Gras, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Grases · Nominativ Plural: Gräser
Aussprache  [gʀaːs]
eWDG und ZDL

Bedeutungen

1.
Ein Ziergras: Pampasgras (Cortaderia selloana)
Ein Ziergras: Pampasgras (Cortaderia selloana)
(4028mdk09, CC BY-SA 3.0)
Ein bühender Grashalm
Ein bühender Grashalm
(CC0)
Gras
Gras
(CC0)
(einzelnes Exemplar, einzelne Art aus einer) Gesamtheit von meist grünen, krautigen Pflanzen mit einfachem, meist hohlem Halm, ungestieltem Blatt und ährenförmigem Blütenstand
Beispiele:
Getreidearten wie Gerste, Reis, Roggen und Weizen gehören zu den Gräsern
ein seltenes GrasWDG
mehrjährige GräserWDG
Gräser sammelnWDG
2.
Das Gras eines Rasens
Das Gras eines Rasens
den Erdboden überziehende Decke aus Gras (1)WDG
Grammatik: nur im Singular
siehe auch Rasen, Wiese
Beispiele:WDG
grünes, frisches, saftiges, dichtes, weiches, hartes, hohes, niedriges, spärliches, dürftiges, dürres, welkes, braunes Gras
im Gras liegen
sich ins Gras legen
das Gras blüht, bildet Ähren, Rispen
das Gras mähen, verfüttern
die Wege sind mit Gras bewachsen, von Gras überwuchert
Am Strande weht das Gras […] [ Storm8,194]
a)
Phrasem:
bildlich, salopp, derbins Gras beißen (= sterben)
Beispiele:
Kinder begreifen, was der Tod ist, wenn ihre Haustiere ins Gras beißen. [Welt am Sonntag, 26.12.2010]
In Münster scheint die Welt noch in Ordnung. Selbst, wenn die TV‑Opfer spektakulär ins Gras beißen. In keinem anderen Tatort werden Mord und Totschlag so zum Nebendarsteller. [Bild, 29.05.2018]
Warum lässt Ingrid Noll [in ihren Romanen] immer die Männer ins Gras beißen? [Bild am Sonntag, 30.07.2017]
Und ich glaube, daß noch viele in den Städten buchstäblich ins Gras beißen müssen, wenn nicht ganz energisch von den zuständigen Stellen für erhöhte Rationen gesorgt wird. [Berliner Zeitung, 14.07.1946]
b)
Phrasem:
bildlich, umgangssprachlichdas Gras wachsen hören (= (zu Unrecht) zu wissen glauben, was geschehen wird)
Beispiele:
Aber ein Zukunftsforscher sollte primär zwei Dinge können: »Das Gras wachsen hören«, im Sinne einer Ahnung kommender gesellschaftlicher Verhältnisse. Und stimmige Modelle der Zukunft entwickeln. [Die Welt, 06.09.2013]
Wer das Gras wachsen hört, wird meist nicht ganz ernst genommen. [Die Welt, 29.11.2016]
Sie versuchen, das Gras wachsen zu hören und berichten darüber in Livetickern. [Die Zeit, 05.11.2015]
Auf Drängen der Mutter, die das Gras wachsen hörte, lernte er Maurer und Ofenbauer und machte sich 1936 auf den Weg nach Palästina, zu einer Zeit als die meisten deutschen Juden noch glaubten, das Gastspiel der Nazis werde bald vorbei sein. [Die Welt, 08.01.2011]
Offenbar hört da wer das Gras wachsen, der schon vorher eingebunden werden will, bevor jemand die Idee gehabt hat. [Der Standard, 10.06.2009]
c)
Phrasem:
bildlich, umgangssprachlichüber etw. wächst Gras (= etw. gerät in Vergessenheit)
Beispiele:
Tatsächlich wächst Gras über die Affäre, ohne dass sich H[…] vor Gericht verantworten muss. [Neue Zürcher Zeitung, 04.11.2019]
Man will Gras wachsen lassen über die damaligen Geschehnisse. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 04.06.1999]
Es ist ein Kompromiss, mit dem man in Hamburg leben konnte und kann – mit der Zeit wuchs Gras über die Angelegenheit. [Hamburger Abendblatt, 04.03.2017]
Warum sagt man eigentlich … Über eine Sache Gras wachsen lassen? Diese Redensart stammt aus dem Flurschadensrecht: Wuchs über einen Flurschaden Gras und wurde so unsichtbar, konnte der Geschädigte nicht mit einer Wiedergutmachung rechnen. [Bild, 05.10.2000]
