Grünkohl, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungGrün-kohl
WortzerlegunggrünKohl
eWDG, 1969

Bedeutung

Kohl mit krausen Blättern, der keine Köpfe bildet
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

grün · Grün · grünen · grünlich · Grünkohl · Grünschnabel · Grünspan
grün Adj. Das im Westgerm. und Nordgerm. erscheinende Farbadjektiv ahd. gruoni (8. Jh.), mhd. grüene, asächs. grōni, mnd. grȫne, mnl. groene, nl. groen, aengl. grēne, engl. green, anord. grœnn, schwed. grön gehört mit n-Suffix zu dem im Nhd. untergegangenen Verb ahd. gruoen (8. Jh.), mhd. grüejen ‘wachsen, sprießen, gedeihen’, mnd. grōjen, mnl. groeyen, grōyen, nl. groeien ‘wachsen’, aengl. grōwan ‘wachsen, sprießen’, engl. to grow ‘wachsen’, anord. grōa ‘wachsen, grünen’. Germ. *grōni- Adj. und germ. *grōan Vb. führen auf die Form ie. *ghrō- der Wurzel ie. *gher(ə)- ‘hervorstechen’ (von Pflanzentrieben, Stacheln, Borsten, Erderhebungen, Kanten), weiterführend ‘wachsen, grünen’; sie sind verwandt mit ↗Grat, ↗Gräte, ↗Granne und ↗Gras (s. d.). Die für das Adjektiv zu erschließende Bedeutung ‘sprießend, hervorwachsend’ wird schon früh auf die Farbe der Pflanzen, speziell der jungen Triebe, eingeengt, meint also eigentlich ‘von der Farbe sprießender Pflanzen’. grün dient im Dt. nicht nur als Farbbezeichnung. Im Sinne von ‘frisch, jung, saftig’ steht es im Gegensatz zu ‘trocken, verwelkt’ (grüne Bohnen, Erbsen, grünes Holz, grüne Ware ‘frisches Gemüse’, grüne ‘ungeräucherte’ Heringe), im Sinne von ‘unreif’ im Gegensatz zu ‘ausgereift, rot’ (grüne Äpfel; vgl. auch grüner ‘unreifer, unerfahrener’ Junge). Als Farbe des sprießenden Frühlings wird grün schon in mhd. Zeit zum Sinnbild des Frohsinns und der Freude, im Nhd. der Hoffnung. Als Farbe des Angenehmen begegnet grün in den Wendungen einem (nicht) grün sein ‘einem (nicht) wohlgesinnt, gewogen sein’, die grüne Seite (‘wo das Herz sitzt’, Mitte 16. Jh.). Als Sinnbild des Gedeihens gilt der grüne Zweig, daher auf keinen grünen Zweig kommen ‘erfolglos sein, es zu nichts bringen’ (16. Jh.). Das substantivierte Adjektivabstraktum Grün n. ‘das Grünsein, frisches Laub, freie Natur, Grasboden’ (vereinzelt schon 12. Jh.) entfaltet sich als Neutrum seit dem 16. Jh. (im Grünen ‘in der freien Natur’, ins Grüne fahren); als abgeleitetes Fem. begegnet es in ahd. gruonī (9. Jh.), mhd. grüene, mnd. grȫne ‘Grünheit, grün bewachsener Boden’. grünen Vb. ‘grün werden, grüne Triebe zeigen, sprießen’, ahd. gruonēn (9. Jh.), mhd. gruonen ‘grün, frisch werden, sein’. Den Umlaut hat das intransitive Verb wohl vom Adj. grün übernommen, kaum von der nur selten gebrauchten transitiven Form mhd. grüenen ‘grün machen’. grünlich Adj. ‘ein wenig grün, ins Grüne spielend’, mhd. grüenlich ‘grün’; vgl. mhd. grüenlot ‘annähernd grün’. Grünkohl m. ‘Kohl mit krausen Blättern’ (16. Jh.), auch Braunkohl (Farbe nach dem Kochen), Kraus-, Winterkohl. Grünschnabel m. ‘sich als Besserwisser aufspielender unerfahrener junger Mensch’ (18. Jh.), nach der gelbgrünen Haut an der Schnabelwurzel junger Vögel; s. auch ↗Gelbschnabel. Grünspan m. durch Einwirkung von Essigsäure und Luft entstandener giftiger grüner Überzug auf Gegenständen aus Kupfer oder Messing, spätmhd. grüenspān, spāngrüen, nach mlat. viride Hispanicum bzw. Hispanum ‘spanisches Grün’, weil der aus künstlich hergestelltem essigsaurem Kupferoxid gewonnene Farbstoff aus Spanien eingeführt wird.

Thesaurus

Botanik
Synonymgruppe
Blattkohl · ↗Braunkohl · Grünkohl · ↗Winterkohl  ●  ↗Krauskohl  ugs.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Blumenkohl Bohne Bratkartoffel Bratwurst Brokkoli Gans Gänsekeule Kartoffel Kasseler Kassler Kloß Knacker Kochwurst Kohlrabi Kohlwurst Mettwurst Pinkel Rosenkohl Rotkohl Röstkartoffel Salat Schweinebacke Speck Spinat Topf Würstchen anbauen köstlich lecker servieren

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Grünkohl‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Selbst stundenlanges Kochen im norddeutschen Grünkohl erweicht sie nur mäßig.
Süddeutsche Zeitung, 28.07.2004
Diesen im hanseatischen Sprachgebrauch als üppig bezeichneten Pudding muss man, historisch gesehen, dem ebenfalls dort sehr beliebten Grünkohl gleichsetzen.
Die Zeit, 02.10.2000, Nr. 40
Grünkohl ist mittelmäßig transportempfindlich und läßt sich drei Tage lang transportieren.
o. A.: Ratgeber für den Feingemüsebau im Freiland, Berlin: VEB Dt. Landwirtschaftsverl 1962, S. 257
Kalzium ist vor allem in Milch und allen Milchprodukten, also auch Käse, enthalten, außerdem sehr reichlich im Grünkohl.
Schönfeldt, Sybil: Leichte schnelle Küche, Hamburg: Litten 1978, S. 20
So hoch wie kleine Weihnachtsbäume steht darin der Grünkohl mit den gerippten Strünken und den krausen Blättern.
Reger, Erik [d.i. Dannenberger, Hermann]: Union der festen Hand, Kronberg/Ts.: Scriptor 1976 [1931], S. 140
Zitationshilfe
„Grünkohl“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Grünkohl>, abgerufen am 19.11.2019.

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