Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Gunst, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Gunst · wird nur im Singular verwendet
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Gunst‹ als Erstglied: Gunstbeweis · Gunstbezeigung · Gunstbezeugung · Günstling · günstig
 ·  mit ›Gunst‹ als Letztglied: Abgunst · Frauengunst · Fürstengunst · Herrengunst · Missgunst · Publikumsgunst · Ungunst · Volksgunst · Weibergunst · Wählergunst · Zuschauergunst

Bedeutungsübersicht+

  1. 1. Wohlwollen, Gewogenheit
    1. [übertragen] ...
  2. 2. [gehoben] Zeichen des Wohlwollens, Erfüllung einer Bitte
  3. 3. ⟨zu jmds. Gunsten⟩ zu jmds. Vorteil
  4. 4. [veraltet] ⟨mit Gunst⟩ mit Verlaub
eWDG

Bedeutungen

1.
Wohlwollen, Gewogenheit
Beispiele:
jmds. Gunst erlangen, erwerben, gewinnen, genießen
gehobenihrer Gunst teilhaftig werden
sich um jmds. Gunst bemühen
um jmds. Gunst werben
abwertendum jmds. Gunst buhlen
bei jmdm. (sehr, hoch) in Gunst stehen
er erfreute sich der Gunst eines Mäzens
jmds. Gunst verlieren, verscherzen
jmdm. seine Gunst bezeugen, zeigen, entziehen
nach Gunst (= nicht objektiv) urteilen
die Gunst der Frauen, des Publikums
Wem Gott will rechte Gunst erweisen, / Den schickt er in die weite Welt [ EichendorffTaugenichts3,14]
übertragen
Beispiele:
die Gunst des Klimas, der Lage, des Standorts, der Umstände
wir nutzten die Gunst des Augenblicks
2.
gehoben Zeichen des Wohlwollens, Erfüllung einer Bitte
Beispiele:
sie erwirkte die Gunst, den Bruder selbst pflegen zu dürfen
er bat um eine letzte Gunst
sich [Dativ] bei jmdm. eine Gunst ausbitten
jmdm. eine Gunst gewähren
3.
zu jmds. Gunstenzu jmds. Vorteil
Beispiele:
etw. zu jmds. Gunsten auslegen, deuten, zurechtbiegen
sie verrechnet sich stets nur zu ihren Gunsten
die Angelegenheit, das Spiel steht, nimmt eine Wendung zu unseren Gunsten
sie konnten den Dingen eine Wendung zu ihren Gunsten geben
4.
veraltet mit Gunstmit Verlaub
Beispiel:
Das ist, mit seiner Gunst – / erlogen [ LessingNathanV 5]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gunst · günstig · begünstigen · Günstling · Mißgunst · Ungunst · ungünstig
Gunst f. ‘Wohlwollen, Gewogenheit’. Das nur im Dt. und Nl. bezeugte Substantiv mhd. mnd. gunst ‘Gewogenheit, Wohlwollen, Einwilligung, Erlaubnis’, mnl. gonst, gunst, jonst, gonste, nl. gunst ist Verbalabstraktum mit st-Formans zu dem unter gönnen (s. d.) behandelten Verb; vgl. unpräfigiertes ahd. unst ‘Wohlwollen, Dank, Gnadengabe, Erlaubnis’ (9. Jh., abunst ‘Mißgunst, Neid’, 9. Jh.). In der Fügung zu jmds. Gunsten ‘zu jmds. Vorteil’ (15. Jh.) handelt es sich um einen alten, erstarrten Dativ Plur. günstig Adj. ‘wohlgesinnt, wohlwollend, vorteilhaft, passend’, mhd. günstic ‘wohlwollend, gewogen’. begünstigen Vb. ‘bevorzugen, fördern’ (1. Hälfte 16. Jh.). Günstling m. ‘wer bevorzugt wird, in Gunst steht’, gegen Ende des 17. Jhs. aufkommende Verdeutschung von frz. favori, ital. favorito (s. Favorit). Mißgunst f. ‘das Mißgönnen, Neid’ (16. Jh.). Ungunst f. ‘das Ungünstigsein, Unwillen’, vor allem in der Fügung zu jmds. Ungunsten ‘zu jmds. Nachteil’, mhd. ungunst ‘Nichtbegünstigung, Mißgunst, Mißgeschick’, mnd. ungunst, nl. ongunst. ungünstig Adj. ‘nachteilig, schlecht’, mhd. ungunstec, ungunstic ‘mißgünstig, übelwollend, unglücklich’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Erbarmen · Gnade · Gunst · Mitleid
Synonymgruppe
Geneigtheit · Gewogenheit · Gunst · Wohlwollen  ●  Huld  geh., veraltet · Zugewandtheit  geh.
Synonymgruppe
Synonymgruppe

Typische Verbindungen zu ›Gunst‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gunst‹.

Verwendungsbeispiele für ›Gunst‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Aber dann schien sich das Blatt zu unseren Gunsten zu wenden. [Hannover, Heinrich: Die Republik vor Gericht 1975 - 1995, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1999], S. 126]
Heute ist eine wichtige Entscheidung gefallen, ich fürchte, nicht zu unseren Gunsten. [Becker, Jurek: Amanda herzlos, Frankfurt a. M.: Suhrkamp 1993 [1992], S. 330]
Er gewann zwar 1519 ihre Gunst, doch gaben sie ihm nur relativ unbedeutende politische Aufträge. [Hassinger, E.: Machiavelli. In: Die Religion in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1960], S. 24157]
Jedenfalls erfreute sich der junge Beck großer Gunst bei Hofe. [Sondheimer, Robert: Beck. In: Die Musik in Geschichte und Gegenwart, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1951], S. 21172]
Überall in der Welt buhlen Unternehmen um die Gunst des Kapitals. [Die Zeit, 28.03.1997, Nr. 14]
Zitationshilfe
„Gunst“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gunst>.

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