Graupe, die
GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Graupe · Nominativ Plural: Graupen · wird meist im Plural verwendet
Aussprache
WorttrennungGrau-pe
Wortbildung mit ›Graupe‹ als Erstglied: ↗Graupenbrei · ↗Graupenmühle · ↗Graupenschleim · ↗Graupensuppe · ↗Gräupchen
 ·  mit ›Graupe‹ als Letztglied: ↗Weizengraupe
Duden, GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
a)
enthülstes und gerundetes Gersten- oder Weizenkorn
Beispiele:
Graupen und Grütze: Beides wird aus Gerste hergestellt. Bei der Ausmahlung zu Grütze verbleibt die Schale am Korn, die länglichen bis runden Graupen werden nach dem Schälen meist noch geschliffen. [o. A.: Wir kochen gut, Leipzig: Verl. für d. Frau 1968 [1963], S. 143]
Um ihn herum arrangieren sich Anna, Max und der Betreuer in dem kleinen Raum, hantieren mit Graupen und Bohnen, machen Crêpes-Teig und Karottenpasta. [Neue Zürcher Zeitung, 22.12.2014]
Die Graupen waschen, abtropfen lassen und [zu den Zwiebeln] dazugeben, eine Weile unter Rühren andünsten, bevor mit Weißwein abgelöscht wird. [Die Zeit, 02.10.2013, Nr. 41]
[…] Stellt euch […] vor, die Graupe hätte nicht diesen unattraktiven deutschen Namen, sondern hieße Fregula, wie diese sardische Pastaspezialität, die ähnlich schmeckt. [Die Zeit, 02.10.2013, Nr. 41] ungewöhnl. Sg.
b)
(Brei aus) Graupen (Lesart 1 a) als Teil eines Gerichts
Beispiele:
Auf Großmutters Teller kommt heimischer Fisch wie Dorsch, Hering und Karpfen, Sättigungsbeilagen wie Graupen und Buchweizen, in Vergessenheit geratene Gemüsesorten wie Topinambur, Schwarzwurzeln und Weißkohl – und viel Fleisch. [Die Zeit, 16.05.2016 (online)]
Sie kochte Bohnensuppe mit Kerbel, Graupen mit Sellerie und Petersilie, saure Kartoffelstücke mit gedünsteter Zwiebel […]. [Loest, Erich: Völkerschlachtdenkmal, München: Dt. Taschenbuch-Verl. 1987 [1984], S. 54]
Der Brei bestand aus dickgekochten Graupen, von dem gleich ein Vorrat auf mehrere Tage hergestellt wurde. [Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 54895]
2.
Bergmannssprache Korn, Stückchen von (Zinn)erz
Beispiele:
Will man die Klopfabfälle in Form von Klütten verwerthen, so müssen die Graupen vorher gemahlen werden, eine Arbeit welche unter 2 Groschen pro 100 Kil. wohl nicht zu bewerkstelligen ist, es sey denn, daß billige Wasserkraft zur Verfügung stände. [Ueber Röstöfen von Hasenclever und Helbig für die Entschwefelung von Erzen zur Schwefelsäurefabrication; von Robert Hasenclever. In: Polytechnisches Journal (Hg. Dr. Emil Maximilian Dingler), Jg. 1872/206, S. 274-279. Augsburg, 1872]
Das auf die Weise aufbereitete Erz heißt man Schlieg (Schliech), wenn es ganz fein ist, und Graupen, bei einer Erbsengröße des Kornes. [Baumstark, Eduard: Kameralistische Encyclopädie. Heidelberg u. a., 1835]
3.
Textilindustrie verfilztes Faserbällchen, das bei der Wollbearbeitung abfällt oder bei der Fertigung ungleichmäßiger Garne verwendet wird
Beispiel:
Ein zu lockeres Blatt [Teil des Werkzeugs zum Kämmen von Tuch] gibt allemal Graupen. [Kamarsch-Heeren techn. wb. (1876) 4, 675]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Graupe · Graupel · graupeln
Graupe f. ‘enthülstes Gerstenkorn’, frühnhd. (schles.) grūpe (Anfang 15. Jh.), (md.) graupe (16. Jh.) stellt sich zu slaw. Wörtern ähnlicher Bedeutung wie obsorb. poln. krupa, nsorb. kšupa, tschech. kroupa, slowak. krúpa; die frühe Verbreitung im Omd. macht eine Entlehnung aus dem Sorb. und Poln. wahrscheinlich. Graupel f. ‘(Getreide)gräupchen’, bes. aber ‘kleines Hagelkorn’, deminutive l-Ableitung von Graupe, dessen slaw. Entsprechungen auch ‘Hagelschloße’ bedeuten; vgl. frühnhd. (schles.) eysgrūpe ‘kleines Hagelkorn’ (15. Jh.) sowie (Erzgebirge) greuple ‘Erzklümpchen’ (16. Jh.). graupeln Vb. ‘in Graupeln hageln’ (17. Jh.), vgl. schon graupen (Luther).

Thesaurus

Synonymgruppe
Nichtskönner · ↗Verlierer(typ) · armer Wicht  ●  ↗Versager  Hauptform · ↗(armes) Würstchen  ugs. · ↗Blindgänger  ugs. · ↗Flasche  ugs. · ↗Heini  ugs., ruhrdt., veraltend · ↗Krücke  ugs. · Lohle  ugs., schwäbisch · ↗Loser  ugs., engl. · ↗Lulli  ugs. · ↗Lusche  ugs. · Luschi  ugs. · ↗Niete  ugs. · ↗Null  ugs. · ↗Nulpe  ugs. · ↗Opfer (jugendspr.)  ugs. · ↗Pfeife  ugs. · Pfeifenheini  ugs., regional · ↗Schwachmat  ugs. · ↗Wurst  ugs.
Assoziationen
DWDS-Wortprofil

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bohnen Grütze Kartoffeln Mehl Reis Zucker

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Graupe‹.

Zitationshilfe
„Graupe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Graupe>, abgerufen am 26.06.2017.

Weitere Informationen …