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Grabstichel, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Grabstichels · Nominativ Plural: Grabstichel
Worttrennung Grab-sti-chel
Wortzerlegung graben Stichel
Duden, GWDS, 1999

Bedeutung

besonders beim Kupfer-, Stahl-, Holzstich gebrauchtes Werkzeug zum Gravieren und Ziselieren
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Stichel · Grabstichel · Stichling
Stichel m. ‘spitzes Instrument’, ahd. stihhila (um 1100), stihhil ‘Stachel, Spitze, Pfahl’ (Hs. 12. Jh.), mhd. stichel ‘Stachel’ (neben stickel ‘spitzer Pfahl’), mnl. stekele ‘stachlige Pflanze’, nl. stekel ‘Stachel’, aengl. sticel ‘Stachel’, anord. stikill ‘Spitze eines Trinkhorns’, ahd. stehhal ‘Becher’ (9. Jh.) und (ohne Bindevokal) got. stikls ‘Becher, Kelch’ sind mit den für Gerätebezeichnungen typischen l-Suffixen gebildet; sie stellen sich mit dem bis ins 17. Jh. verbreiteten Adjektiv nhd. stickel ‘steil ansteigend, hoch’, mhd. stechel, stichel, stickel ‘stechend, spitzig, jäh, steil’ (vgl. ahd. hornstehhal ‘mit den Hörnern stoßend’, 9. Jh.), asächs. stekul ‘rauh, steinig’, aengl. sticol ‘steil, stechend’ zu den unter stechen und Stich (s. d.) genannten Wurzelerweiterungen ie. *(s)teg- bzw. *(s)teig-, *(s)tig- ‘stechen, spitz’. Stichel bezeichnet in neuerer Zeit vor allem ein spitzes Werkzeug zum Gravieren in Metall (besonders bei der Herstellung von Kupferstichen). Grabstichel m. ‘mit einer Spitze versehenes Gerät zum Graben, Gravieren u. dgl.’, mhd. grabestickel, -stichel. Stichling m. Name für Fische, deren Rücken- und Bauchflossen Stacheln aufweisen, spätmhd. stichelinc ‘Sägefisch’ (?), ‘Stachel’ der Disteln, der Mücken (14. Jh.).

Verwendungsbeispiele für ›Grabstichel‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Linien entstehen nur dann, wenn die Platte mit dem Grabstichel zusätzlich bearbeitet wird. [o. A.: Lexikon der Kunst - S. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 37853]
P. von radierten Platten ohne Spuren einer abschließenden Bearbeitung mit kalter Nadel oder Grabstichel, also nur von geätzten Platten, nennt man Ätzdrucke. [o. A.: Lexikon der Kunst - P. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1993], S. 27195]
In sie "sticht" der "Stecher" mit feinen Nadeln und Grabsticheln das negative Markenbild. [Kühne, Heinz: Wir sammeln Briefmarken, Gütersloh u. a.: Bertelsmann Ratgeberverl. [1969] [1959], S. 36]
Beim Kupferstich wird der durch den Grabstichel aufgeworfene G. meist mit dem Schabeisen beseitigt. [o. A.: Lexikon der Kunst - G. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1989], S. 15868]
Mit dem Grabstichel hebt man nun, den Linien der Zeichnung folgend, spanförmig Furchen aus, deren beidseitige Grate mit dem Schabeisen entfernt werden. [o. A.: Lexikon der Kunst - K. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1992], S. 25679]
Zitationshilfe
„Grabstichel“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Grabstichel>.

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