Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Graben, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Grabens · Nominativ Plural: Gräben
Aussprache 
Worttrennung Gra-ben
eWDG

Bedeutungen

1.
längs verlaufende, größere Vertiefung im Erdreich, breite und tiefe Rinne
Beispiele:
ein tiefer, flacher, breiter, schmaler, langer, künstlicher, natürlicher, trockener, nasser, trennender Graben
ein mit Wasser gefüllter Graben
der neben der Chaussee entlangführende Graben
ein Graben hatte sich gebildet
einen Graben ziehen, schaufeln, ausheben, verbreitern, zuschütten, einebnen
durch die trockenen Felder wurden Gräben zur Bewässerung gezogen
einen Graben nehmen (= darüberspringen, darüber hinwegreiten)
in einen Graben fallen, stürzen
seinen Wagen in den Graben fahren
er war in den Graben gefahren
er lag im Graben
sie landeten schließlich im Graben (= fuhren, stürzten hinein)
über einen Graben springen
2.
ausgehobene Befestigungsanlage an der vordersten Front, die zur Deckung und zum Schutz des Verteidigers dient und zugleich ein wichtiges Hindernis für den Angreifer bildet, Schützengraben
Beispiele:
im vordersten Graben liegen
einen Graben abriegeln, besetzen, verteidigen
den Graben (ein)nehmen
ein Graben um eine Festung, Burg
Wall und Graben bauen
dafür sind wir nicht draußen gewesen und haben im Graben gelegen [ DöblinAlexanderpl.94]
daß wir im Graben das Essen viel zu spät und kalt bekommen hatten [ RemarqueIm Westen11]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Graben m. ‘längsverlaufende Vertiefung im Boden, ausgehobene Befestigungsanlage an vorderster Front’, ahd. grabo (9. Jh.), mhd. grabe, asächs. graƀo, mnd. mnl. grāve sind Substantivbildungen (mask. n-Stämme) zu dem unter graben (s. d.) behandelten Verb. Auslautendes -n im Hd. (zuerst gegen Ende des 13. Jhs., häufiger seit dem 15. Jh.) stammt aus den flektierten Formen.

graben · ausgraben · Ausgrabung · begraben · Begräbnis · Gräber · Grabmal · Grabscheit
graben Vb. ‘Erde umwerfen, eine Vertiefung (im Erdboden) machen, einkerben, unter der Erde suchen, schürfen’. Das gemeingerm. Verb ahd. graban (um 800), mhd. graben, asächs. graƀan, mnd. mnl. grāven, nl. graven, afries. greva, aengl. grafan, engl. to grave, anord. grafa, schwed. gräva, got. graban (germ. *graban) gehört mit aslaw. grebǫ ‘rudere, grabe’, russ. grebú (гребу) ‘rudere, scharre zusammen’, älter auch ‘grabe, wühle, raffe an mich’, aslaw. pogrěbati, russ. pogrebát’ (погребать) ‘begraben, beerdigen’ zu einer Ausgangsform ie. *ghrebh-, die oft (wie bei Pokorny 1, 455) in zwei homophone Ansätze mit der Bedeutung ‘kratzen, scharren, graben’ sowie ‘ergreifen, erraffen, harken’ (s. grabbeln) aufgespalten wird, wobei zugegeben wird, daß zwischen beiden Ansätzen zum Teil nicht scharf zu trennen ist. Das Paradigma des germ. Verbs folgt nicht dem e-/o-Ablaut des ie. Ansatzes, sondern ist in die Ablautreihe germ. a/ō übergetreten. Zum Verb gehören Grab, Graben, Gracht, Grube; außerhalb der Ablautformen des Verbalparadigmas stehen die (zur alten ie. Ausgangsform stimmenden) Bildungen Gruft, Grubber und das Iterativum grübeln (s. d.). ausgraben Vb. ‘durch Graben aus der Erde herausholen, durch Graben im Erdboden eine Vertiefung schaffen’, ahd. ūʒgraban (10. Jh.), mhd. ūʒgraben; dazu Ausgrabung f. ‘Freilegung (vor)geschichtlicher Funde’, Terminus der Archäologie seit dem 18. Jh. begraben Vb. ‘beerdigen, bestatten’, übertragen ‘aufgeben, nicht mehr davon sprechen’, ahd. bigraban ‘beerdigen’ (8. Jh.), mhd. begraben, auch ‘ziselieren, mit einem Graben umgeben’; Begräbnis n. ‘Bestattung, Beerdigung’, auch ‘Grabstätte, Gruft’, mhd. begrebnis(se) ‘Grabstätte’. Gräber m. häufig auch umlautlos Graber, ahd. grabāri (Hs. 13. Jh.), bigrabāri (10. Jh.) ‘Totengräber’, mhd. grabære, mnd. grāvēre; heute meist in Zusammensetzungen wie Gold-, Schatz-, Totengräber. Grabmal n. ‘am Grab aufgestelltes Erinnerungsmal’ (16. Jh.; zuerst in Luthers Bibelübersetzung), Zusammensetzung mit Mal2 (s. d.) in dessen Bedeutung ‘Zeichen’. Grabscheit n. ‘Spaten, Schaufel’, mhd. grabeschīt, seit dem Frühnhd. die fugenvokallose Form Grabscheit; zum Grundwort s. Scheit.

Thesaurus

Synonymgruppe
Furche · Graben · Kanal · lange Vertiefung
Synonymgruppe
Falte · Furche · Graben · Mulde · Riefe · Spur · Vertiefung
Oberbegriffe
Synonymgruppe
Abstand  fig. · Graben  fig. · Kluft  fig.

Typische Verbindungen zu ›Graben‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Graben‹.

Verwendungsbeispiele für ›Graben‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Ein Stück des Grabens geht mitten durch einen schönen Park. [Brief von Gotthold Rohden vom 19.02.1915. In: Witkop, Philipp (Hg.), Kriegsbriefe gefallener Studenten, München: Müller 1928 [1915], S. 114]
Vom zweiten Graben ging es nun über ein Feld weiter vor. [Brief von Walter Ambroselli vom 19.01.1915. In: Witkop, Philipp (Hg.), Kriegsbriefe gefallener Studenten, München: Müller 1928 [1915], S. 141]
Zeitweise sehr beliebt ist der Gebrauch des Stockes zum Graben. [Köhler, Wolfgang: Intelligenzprüfungen an Menschenaffen, Berlin: Springer 1963 [1917], S. 49]
Das geschlagene Heer zog sich in das durch einen Graben geschützte Lager auf den Höhen zurück. [Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. V. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1902], S. 12289]
Der Graben zwischen diesen beiden Welten droht sich zu vertiefen. [Die Zeit, 05.01.2000, Nr. 2]
Zitationshilfe
„Graben“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Graben>.

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