdelīk, mnl. god(d)elijc, nl. goddelijk, aengl. godlic, engl. godly, anord. guðligr. Gottesdienst m. ‘gemeinsame Verehrung Gottes durch die Gemeinde, Anbetung Gottes’, mhd. gotsdienst, Zusammenrückung aus der schon ahd. bezeugten Genitivverbindung zi gotes thionōste (9. Jh.). Gottesfurcht f. ‘Ehrfurcht vor Gott’ (Ende 15. Jh.), Zusammenrückung der seit ahd. Zeit als Übersetzung von lat. timor deī bestehenden Genitivverbindung gotes forhta (um 1000). gottesfürchtig Adj. ‘von Ehrfurcht vor Gott erfüllt’ (17. Jh.), älter mhd. gotevorhtec; vgl. ahd. gotafor(a)htal (9. Jh.). Gotteshaus n. ‘Kirchengebäude, Tempel’, ahd. goteshūs (Hs. 12. Jh.), mhd. gothūs, got(e)shūs, frühnhd. Gothaus, im 17. Jh. Gotteshaus; vgl. die Genitivverbindung ahd. gotes hūs (9. Jh.) und got. gudhūs. gottlob Interjektion Ausruf der Erleichterung; aus Fügungen wie ahd. gilobōt sī got (um 1000), mhd. dem gote sī lop, nhd. Gott sei Lob (16. Jh.) entwickelt sich die Kurzform mhd. gote lop, zusammengerückt mhd. gotelop, -lob. gottlos Adj. ‘Gott leugnend, nicht achtend, ruchlos’, mhd. gotlōs (vereinzelt), geläufig seit Anfang des 16. Jhs.; vgl. anord. goðlauss, got. gudalaus; Gottlosigkeit f. (1. Hälfte 16. Jh.).

Thesaurus

Religion
Synonymgruppe
Gott · Gottheit
Unterbegriffe
Assoziationen
  • Horusauge · Mondauge · Udjat-Auge · Udzat-Auge

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anrufung Attribut Dämon Ebenbild Erscheinungsform Hinduismus Inkarnation Kult Kultus Pantheon Verehrung altägyptisch angerufen antik astral buddhistisch chthonisch darbringen dreieinig germanisch heidnisch hinduistisch indisch nieder transzendent verehren verehrt vielarmig waltend weiblich

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gottheit‹.

Zitationshilfe
„Gottheit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gottheit>, abgerufen am 25.08.2019.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
gotthaft
gottgleich
Gottgläubigkeit
gottgläubig
gottgewollt
gottigkeit
Göttin
Gottkönig
Gottkönigtum
göttlich