Gunst, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gunst · wird nur im Singular verwendet
Wortbildung mit ›Gunst‹ als Erstglied: ↗Gunstbeweis · ↗Gunstbezeigung · ↗Günstling · ↗günstig
 ·  mit ›Gunst‹ als Letztglied: ↗Abgunst · ↗Frauengunst · ↗Fürstengunst · ↗Herrengunst · ↗Missgunst · ↗Publikumsgunst · ↗Ungunst · ↗Volksgunst · ↗Weibergunst · ↗Wählergunst · ↗Zuschauergunst
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Wohlwollen, Gewogenheit
Beispiele:
jmds. Gunst erlangen, erwerben, gewinnen, genießen
gehoben ihrer Gunst teilhaftig werden
sich um jmds. Gunst bemühen
um jmds. Gunst werben
abwertend um jmds. Gunst buhlen
bei jmdm. (sehr, hoch) in Gunst stehen
er erfreute sich der Gunst eines Mäzens
jmds. Gunst verlieren, verscherzen
jmdm. seine Gunst bezeugen, zeigen, entziehen
nach Gunst (= nicht objektiv) urteilen
die Gunst der Frauen, des Publikums
Wem Gott will rechte Gunst erweisen, / Den schickt er in die weite Welt [EichendorffTaugenichts3,14]
übertragen
Beispiele:
die Gunst des Klimas, der Lage, des Standorts, der Umstände
wir nutzten die Gunst des Augenblicks
2.
gehoben Zeichen des Wohlwollens, Erfüllung einer Bitte
Beispiele:
sie erwirkte die Gunst, den Bruder selbst pflegen zu dürfen
er bat um eine letzte Gunst
sich [Dativ] bei jmdm. eine Gunst ausbitten
jmdm. eine Gunst gewähren
3.
zu jmds. Gunstenzu jmds. Vorteil
Beispiele:
etw. zu jmds. Gunsten auslegen, deuten, zurechtbiegen
sie verrechnet sich stets nur zu ihren Gunsten
die Angelegenheit, das Spiel steht, nimmt eine Wendung zu unseren Gunsten
sie konnten den Dingen eine Wendung zu ihren Gunsten geben
4.
veraltet mit Gunstmit Verlaub
Beispiel:
Das ist, mit seiner Gunst – / erlogen [LessingNathanV 5]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gunst · günstig · begünstigen · Günstling · Mißgunst · Ungunst · ungünstig
Gunst f. ‘Wohlwollen, Gewogenheit’. Das nur im Dt. und Nl. bezeugte Substantiv mhd. mnd. gunst ‘Gewogenheit, Wohlwollen, Einwilligung, Erlaubnis’, mnl. gonst, gunst, jonst, gonste, nl. gunst ist Verbalabstraktum mit st-Formans zu dem unter ↗gönnen (s. d.) behandelten Verb; vgl. unpräfigiertes ahd. unst ‘Wohlwollen, Dank, Gnadengabe, Erlaubnis’ (9. Jh., abunst ‘Mißgunst, Neid’, 9. Jh.). In der Fügung zu jmds. Gunsten ‘zu jmds. Vorteil’ (15. Jh.) handelt es sich um einen alten, erstarrten Dativ Plur. günstig Adj. ‘wohlgesinnt, wohlwollend, vorteilhaft, passend’, mhd. günstic ‘wohlwollend, gewogen’. begünstigen Vb. ‘bevorzugen, fördern’ (1. Hälfte 16. Jh.). Günstling m. ‘wer bevorzugt wird, in Gunst steht’, gegen Ende des 17. Jhs. aufkommende Verdeutschung von frz. favori, ital. favorito (s. ↗Favorit). Mißgunst f. ‘das Mißgönnen, Neid’ (16. Jh.). Ungunst f. ‘das Ungünstigsein, Unwillen’, vor allem in der Fügung zu jmds. Ungunsten ‘zu jmds. Nachteil’, mhd. ungunst ‘Nichtbegünstigung, Mißgunst, Mißgeschick’, mnd. ungunst, nl. ongunst. ungünstig Adj. ‘nachteilig, schlecht’, mhd. ungunstec, ungunstic ‘mißgünstig, übelwollend, unglücklich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Erbarmen · ↗Gnade · Gunst · ↗Mitleid
Assoziationen
Synonymgruppe
Geneigtheit · ↗Gewogenheit · Gunst · ↗Wohlwollen  ●  ↗Huld  geh., veraltet · Zugewandtheit  geh.
Antonyme
  • Gunst
Synonymgruppe
Gunst · ↗Identifikation · ↗Treue · ↗Zugehörigkeitsgefühl
Synonymgruppe
Gunst · ↗Privileg · ↗Vergünstigung · ↗Vorteil · ↗Vorzug

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anleger Augenblick Benefizkonzert Feldspieler Intervention Koalitionsaussage Kunde Käufer Publikum Stunde Unicef Verbraucher Vorentscheidung Wettlauf Wähler auslegen beeinflussen buhlen entscheiden erfreuen intervenieren konkurrieren manipulieren nutzen verschieben versteigern verzichten verändern werben wetteifern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gunst‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zehn Studenten buhlen dort bei einem Casting um die Gunst des Meisters.
Süddeutsche Zeitung, 03.04.2001
In politischen Systemen wie in China setzt sich eine solche "obrigkeitliche Gunst" schnell in Taten um.
Der Tagesspiegel, 22.01.2001
Inzwischen war aber in Wien zu seinen Gunsten gearbeitet worden.
o. A.: Die Kirche im Zeitalter des Absolutismus und der Aufklärung. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1970], S. 1482
Zwar ist er arglos, geben wir das zu seinen Gunsten zu.
Dürrenmatt, Friedrich: Der Verdacht, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1965 [1953], S. 125
In der Zeit irre man sich um zehn Minuten zu seinen Gunsten.
Stettenheim, Julius: Der moderne Knigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1902], S. 9946
Zitationshilfe
„Gunst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gunst>, abgerufen am 17.09.2019.

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