Grundgesetz, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Grundgesetzes · Nominativ Plural: Grundgesetze
Aussprache
WorttrennungGrund-ge-setz
Wortzerlegunggrund-2Gesetz
Wortbildung mit ›Grundgesetz‹ als Erstglied: ↗grundgesetzlich · ↗grundgesetzwidrig  ·  mit ›Grundgesetz‹ als Letztglied: ↗Staatsgrundgesetz  ·  mit ›Grundgesetz‹ als Grundform: ↗GG
DWDS-Vollartikel, 2017

Bedeutungen

1.
nur im Singular
die Verfassung1 der Bundesrepublik Deutschland, die durch einen Grundrechtekatalog und die wichtigsten Rechtsnormen zur Staatsorganisation die Beziehung zwischen Bürger und Staat sowie die politische Ausrichtung und den Aufbau des Staates grundlegend bestimmt
weiterführende enzyklopädische Informationen: „Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland“, in: (Hg.) Bundesministerium der Justiz und für Verbraucherschutz (Gesetze im Internet)
Beispiele:
Das Grundgesetz enthält in seinem ersten Abschnitt einen ausführlichen Katalog von Grundrechten[…]. Bei allen diesen Grundrechten handelt es sich […] um sogenannte Abwehrrechte, also um Sicherungen der Freiheitssphäre der Bürger gegenüber Eingriffen des Staates. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 24.11.2005]
Im Grundgesetz der Bundesrepublik Deutschland gibt es in Artikel 1 zwei schlichte Sätze: »Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.« [Spiegel, 20.07.2016 (online)]
Die Hinwendung der Deutschen zur Werteordnung des Grundgesetzes, welche Freiheit, demokratischen Rechtsstaat, Mitwirkung und Schutz der Menschenrechte garantiert, zeigt […], wie erfolgreich nach 1945 unsere freiheitlich-demokratische Grundordnung in unserem Bewußtsein verankert worden ist. [Welt am Sonntag, 06.03.2005]
Im Bewusstsein der meisten Bürger handelt es sich bei dieser […] Verfassung um einen Grundrechtskatalog[…]. Die meisten Artikel des Grundgesetzes beschäftigen sich indes mit Prinzipien der Staatsorganisation und mit formalen Verfahrensfragen[…]. [Der Tagesspiegel, 25.04.2004]
Sie [die verfassunggebende Versammlung] sollte auch nur »Parlamentarischer Rat« heißen und die von ihr verabschiedete Verfassung lediglich »Grundgesetz«, um [angesichts der entstehenden deutschen Teilung nach 1945] seinen provisorischen Charakter, berechnet darauf, »dem staatlichen Leben für eine Übergangszeit eine neue Ordnung zu geben«, zu unterstreichen. [Die Welt, 21.05.1999]
Das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland […] wurde vom Parlamentarischen Rat in Bonn in einem feierlichen Staatsakt verkündet und in Kraft gesetzt. [Archiv der Gegenwart, 2001. Zitiert nach: Archiv der Gegenwart, 1949, Bd. 19.]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das Bonner, bundesdeutsche, deutsche, das geltende Grundgesetz
als Akkusativobjekt: das Grundgesetz achten, respektieren, schützen, wahren, missachten, verletzen, auslegen, ändern, ergänzen
als Dativobjekt: etw. widerspricht dem Grundgesetz
in Präpositionalgruppe/-objekt: etw. [ein Recht] ist im Grundgesetz verankert, garantiert, festgeschrieben; etw. steht im Einklang mit, im Widerspruch zum Grundgesetz; etw. verstößt gegen das Grundgesetz; etw. [ein Recht] in das Grundgesetz aufnehmen; ein Eid auf das Grundgesetz
mit Genitivattribut: das Grundgesetz der Bundesrepublik [Deutschland]
in Koordination: Grundgesetz und Menschenrechtskonvention, Länderverfassungen, EU-Recht
mit vergleichender Wort-/Nominalgruppe: das Grundgesetz als Verfassung
als Aktivsubjekt: das Grundgesetz garantiert, schützt, gebietet, verbietet, regelt, erlaubt, untersagt etw.
mit Aktivsubjekt: das Grundgesetz schreibt etw. vor, sieht etw. vor, lässt etw. zu, legt etw. fest, steht etw. entgegen
hat Präpositionalgruppe/-objekt: das Grundgesetz für die Bundesrepublik Deutschland
als Genitivattribut: die Präambel, ein Artikel, Absatz, die Bestimmungen, Vorgaben, Normen, der Wortlaut, die Grundrechte, der Gleichheitsgrundsatz, die Eigentumsgarantie, Werteordnung des Grundgesetzes; der Geltungsbereich, das Inkrafttreten, die Verabschiedung, Verkündung, Geltung des Grundgesetzes
allgemeiner Verfassung1 eines Staates oder eines ähnlichen Gemeinwesens
Beispiele:
Ähnliche Formulierungen [über die islamische Scharia als Hauptquelle der Gesetzgebung] waren auch in früheren ägyptischen Verfassungen enthalten und finden sich auch in den Grundgesetzen anderer arabischer Staaten. [Der Standard, 15.12.2013]
Das russische Verfassungsgericht hat […] bestätigt, daß die Abschaffung der Wahl von Gouverneuren und Präsidenten durch das Volk […] mit dem russischen Grundgesetz vereinbar sei. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.12.2005]
Die beiden Staaten der Union [Serbien und Montenegro] müssen ihre jeweiligen Grundgesetze innerhalb von sechs Monaten nach Inkrafttreten der Unionsverfassung dieser entweder anpassen oder neue verabschieden. [Neue Zürcher Zeitung, 29.01.2003]
Nach dem niederländischen Grundgesetz, Artikel 28, ist die Zustimmung der Generalstaaten – der beiden Parlamentskammern – für eine Eheschließung eines Mitglieds des Königshauses erforderlich, will es nicht seinen Anspruch auf die Thronfolge verlieren. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 22.05.2001]
Gemäß dem dänischen Grundgesetz wird spätestens alle vier Jahre eine neue Regierung gewählt, wobei dem amtierenden Premier jedoch das Recht zukommt, den genauen Wahltermin selbst zu bestimmen. [Berliner Zeitung, 20.02.1998]