Sie hatten ihn aus der Schußlinie gezogen, es sollte Gras wachsen über die ganze Geschichte. [Berliner Zeitung, 13.08.1968]
d)
Phrasem:
bildlich, salopp, scherzhaftda wächst kein Gras mehr (= der genannte Vorgang hat durchschlagende, vernichtende Wirkung)
Beispiele:
Egal ob mit Worten oder der Faust: Wo der hinschlägt, da wächst kein Gras mehr! [Bild, 15.11.2008]
Der junge Reubke schreit in dieser durchkomponierten Sonate seine Verzweiflung hinaus. Und nach dem gewaltigen c‑Moll‑Schlussakkord wächst kein Gras mehr. [Badische Zeitung, 16.09.2021]
Die Wut über den verantwortungslosen Ausverkauf der Städte (»Wo das Geld hinfällt, da wächst kein Gras mehr«). [Süddeutsche Zeitung, 08.08.2020]
Wo die beiden hintreten, wächst kein Gras mehr. [Der Standard, 07.04.2015]
Wenn Schule und Theater aufeinander losgelassen werden, wächst kein Gras mehr. [Süddeutsche Zeitung, 27.02.2008]
3.
Kartenspiel, meist D-Südost (Altbayern)
Grammatik: meist ohne Artikel/Anstelle der Pluralform wird für eine konkrete Anzahl von Karten oft die Singularform verwendet.
Synonym zu Blatt (II 3 e), Grün (5)
Beispiele:
drei Gras auf der Hand haben
er sagte Gras an
Gekartelt wird mit dem Deutschen Blatt: 32 Karten, Eichel, Gras, Herz, Schelle. [Landshuter Zeitung, 29.03.2018]
Eichel, Gras, Herz und Schellen haben wieder Konjunktur. Am morgigen Freitag startet ab 19.30 Uhr wieder das traditionelle Wattturnier in den Diesenbacher Bürgerstuben. [Mittelbayerische, 05.03.2020]
Die höchsten Trümpfe sind [beim Schafkopf] die vier Ober, dann die vier Unter, dann die Herzen – es sei denn, bei einem Solo wird eine andere Farbe angesagt (Eichel, Gras, Schellen). [Münchner Merkur, 26.02.2020]
Kreuz ist Eichel, Pik ist Gras, Herz ist Herz und Karo ist Schelln; Aufstecken der Karten: Bube, Ass, Zehner, König, Dame (kein Trumpf) 9, 8, 7 = Luschen[…]. [Mittelbayerische, 05.01.2017]
Rufen [beim Schafkopf]: Bei Partnerspielen ruft sich der Spielmacher seinen Partner, indem er ein Farb‑As (Eichel, Gras oder Schellen) nennt, das er nicht besitzt. Er muß aber mindestens eine Karte dieser Farbe haben. Wer das gerufene As besitzt, wird zum Partner des Spielmachers und muß dieses Ruf‑As ausspielen, sobald die Ruf‑Farbe das erste Mal gefordert wird. [Berliner Zeitung, 03.06.1995]
4.
salopp
Grammatik: nur im Singular
Synonym zu Haschisch, Marihuana
Kollokationen:
als Akkusativobjekt: Gras anbauen, rauchen
Beispiele:
Wenn Hippies früher noch auf den »schwarzen Afghanen« schworen, bröseln Kiffer heute gern Hasch und Gras aus deutschen Landen in ihre Joints. [Der Spiegel, 07.06.2010]
[…] ich bin zu einer Zeit aufgewachsen, als die älteren Kids Gras geraucht haben. [Süddeutsche Zeitung, 22.10.2020]
Jeder fünfte Jugendliche in Deutschland hat im vergangenen Jahr Gras geraucht, wie aus einer Studie der Bundeszentrale für gesundheitliche Aufklärung 2019 hervorgeht. [Welt am Sonntag, 28.07.2019]
Der 31‑Jährige ist einer der fast 5.000 Uruguayer, die künftig ganz legal staatlich geprüftes Gras rauchen dürfen. Der junge Mann hat große Pläne. Einen Cannabisklub will er eröffnen und Geld mit der neuen Freiheit verdienen. Ab Anfang Juli will Uruguays Regierung kräftig am Marihuanakonsum mitverdienen. [Die Welt, 01.07.2017]
Etwa 80 Prozent dieser Schüler [die illegale Drogen konsumieren] bevorzugten dabei Cannabisprodukte. Ob sie ihr »Gras« selbst anbauen, darüber kann nur spekuliert werden. [Berliner Zeitung, 17.09.1999]

letzte Änderung:

Zum Originalartikel des WDG gelangen Sie hier.

