Gschaftlhuber, der

Alternative SchreibungGeschaftlhuber
GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Gschaftlhubers · Nominativ Plural: Gschaftlhuber
WorttrennungGschaftl-hu-ber ● Ge-schaftl-hu-ber (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutung

landschaftlich, (besonders) süddeutsch, (besonders) österreichisch, umgangssprachlich jmd., der übertrieben geschäftig ist und sich dabei sehr wichtig nimmt
Beispiele:
er war ein typischer Gschaftlhuber
die Gschaftlhuber und die Vereinsmeier, die, in ihrem nie versagenden Betätigungsdrang, das Leben herunterschnurrten [BecherAbschied4,199]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Geschäft · geschäftig · Geschäftigkeit · geschäftlich · Geschäftsträger · Gschaftlhuber
Geschäft n. ‘Arbeit, Aufgabe, Angelegenheit, Gewerbe, Handel, Gewinn, Profit, Verkaufsraum’, mhd. geschefte, gescheft f. n., mnd. geschefte n. ‘Beschäftigung, Angelegenheit, Ereignis’. Die zu dem unter ↗schaffen ‘tun, ins Werk setzen, bewirken, versorgen’ (s. d.) behandelten schwachen Verb gebildeten Verbalabstrakta bedeuten eigentlich ‘Aufgabe, Tätigkeit’, bezeichnen also ‘das, was zu tun ist’. In der Übertragung auf den Ort des Tätigseins ergibt sich die Verwendung im Sinne von ‘Handels-, Verkaufsraum, Laden, Büro’ (19. Jh.). geschäftig Adj. ‘emsig, unentwegt tätig’, mhd. gescheftic (Anfang 14. Jh.), auch gescheffec; Geschäftigkeit f. (16. Jh.). geschäftlich Adj. ‘das Geschäft, Unternehmen betreffend, beruflich’ (15. Jh.). Geschäftsträger m. ‘Verwalter von Geschäften und Dienstsachen, Agent eines Fürsten in Privatangelegenheiten’ (18. Jh.), in der Übersetzung von frz. chargé d’affaires ‘diplomatischer Vertreter eines Staates’ (18. Jh.); im 16. Jh. bereits vereinzelt ‘Syndikus’. Gschaftlhuber m. bair. öst. ‘geschäftiger Mensch, Wichtigtuer’ (19. Jh.); das mundartliche Deminutivum Gschaftl ‘Geschäftchen’ verbindet sich mit dem Familiennamen Huber, hier in der Art eines Kompositionssuffixes im Sinne von ‘Mensch, Mann, Kerl’ (wie auch in Kraft-, Wühlhuber; s. ähnlich gebrauchtes ↗Meier).

Thesaurus

Synonymgruppe
Großtuer · ↗Wichtigtuer  ●  Gschaftlhuber  ugs., süddt.
Assoziationen

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Also kriegen sie den Thomas Bernhard doch noch, die Gschaftlhuber.
Süddeutsche Zeitung, 12.11.1996
Zum hiesigen Gschaftlhuber Hopf ist nun der Hamburgische Geschäftsreisende Schädel getreten.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1921. In: ders., Leben sammeln, nicht fragen wozu und warum, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2000 [1921], S. 325
Der Verlagsbürokrat hat in der Vergangenheit einen Typ literarischen Gschaftlhubers von geistigem Mittelmaß herangezogen, der es versteht, seine Manuskripte durchzubringen.
Der Spiegel, 22.12.1986
Raab, Gschaftlhuber, Nationalökonom, Vorsitzender des Humboldtclubs, hielt eine große Rede und erklärte, man müsse die Deutschnationalen wählen, um den rechten Flügel der Koalition zu stärken.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1933. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1933], S. 5
Eva sagte »mit Rauhhaargruß«; so unterschrieb einmal ein Hundezüchterverein an Dember -, kam und entpuppte sich als liebenswürdiger, gutmütiger Schwätzer, Gschaftlhuber und Judenseelsorger.
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1939. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1939], S. 126
Zitationshilfe
„Gschaftlhuber“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gschaftlhuber>, abgerufen am 27.03.2019.

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