übertragen, scherzhaft Mit ihren […] Narrenfahnen zogen in Mainz die Menschen zum Fastnachtsbrunnen […], 5000 Narren ließen sich […] begeistert auf das »Närrische Grundgesetz« (= Sammlung von Regeln für das närrische Treiben zur Karnevalszeit) verpflichten: »Alle Narren sind gleich, ob Gardist oder Feldmarschall, ob Präsident oder Büttenschieber«[…] und: »Jeder Mainzer Bürger ist zur Erhaltung der Narrenfreiheit aufgerufen.« [Spiegel, 11.11.2007 (online)]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das Hongkonger, das norwegische, russische Grundgesetz
mit Genitivattribut: das Grundgesetz des Königreichs [Dänemark, der Niederlande]
2.
grundlegende Rechtsnorm, insbesondere des Verfassungsrechts
Beispiele:
Israel hat keine Verfassung, sondern stützt sich auf seine Unabhängigkeitserklärung sowie eine Reihe von Grundgesetzen mit Verfassungscharakter. [Neue Zürcher Zeitung, 25.11.2014]
Der ungarische Premierminister […] verletzt mit Kalkül Grundwerte und Grundgesetze, die Ungarn durch die Mitgliedschaft in der Union von den Verträgen und der Grundrechtscharta auferlegt sind. [Der Standard, 13.03.2013]
Insgesamt elf unabhängige Beschlussabteilungen [des Bundeskartellamtes] […] überprüfen die Einhaltung des Gesetzes gegen Wettbewerbsbeschränkungen […] – das Grundgesetz der Marktwirtschaft. [Süddeutsche Zeitung, 30.03.2007]
Wenn die christlichen Kirchen nicht in vielen demokratischen Ländern durch ein Grundgesetz zur Trennung von Kirche und Staat gezwungen worden wären, wären unsere Gesellschaften nicht so bunt und nicht so demokratisch […]! [Die Zeit, 01.08.1997, Nr. 32]
Er [Artikel 4 des Autonomiestatuts Südtirols] enthält […] die Einschränkung, daß alle von der Provinz verabschiedeten Gesetze »in Übereinstimmung mit den Grundgesetzen der Rechtsordnung des Staates unter Wahrung der nationalen Belange stehen müssen«. [Die Zeit, 18.12.1958, Nr. 51]
Kollokation:
mit Genitivattribut: das Grundgesetz der Marktwirtschaft
3.
Grundsatz, Richtschnur, Regel des Handelns oder Denkens
Beispiele:
Die praktische Vernunft ist es, die sich selbst das »Grundgesetz« (Kant) des Kategorischen Imperativs gibt: »Handle so, dass die Maxime deines Willens jederzeit zugleich als Prinzip einer allgemeinen Gesetzgebung gelten könne.« [Der Spiegel, 15.04.2006, Nr. 16]
[…] diverse Grundgesetze des politischen Handelns nicht beachtet […] zu haben – die Verantwortung dafür trägt eine [Partei-]Führung, von der bis heute kaum ein ernsthaftes Wort der Selbstkritik zu hören ist […]. [Süddeutsche Zeitung, 10.11.2008]
Bis heute ist das International Board Hüter der Fußballregeln. Die vier britischen Verbände haben jeweils eine Stimme, die Fifa [der Weltfußballverband] hat vier. Bei den Grundgesetzen des Fußballs ist die Fifa also auf das Vereinigte Königreich angewiesen. [Der Tagesspiegel, 21.05.2004]
Egal um welche Diät es sich handelt: Es gibt 5 Grundgesetze für Schlankheits-Kuren. Nur wenn Ihre Diät auf diesen Regeln beruht, ist sie erfolgversprechend und medizinisch unbedenklich. [Bild, 11.02.1999]
Der Dekalog [die Zehn Gebote] ist das gemeinsame religiöse und sittliche Grundgesetz der Juden und Christen. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 20.06.1995]
scherzhaft Wenn der Bonner Kabarettist […] sein »Rheinisches Grundgesetz« (= Sammlung rheinländischer Redensarten und Lebensweisheiten) zum Vortrag bringt, leistet er aktive Lebens- und Katastrophenhilfe. […] Denn Beikircher[…] hat die […] Lebensweisheiten aufgeschrieben, mit deren Hilfe der rheinische Mensch die großen und die kleinen Notfälle des Daseins meistert: »Et is, wiet is«, lautet die erste Grundregel, »et kütt, wiet kütt« die zweite. [Der Spiegel, 23.10.1995, Nr. 43]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das sittliche Grundgesetz
mit Genitivattribut: die Grundgesetze des Denkens, der praktischen Vernunft, der Dialektik, des Fußballs
4.
grundlegende Gesetzmäßigkeit, fundamentaler Zusammenhang in der Natur oder Gesellschaft
Beispiele:
Ihre [der Erde] Drehung folgt einem physikalischen Grundgesetz, das besagt, dass der Drehimpuls erhalten bleiben muss und nur durch eine Einwirkung von außen gestört werden kann. [Süddeutsche Zeitung, 28.09.2015]
Wenn der Preis unter das Marktniveau sinkt, dann sinkt das Angebot und steigt die Nachfrage. Man muss kein Ökonom sein, um dieses Grundgesetz des Wirtschaftslebens zu verstehen […]. [Neue Zürcher Zeitung, 06.11.2015]
Etwa ein halbes Jahrhundert später gelingt es Isaac Newton […], aus den drei Keplerschen Gesetzen die Grundgesetze der Mechanik zu entwickeln. Die Kräfte, die den Mond an die Erde und die Planeten an die Sonne binden, sind dieselben, die auf der Erde den Apfel zu Boden fallen lassen. [Die Zeit, 05.02.2009, Nr. 07]
Er [der Naturforscher Lavoisier] beschrieb auch die Zusammensetzung der Luft genau, und die stets exakt vorgenommenen Gewichtsmessungen brachten ein fundamentales Grundgesetz der Chemie hervor: das Gesetz von der Erhaltung der Masse […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 26.08.1993]
Nichts geht verloren, lautet ein Grundgesetz der Physik: Energie kommt nicht abhanden, sondern wird nur in andere Energieformen umgewandelt. [Der Spiegel, 24.07.1972, Nr. 31]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: das kosmologische, biologische, ökonomische Grundgesetz; physikalische Grundgesetze
mit Genitivattribut: Grundgesetze der Natur, der Mechanik, der Chemie