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gras · grasen · abgrasen · Graser · grasig · Grasmücke
Gras n. in Halmen wachsende grüne Pflanze mit schmalem Blatt und ährenförmigem Blütenstand, auch ‘Rasen, Wiese’, ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. mnl. nl. gras, afries. gers, gres, aengl. græs, gærs, engl. grass, anord. gras, schwed. gräs, got. gras (germ. *grasa-) läßt sich mit lat. grāmen ‘Gras’ (aus *grasmen) verbinden. Daraus ist ie. *ghrəs- ‘Gras, Pflanzentrieb’ zu erschließen, das mit erweiterndem s auf ie. *ghrə-, eine Form der Wurzel ie. *gher(ə)- ‘hervorstechen’ (von Pflanzentrieben, Stacheln, Borsten, Erderhebungen, Kanten), weiterführend auch ‘wachsen, grünen’, zurückgeht. Zur gleichen Wurzel gehören Grat, Gräte, Granne und grün (s. d.). grasen Vb. ‘Gras abfressen’, ahd. grasōn ‘weiden, Gemüse pflanzen’ (9./10. Jh.), mhd. grasen ‘Gras schneiden, weiden’; abgrasen Vb. ‘Gras abweiden, abmähen’ (15. Jh.), übertragener Gebrauch seit dem 19. Jh. Graser m. (Jägersprache) ‘Zunge des Rotwildes’ (18. Jh.). grasig Adj. ‘mit Gras bewachsen, grasähnlich’, ahd. grasag (um 1000), mhd. grasec. Grasmücke f. kleiner, in Gebüsch und Hecken lebender Singvogel, ahd. grasmugga (Hs. 12. Jh.), mhd. gras(e)mucke (aus *grasa-smukka). Im zweiten Bestandteil des Vogelnamens sieht man ein Nomen agentis zu dem unter schmiegen (s. d.) behandelten Verb. Das Nomen, das das anlautende s- früh verloren haben muß, weist Schwundstufe und die für Intensiv- bzw. Iterativbildungen (wie schmücken, schmuggeln, s. d.) charakteristische Konsonantengemination auf; semantisch folgt es mhd. smiegen und smucken, smücken, beide ‘in etw. eng Umschließendes drücken’, reflexiv ‘sich ducken’. Die ahd. Überlieferung bietet zahlreiche Varianten (mit und ohne Fugenvokal); neben den Formen auf -mugga stehen von Anfang an solche auf -mucca. Das beweist, daß irrtümlich schon früh Zusammenhang mit ahd. mugga, Variante mucca, nhd. Mücke (s. d.) empfunden wird.

Thesaurus

Synonymgruppe
Gras · Graspflanze(n) · Rasenpflanze(n)
Assoziationen
Synonymgruppe
Marihuana  ●  Dope  ugs. · Ganja  ugs. · Gras  ugs. · Grünes  ugs. · Kraut  ugs. · Mary Jane  ugs. · Ott  ugs. · Weed  ugs.
Oberbegriffe
  • Cannabis  ●  Ganja  ugs. · Gras  ugs. · Pot  ugs.
Synonymgruppe
Cannabis  ●  Ganja  ugs. · Gras  ugs. · Pot  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Marihuana  ●  Dope  ugs. · Ganja  ugs. · Gras  ugs. · Grünes  ugs. · Kraut  ugs. · Mary Jane  ugs. · Ott  ugs. · Weed  ugs.
  • Haschisch  ●  Braunes  ugs. · Dope  ugs. · Hasch  ugs. · Piece  ugs. · Shit  ugs.
Assoziationen
  • Rauchen · Tabakrauchen  ●  Paffen  ugs. · Quarzen  ugs. · Schmauchen  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Gras‹ (computergeneriert)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gras‹.

Zitationshilfe
„Gras“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gras>, abgerufen am 17.01.2022.

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