Graffito, das oder der

Grammatik Substantiv (Neutrum, Maskulinum) · Genitiv Singular: Graffito(s) · Nominativ Plural: Graffiti
Aussprache [gʀaˈfiːto] · [gʀaˈfɪto]
Worttrennung Graf-fi-to
Rechtschreibregeln Einzelfälle
Wahrig und ZDL, 2020

Bedeutungen

1.
in Stein oder in eine Wand eingeritzte (historische) Inschrift oder figürliche Darstellung
Beispiele:
Man nimmt heute an, daß die frühesten der Tempelbauten, Skulpturen und Gräber [am Magdalenenstrom in Kolumbien] zwischen 300 und 150 vor Christus entstanden sind. Die Schöpfer standen noch auf der Entwicklungsstufe der Steinzeitmenschen. Aber sie besaßen offenbar schon eine Art Schriftsprache, denn häufig findet man Graffiti, das heißt Inschriftkritzeleien, die für uns leider noch stumm sind. [Berliner Zeitung, 01.09.1957]
»Es sei doch gar nichts, worum du mich bittest, sagst du, unverschämter Cinna: Na, wenn du mich um nichts bittest, dann schlage ich dir ja auch nichts ab.« Gleichzeitig ist der Graffito eine Parodie auf den Inhalt des typischen Grabepigramms, indem es einen gängigen Topos aufgreift: die Verfluchung des Grabschänders. [VOCES INTIMAE, 02.09.2009, aufgerufen am 27.04.2016]
[…] von den Zeitgenossen wurde der Gekreuzigte bereits karikiert. Das belegt das »Spottkreuz vom Palatin«, das Graffito in einer römischen Wachstube aus dem 3. Jahrhundert. Es zeigt ein Mischwesen zwischen Esel und Mensch am Kreuz und davor einen Mann, von dem die griechische Umschrift mitteilt: »Alexamenos betet seinen Gott an.« [Die Welt, 02.02.2006]
Ein Graffito aus dem alten Rom, als eine Demokratieoligarchie das Volk mittels gesponserter Spiele bei Laune zu halten versuchte, denn Beschäftigung war kaum mehr vorhanden. [Süddeutsche Zeitung, 01.08.1998]
Beim Kultmahl wurden sogar einige Worte gesprochen (Justin, Apol. I, 66), die uns leider nicht mehr bekannt sind (Cumont in RA 1946, 193). Wichtig ist in dieser Hinsicht ein Graffito von 200 n. Chr. im Aventiner Mithräum: »Die Männer hast du gerettet durch das Vergießen des ewigen Blutes.« [Vermasern, M. J.: Mithras. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 21895]
2.
Grammatik: Singular selten
Synonym zu Graffiti
Beispiele:
Das Muster stammt vom Foto eines Berliner Graffitos. [Spiegel, 28.12.2017 (online)]
Doch da brummt das Smartphone, ein Mitarbeiter aus Athen schickt ihm das Foto eines Graffito, auf dem Michelangelos berühmte Schöpfungsszene aus der Sixtinischen Kapelle in Neonfarben zu sehen ist, darunter steht, dass Kunst vor allem für Reiche gemacht wird. [Süddeutsche Zeitung, 08.06.2017]
Um einen Wertverlust der Immobilie zu verhindern, müsse ein Profi ran und das schnell, denn je älter der Graffito, desto höher das Risiko einer Substanzschädigung. [Süddeutsche Zeitung, 30.11.2012]
Mutig rief er [der Bürgermeister] eine Pressekonferenz zum »Kampf gegen den Vandalismus« auf und kündigte an, »Sonderstreifen gegen Sprayer« würden ausschwärmen, um künftig jedes Graffito schon in der Spraydose zu ersticken. [Die Zeit, 19.04.1985, Nr. 17]
Von Rauputz ist der Graffito besonders schwer zu entfernen, und eigentlich ist die Fassadengestaltung eine Angelegenheit des Besitzers, der auf den Kosten sitzen bleibt, wenn der Täter nicht zu eruieren ist. [Süddeutsche Zeitung, 26.11.1999]

Thesaurus

Synonymgruppe
Graffito · ↗Wandmalerei  ●  ↗Graffiti  Plural · Wandschmiererei  derb
Oberbegriffe
Unterbegriffe

Typische Verbindungen zu ›Graffito‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Graffito‹.

Zitationshilfe
„Graffito“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Graffito>, abgerufen am 24.09.2020.

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