Thesaurus

Jura
Synonymgruppe
Grundgesetz · ↗Konstitution · ↗Staatsverfassung · ↗Verfassung
Oberbegriffe
  • (Frau) Justitia (Allegorie) · (die) Gerichte · ↗Gerichtsbarkeit · ↗Judikative · ↗Justiz · Justizgewalt · ↗Rechtsprechung · dritte Gewalt  ●  (der) (lange) Arm des Gesetzes  fig. · (die) Mühlen der Justiz  fig. · rechtssprechende Gewalt  fachspr.
Unterbegriffe
  • Bundes-Supplementar-Akte · Schlussakte der Wiener Ministerkonferenz · Wiener Schlussakte
  • Reichsheeresverfassung · Reichskriegsverfassung
  • Frankfurter Reichsverfassung · Paulskirchenverfassung
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Absatz Artikel Auslegung Bestimmung Eigentumsgarantie Einklang Ergänzung Geltungsbereich Gleichheitsgebot Gleichheitsgrundsatz Gleichheitssatz Inkrafttreten Landesverfassung Präambel Schuldenbremse Staatsziel Tierschutz Verfassung Verstoß Vorgabe Werteordnung Wortlaut festschreiben garantieren verankern verstoßen vorschreiben widersprechen Änderung ändern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Grundgesetz‹.

Zitationshilfe
„Grundgesetz“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Grundgesetz>, abgerufen am 21.10.2019.

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