Griff, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Griff(e)s · Nominativ Plural: Griffe
Aussprache 
eWDG

Bedeutungen

1.
das Greifen, In-die-Hand-Nehmen, der Zugriff
Beispiele:
ein rascher, flinker, energischer, sicherer, derber, harter, eiserner, geübter Griff
ein falscher Griff kann vieles verderben
sie hatte den richtigen Griff an der Maschine geübt, gelernt
die verschiedenen Griffe beim Geräteturnen
er kannte bereits alle Griffe
ein letzter Griff noch, ein paar Griffe noch, und alles ist fertig
ein Griff nach der Uhr, in die Tasche, an die Gurgel
Soldatensprache Griffe kloppen (= mit dem Gewehr exerzieren)
bildlich
Beispiele:
verhüllender hatte einen tiefen, kühnen Griff in die fremde Kasse getan (= hatte viel Geld gestohlen)
das mache ich mit einem Griff (= das mache ich ohne Schwierigkeit, mühelos, schnell)
jmdn. nicht aus dem, seinem Griff lassen (= nicht freilassen)
jmdn. in den Griff bekommenjmdn. überwältigen und festhalten
Beispiel:
da bekam ich ihn in den Griff [ HagelstangeSpielball110]
etw. in den Griff bekommenetw. beherrschen, meistern
Beispiele:
eine neue Methode in den Griff bekommen
etw. im Griff haben (= etw. gewohnheitsmäßig, ohne nachzudenken, richtig machen)
Er feixte: er bekam es allmählich in den Griff, seinen toten Souverän zu geleiten [ Feuchtw.Häßl. Herzogin242]
umgangssprachlich mit jmdm., etw. einen guten, glücklichen Griff tunmit jmdm., etw. eine gute Wahl treffen
Beispiele:
mit der neuen Mitarbeiterin haben wir einen guten Griff getan
mit diesem Plattenspieler tun Sie einen guten Griff
die Polizei hat einen guten Griff getan (= hat einen Schuldigen festgenommen)
2.
das, was passend für die Hand gemacht worden ist, damit sie zufassen kann
Beispiele:
der Griff des Koffers
der Griff eines Schirmes, der Handtasche
der Griff (= Klinke) der Tür
der Griff (= Heft) des Messers
der Griff (= Stiel) des Löffels
der Griff ist abgebrochen, abgeschraubt
ein roter, hölzerner, metallener, gläserner, lederner, geschnitzter Griff
eine Stange diente als Griff
das Ende des Griffs
3.
Jägersprache Schlag mit den Fängen des Raubvogels beim Fassen der Beute
4.
Textilindustrie dieser Stoff hat einen weichen Griffdieser Stoff greift, fühlt sich weich an
Beispiele:
ein Gewebe mit wolligem, körnigem, glattem Griff
Es werden jetzt Produkte aus synthetischen Seiden auf den Markt gebracht, die einen wärmeren, weicheren und fülligeren Griff besitzen [ Urania1962]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Griff · Handgriff · Kunstgriff · griffig
Griff m. ‘das Greifen, Zufassen, Vorrichtung zum Anfassen’, auch in terminologischen Verwendungen, z. B. ‘vorschriftsmäßige Handhabung der Waffe’, ‘beim Anfassen festzustellende Eigenschaften eines Gewebes’, ahd. -grif in Zusammensetzungen (zuerst hantgrif, um 800, s. unten, s. auch Angriff, Übergriff, vgl. schon langobard. anagrip ‘Antastung’, 7. Jh.), mhd. grif ‘das Greifen, Tasten, Klaue, Umfang’ (spätmhd. auch ‘Zugehöriges’), mnd. grēpe ‘das Greifen, Zugriff, Henkel, Kunstgriff’, mnl. grēpe, greep ‘das Greifen, Umfang’, nl. greep ‘das Greifen’, aengl. gripe ‘Griff, Ergreifung, Angriff, Gewalt’, engl. grip ‘das Greifen, Griff, Händedruck, Gewalt’, anord. gripr ‘Eigentum, Kleinod’ beruhen auf einem Maskulinum germ. *gripi-, das zu dem in nhd. greifen (s. d.) fortlebenden starken gemeingerm. Verb gebildet ist; zu vergleichen sind weiterhin anord. -grip (in Zusammensetzungen), norw. grep, schwed. grepp, dän. greb ‘Griff’, die auf ein ebenfalls deverbatives Neutrum germ. *gripa- zurückgehen. Das schwundstufige Verbalabstraktum wird im Mhd. jägersprachlicher Ausdruck für ‘Greifvogelfuß, Klaue’ und ist mnd. und im älteren Nhd. im Sinne von ‘Kunstgriff, Kniff’ gebräuchlich (16. bis 18. Jh., auch Grifflein). Außerdem bezeichnet es mnd. seit dem 15. Jh., hd. vom 17. Jh. an den zum Anfassen bestimmten Teil eines Gegenstands (Henkel, Stiel, Knauf, Hebel u. ä.). Handgriff m. ‘Zugriff, Handhabung’ (namentlich ‘geschicktes Herangehen, Kunstfertigkeit’) sowie ‘Vorrichtung zum Anfassen’, nhd. in beiden Bedeutungen seit dem 16. Jh.; vorher ahd. hantgrif ‘Handvoll’ (um 800), mnd. hantgrēpe ‘Stiel, Henkel, Türgriff’, auch ‘Griff mit der Hand’ (vgl. mhd. hantgrift f. ‘das Handanlegen’). Kunstgriff m. ‘geschicktes, besondere Fertigkeiten voraussetzendes Herangehen, Kniff’ (17. Jh.), vgl. gleichbed. nl. kunstgreep. griffig Adj. ‘handlich, gut anzugreifen’, bis ins 19. Jh. auch ‘gierig’, ahd. griphīg ‘zugreifend, begierig’ (11. Jh.), mhd. griffec ‘greifbar’; vgl. mhd. griphec ‘raubgierig, handlich’, ferner mhd. grīfec, frühnhd. greifig ‘wonach greifend, gierig’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Griff  ●  Haltegriff  Hauptform · Handgriff  ugs.
Synonymgruppe
Griff · Heft (eines Messers) · Henkel (Essgeschirr) · Knauf (Möbelbeschlag) · Schaft  ●  Griffstück  Hauptform · Anfasser  ugs. · Handgriff  ugs.

Typische Verbindungen zu ›Griff‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Griff‹.

Verwendungsbeispiele für ›Griff‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Denn wer vermöchte mit einem Griff das Futter der Zeit nach außen zu kehren? [Benjamin, Walter: Das Passagen-Werk. In: Tiedemann, Rolf (Hg.), Gesammelte Schriften Bd. 5,1, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1982 [1928-1929, 1934-1940], S. 153]
Man gewöhne sich von vornherein daran, den Griff elastisch zu umschließen. [Zeiske, Wolfgang: Angle richtig!, Berlin: Sportverl. 1974 [1959], S. 130]
Es ist nun an der Zeit, die entscheidende Frage fester in unsern Griff zu bekommen. [Schumpeter, Joseph: Theorie der wirtschaftlichen Entwicklung, Berlin: Duncker u. Humblot 1997 [1912], S. 253]
Meine Hand krampfte sich um ihren Griff, mein Finger suchte den Hahn. [Braun, Lily: Memoiren einer Sozialistin. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Deutsche Literatur von Frauen, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1911], S. 1910]
Die Wirtschaft stagniert seit Jahren, die Regierung bekommt die Dinge nicht in den Griff. [Der Spiegel, 19.03.2001]
Zitationshilfe
„Griff“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Griff>.

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