Groteske, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Groteske · Nominativ Plural: Grotesken
Aussprache  [gʀoˈtɛskə]
Worttrennung Gro-tes-ke
Grundform grotesk
Wortbildung  mit ›Groteske‹ als Letztglied: Filmgroteske
Herkunft aus gleichbedeutend grotesquefrz < gleichbedeutend grottescaital
Duden, GWDS, 1999

Bedeutungen

1.
Kunstwissenschaft fantastisch gestaltete Darstellung von Tier- und Pflanzenmotiven in der Ornamentik der Renaissance und der Antike
2.
Kunstwissenschaft, Literaturwissenschaft Darstellung einer verzerrten Wirklichkeit, die auf paradox erscheinende Weise Grauenvolles, Missgestaltetes mit komischen Zügen verbindet
3.
ins Verzerrte gesteigerter, karikierend übertreibender Ausdruckstanz
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Groteske · grotesk
Groteske f. künstlerische, besonders literarische Form, deren komische Wirkung auf phantastisch -verzerrender Darstellung der Wirklichkeit beruht. Das Substantiv ist zunächst allein in der bildenden Kunst (vom frühen 17. Jh. bis zur Mitte des 18. Jhs.) als terminologische Bezeichnung für ein aus Pflanzenteilen, Tieren und Menschengesichtern zusammengefügtes verschnörkeltes Wandornament üblich; es geht in dieser Verwendung über frz. grotesque f. (16. Jh.) zurück auf gleichbed. ital. grottesca, substantiviertes Femininum eines von ital. grotta ‘Grotte, Höhle, Wall’ (s. Grotte) abgeleiteten Adjektivs ital. grottesco ‘nach Art der Grottenbilder, seltsam, wunderlich’. Solche Malereien werden nämlich Ende des 15. Jhs. in verschütteten (und daher höhlenähnlichen) Räumen antiker römischer Thermen und Paläste entdeckt und von Renaissancekünstlern nachgeahmt. Jünger als das Substantiv ist im Dt. grotesk Adj. ‘wunderlich, absonderlich, durch Verzerrungen oder Übertreibungen lächerlich wirkend’ (Anfang 18. Jh. bis zur Jahrhundertmitte gleichfalls nur terminologisch), nach frz. grotesque ‘lächerlich, wunderlich, närrisch’ (17. Jh.); vgl. aber grubengrotteschisch ‘seltsam gestaltet’ schon bei Fischart 1575 als wohl unmittelbar an ital. grottesco anschließende Gelegenheitsbildung.

Typische Verbindungen zu ›Groteske‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Groteske‹.

Verwendungsbeispiele für ›Groteske‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Es übersteigert eine Welt, die aus den Fugen gerät, ins Groteske.
Die Zeit, 20.07.2012, Nr. 21
Von außen gesehen wird man das alles nur als Groteske begreifen können.
Der Tagesspiegel, 23.04.2001
Groteske wird dabei immer mehr zum Mittel, ein Unbehagen an der Zeit zu formulieren.
o. A.: Lexikon der Kunst - S. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1994], S. 8407
Auch die Groteske ist höchst geeignet, das Wesen der Reklame zu unterstreichen.
Schultze-Pfaelzer, Gerhard: Propaganda, Agitation, Reklame, Berlin: Stilke 1923, S. 60
In seinen Werken ist auch eine Neigung zum Grotesken leicht zu erkennen.
Fábián, Imre u. a.: Ungarn. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1966], S. 2262
Zitationshilfe
„Groteske“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Groteske>, abgerufen am 03.08.2021.

Weitere Informationen …

alphabetisch vorangehend alphabetisch nachfolgend
grotesk
Grosz
Großzügigkeit
großzügig
großziehen
groteskerweise
Groteskschrift
Grotesktanz
Grotesktänzer
Grotte