Grün, das
GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Grüns · Nominativ Plural: Grüns
Ableitung vongrün
Wortbildung mit ›Grün‹ als Letztglied: ↗Chromoxidgrün · ↗Chromoxydgrün · ↗Entengrün · ↗Straßenbegleitgrün · ↗Straßenbegrenzungsgrün
DWDS-Vollartikel, 2017

Bedeutungen

1.
grüne Farbe (Lesart 1 a); grünes Erscheinungsbild
entsprechend der Bedeutung von grün (Lesart 1)
Beispiele:
Der Mensch besitzt drei Typen farbempfindlicher Sehzellen[…]: je eine Sorte für Blau, für Grün und für Rot. [Neue Zürcher Zeitung, 19.05.2017]
Das Grün der Blätter ist satt […]. [Die Zeit, 18.03.2016 (online)]
Im Kontrast zu den Stadtbildern stehen die Blumengemälde: Knallige Farben, ein Grün wie aus dem gerade erwachten Frühlingswald, darüber die feuerrote Blüte mit gelben Dolden […]. [Frankfurter Rundschau, 22.04.1999]
Das in Grün und Weiß gehaltene Gebäude erhebt sich unweit des Fernsehturmes und der neuen Markthalle. [Berliner Zeitung, 02.09.1969]
Blau und Grün sind die Farben des Himmels, des Meeres, der fruchtbaren Ebene […]. [Spengler, Oswald: Der Untergang des Abendlandes, München: Beck 1929 [1918], S. 316]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein helles, leuchtendes, sattes, zartes Grün
in Präpositionalgruppe/-objekt: [die Ampel] schaltet, springt auf Grün (um)
mit Genitivattribut: das Grün der Bäume, des Grases, der Wälder, Wiesen
in Koordination: Grün und Blau, Rot, Weiß
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Grün in allen Schattierungen
a)
Phrasem:
bei Grün (= bei grüner Ampelschaltung, in der Phase, in der die Verkehrsampel grünes Licht zeigt)
Beispiele:
Zwischen der Gedächtniskirche und dem Luxuskaufhaus KaDeWe kam es zum Crash, als ein […] Fahrer bei Grün die Kreuzung überqueren wollte. [Die Welt, 08.09.2016]
Fährt ein Kraftfahrer bei Grün auf eine Kreuzung, so kann es vorkommen, daß er am zügigen Verlassen der Kreuzung durch einen plötzlichen Stau gehindert wird. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 21.08.2001]
Die Ampelschaltungen sind […] zu kurz, bei Grün erreichen der Körperbehinderte und seine Begleitung kaum die rettende Straßenseite. [Klee, Ernst: Behinderten-Report, Frankfurt a. M.: Fischer Taschenbuch-Verl. 1981 [1974], S. 176]
b)
(meist) abwertend
Phrasem:
(etw. ist) dasselbe, das Gleiche in Grün (= im Wesentlichen das Gleiche, im Grunde nichts anderes)
Beispiele:
Der 55-Jährige [Entertainer] startet mit seiner Late-Night-Show jetzt beim Abonnentensender Sky […]. Das Gleiche in Grün wie noch in der vergangenen TV-Saison bei Sat.1. [Die Zeit, 03.09.2012 (online)]
Popstars, Deutschland sucht den Superstar, Germanyʼs Next Topmodel, The next Uri Geller […] – alles [Fernseh-]Shows, die seit Jahren dasselbe in Grün bieten und nur in Nuancen variieren. [Süddeutsche Zeitung, 13.03.2009]
[…] [B.s Tennisakademie] funktioniert nicht anders als die einstigen Kinder- und Jugendsportschulen der DDR. Und das Ergebnis […] sei »dasselbe in Grün: Skrupellos werden Talente verheizt«. [Der Spiegel, 03.05.1993, Nr. 18]
[…] Kind, wenn deine Eltern von dazumal reden, regst du dich auf. Aber du kultivierst dasselbe in Grün. [Morgner, Irmtraud: Rumba auf einen Herbst, Hamburg u. a.: Luchterhand 1992 [1965], S. 188]
2.
gedeihende, grüne Pflanzen(teile), Vegetation
Beispiele:
Das Haus steht inmitten eines […] Gartens mit altem Baumbestand und reichlich Grün. [Spiegel, 09.06.2017 (online)]
Man kann in einem Weingarten einfach nur Spazierengehen, das Grün und die gute Luft genießen und sich an der schönen Umgebung erfreuen. [Der Standard, 31.05.2009]
Sie [Frühlingszwiebeln] sind bei der Ernte noch nicht ganz reif. Sie werden mit dem Grün gegessen und schmecken angenehm mild im Salat […]. [Bild am Sonntag, 08.02.2004]
Das Grün vor den Häusern sieht aus, als ob es täglich gepflegt würde. [Die Zeit, 06.12.1996, Nr. 50]
Der steinerne Deckel des Grabes, mit dem plastisch gearbeiteten Familienwappen geziert, lag neben der schwarzen, von feuchtem Grün umrahmten Gruft. [Mann, Thomas: Buddenbrooks, Frankfurt a. M.: Fischer 1989 [1901], S. 591]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: dichtes, frisches, saftiges, üppiges, wucherndes, spärliches Grün
als Akkusativobjekt: das Grün pflegen
als Aktivsubjekt: das Grün sprießt, wächst, wuchert
3.
Golf mit kurzgeschnittenem Rasen bedeckter Zielbereich einer Spielbahn
Beispiele:
Am Putter [einem speziellen Golfschläger] ist […] der Kopf entscheidend, damit der Ball mit nur einem gefühlvollen Schlag auf dem kurzgeschorenen Grün ins Loch befördert wird. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.10.1998]
Gals Glanzpunkt auf den 18 Löchern […] war ein Eagle [Einlochen mit zwei Schlägen unter Par] an der 7 (Par 4), als sie mit dem Schlag vom Fairway aufs Grün direkt einlochte. [Die Zeit, 05.11.2016 (online)]
[Der Golfspieler hat] […] einen trockenen, harten Kurs im Augusta National Golf Club [kennengelernt], genau wie ihn die besten Profis der Welt lieben – oder fürchten […]. Vor allem wegen seiner so genannten schnellen Grüns. Bei den ersten Putt-Versuchen […] rollte die Kugel flott am Ziel vorbei und vom Grün herunter, so kurz und glatt ist das Gras gehalten. [Süddeutsche Zeitung, 10.04.2003]
Oft knicken die Spielbahnen zwischen dem sogenannten Tee am Beginn und dem Grün mit dem fahnenbestückten Loch ab: der erste Schlag muß den Ball möglichst präzise an den Schnittpunkt befördern. [Der Spiegel, 09.08.1982]
Kollokationen:
als Genitivattribut: der Rand des Grüns
in Präpositionalgruppe/-objekt: ein Putt [Schlag] auf dem Grün; der Schlag zum Grün
metonymisch Golfplatz
Beispiele:
Wieder auf dem Grün – nach acht Monaten [Spielpause] kehrt Tiger Woods auf den Golfplatz zurück [Überschrift] [Die Welt, 21.02.2009]
Als passionierter Golfspieler ist […] Hainer nicht bekannt, seine Leidenschaften liegen eher beim Laufen und Fußball. Hainer liegt damit voll im Trend der Topmanager, die sich immer seltener auf dem Grün treffen, sondern beim Marathontraining. [Die Welt, 06.05.2016]
Es gibt [auf dem luxuriösen Anwesen] […] einen Basketballplatz, ein Grün zum Golfen, ein eigenes Fitnessstudio, einen Kinosaal und eine Sauna. [Spiegel, 05.05.2015 (online)]
Schon vor vielen Jahren habe er beim gemeinsamen Spiel auf dem Grün des Country Club von Manila festgestellt, daß Marcos alle Anlagen für einen echten Golfer fehlten. [Der Spiegel, 14.04.1986]
4.
Kartenspiel dem Pik des französischen Blattes entsprechende Farbe (Lesart 3) der deutschen Spielkarten
Beispiele:
Das deutsche [Skat-]Blatt hat die Farben Schellen, Rot, Grün und Eichel. [Die Zeit, 02.05.2013, Nr. 19]
S[pielkarten] werden auch unterschieden nach den dt. [deutschen] (Eichel, Blatt/Grün, Herz, Rot/Schellen), franz[ösischen] (Kreuz, Pik, Karo, Herz) oder ital[ienischen] Farben (Trappolierkarten mit Stäben, Schwertern, Bechern, Münzen). [o. A.: Lexikon der Kunst – S. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001, S. 32490. Zitiert nach: o. A.: Lexikon der Kunst – S. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Bd. 6: R – Stad, Leipzig: Seemann 1994.]
Das Blatt: Gespielt wird Schafkopf mit einem 32er deutschen Kartenblatt […]. Die vier Farben, ihrer Rangfolge nach geordnet, heißen Eichel, Grün, Herz, Schellen. [Berliner Zeitung, 03.06.1995]
Preference […], ein Kartenspiel mit Pikettkarte unter drei Personen; Reihenfolge der Farben: Rot, Schellen, Grün, Eicheln. [o. A.: P. In: Brockhausʼ Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001, S. 59730. Zitiert nach: o. A.: P. In: Brockhausʼ Kleines Konversation-Lexikon, Leipzig: F.A. Brockhaus 1906.]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grün · Grün · grünen · grünlich · Grünkohl · Grünschnabel · Grünspan
grün Adj. Das im Westgerm. und Nordgerm. erscheinende Farbadjektiv ahd. gruoni (8. Jh.), mhd. grüene, asächs. grōni, mnd. grȫne, mnl. groene, nl. groen, aengl. grēne, engl. green, anord. grœnn, schwed. grön gehört mit n-Suffix zu dem im Nhd. untergegangenen Verb ahd. gruoen (8. Jh.), mhd. grüejen ‘wachsen, sprießen, gedeihen’, mnd. grōjen, mnl. groeyen, grōyen, nl. groeien ‘wachsen’, aengl. grōwan ‘wachsen, sprießen’, engl. to grow ‘wachsen’, anord. grōa ‘wachsen, grünen’. Adjektiv und Verb führen auf die Form ie. *ghrō- der Wurzel ie. *gher(ə)- ‘hervorstechen’ (von Pflanzentrieben, Stacheln, Borsten, Erderhebungen, Kanten), weiterführend ‘wachsen, grünen’; sie sind verwandt mit ↗Grat, ↗Gräte, ↗Granne und ↗Gras (s. d.). Die für das Adjektiv zu erschließende Bedeutung ‘sprießend, hervorwachsend’ wird schon früh auf die Farbe der Pflanzen, speziell der jungen Triebe, eingeengt, meint also eigentl. ‘von der Farbe sprießender Pflanzen’. grün dient im Dt. nicht nur als Farbbezeichnung. Im Sinne von ‘frisch, jung, saftig’ steht es im Gegensatz zu ‘trocken, verwelkt’ (grüne Bohnen, Erbsen, grünes Holz, grüne Ware ‘frisches Gemüse’, grüne ‘ungeräucherte’ Heringe), im Sinne von ‘unreif’ im Gegensatz zu ‘ausgereift, rot’ (grüne Äpfel; vgl. auch grüner ‘unreifer, unerfahrener’ Junge). Als Farbe des sprießenden Frühlings wird grün schon in mhd. Zeit zum Sinnbild des Frohsinns und der Freude, im Nhd. der Hoffnung. Als Farbe des Angenehmen begegnet grün in den Wendungen einem (nicht) grün sein ‘einem (nicht) wohlgesinnt, gewogen sein’, die grüne Seite (‘wo das Herz sitzt’, Mitte 16. Jh.). Als Sinnbild des Gedeihens gilt der grüne Zweig, daher auf keinen grünen Zweig kommen ‘erfolglos sein, es zu nichts bringen’ (16. Jh.). Das substantivierte Adjektivabstraktum Grün n. ‘das Grünsein, frisches Laub, freie Natur, Grasboden’ (vereinzelt schon 12. Jh.) entfaltet sich als Neutrum seit dem 16. Jh. (im Grünen ‘in der freien Natur’, ins Grüne fahren); als abgeleitetes Fem. begegnet es in ahd. gruonī (9. Jh.), mhd. grüene, mnd. grȫne ‘Grünheit, grün bewachsener Boden’. grünen Vb. ‘grün werden, grüne Triebe zeigen, sprießen’, ahd. gruonēn (9. Jh.), mhd. gruonen ‘grün, frisch werden, sein’. Den Umlaut hat das intrans. Verb wohl vom Adj. grün übernommen, kaum von der nur selten gebrauchten trans. Form mhd. grüenen ‘grün machen’. grünlich Adj. ‘ein wenig grün, ins Grüne spielend’, mhd. grüenlich ‘grün’; vgl. mhd. grüenlot ‘annähernd grün’. Grünkohl m. ‘Kohl mit krausen Blättern’ (16. Jh.), auch Braunkohl (Farbe nach dem Kochen), Kraus-, Winterkohl. Grünschnabel m. ‘sich als Besserwisser aufspielender unerfahrener junger Mensch’ (18. Jh.), nach der gelbgrünen Haut an der Schnabelwurzel junger Vögel; s. auch ↗Gelbschnabel. Grünspan m. durch Einwirkung von Essigsäure und Luft entstandener giftiger grüner Überzug auf Gegenständen aus Kupfer oder Messing, spätmhd. grüenspān, spāngrüen, nach mlat. viride Hispanicum bzw. Hispanum ‘spanisches Grün’, weil der aus künstlich hergestelltem essigsaurem Kupferoxid gewonnene Farbstoff aus Spanien eingeführt wird.

Thesaurus

Synonymgruppe
Grünfläche · ↗Grünland · ↗Matte · ↗Rasen · ↗Rasenfläche · ↗Weide  ●  ↗Bleiche  regional, veraltet · ↗Wiese  Hauptform
Oberbegriffe
Unterbegriffe
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ampel Blau Bäume Fairways Farben Gelb Grundfarben Grün Rot Schattierungen Türkis Violett Weiß Wiesen dichten dunkle frischem gepflegten giftiges hellem leuchten leuchtendem lichtes saftiges sattem schaltet sprießt wucherndes zartes üppigem

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Grün‹.

Zitationshilfe
„Grün“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Grün>, abgerufen am 20.11.2017.

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