Gymnasium, das

GrammatikSubstantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Gymnasiums · Nominativ Plural: Gymnasien
Aussprache
WorttrennungGym-na-si-um
HerkunftGriechisch → Latein
Wortbildung mit ›Gymnasium‹ als Letztglied: ↗Abendgymnasium · ↗Mädchengymnasium  ·  mit ›Gymnasium‹ als Grundform: ↗Gymnasiast · ↗gymnasial
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
Kollokation:
mit Adjektivattribut: das humanistische, altsprachliche, neusprachliche Gymnasium
a)
zur Hochschulreife führende höhere Schule
Beispiele:
Immer waren die Gymnasien dafür zuständig, gesellschaftliche Eliten zu rekrutieren. [Süddeutsche Zeitung, 30.11.2016]
Ich habe mein Abitur nach acht Jahren auf einem Gymnasium in Thüringen abgelegt. [Spiegel, 22.06.2016 (online)]
In Berlin und Brandenburg dauert die Grundschule in der Regel sechs Jahre, dem Gymnasium bleiben nur sechs Jahre bis zum Abitur […]. [Süddeutsche Zeitung, 30.04.2011]
Anfang 1885 in Kirgisien als Sohn armer Bauern geboren, gelang es ihm unter großen Opfern das Gymnasium zu absolvieren und in Petersburg ein Studium aufzunehmen. [Berliner Zeitung, 10.09.1967]
Nach dem Gutachten des Grundschullehrers wird der handwerklich begabte Schüler auf die Volks- und Berufsschule, der für eine wissenschaftliche Ausbildung Befähigte aufs Gymnasium […] eingeschult werden. [Die Zeit, 04.07.1946, Nr. 20]
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: ein berufliches, grundständiges, achtjähriges, neunjähriges Gymnasium
als Akkusativobjekt: das Gymnasium besuchen, absolvieren
in Präpositionalgruppe/-objekt: Lehrer, Schüler an einem Gymnasium; an einem Gymnasium unterrichten
in Koordination: Gymnasium und Gesamtschule, Hauptschule, Realschule, Berufsschule, Grundschule
als Genitivattribut: eine Klasse, die Oberstufe des Gymnasiums
b)
Gebäude, in dem sich ein Gymnasium (1 a) befindet
Beispiele:
Nur in den alten Stadtvierteln gibt es ähnlich dominante Gebäude […]: das griechische Gymnasium in Fener etwa, ein auf der Hügelkuppe gelegener Backsteinbau. [Süddeutsche Zeitung, 31.12.2015]
Das Gymnasium […] ist frisch renoviert und bunt bemalt, die Klassenzimmer sind mit neuesten Schreibtischen und Computern ausgestattet. [Der Standard, 22.09.2010]
Den Auftrag für den Umbau des Ottobrunner Gymnasiums bekam Architekt Otto Leitner, der die Schule vor 20 Jahren gebaut hatte. [Süddeutsche Zeitung, 26.03.1992]
2.
im Altertum, besonders in Griechenland, Übungs- und Wettkampfanlage zur körperlichen Ertüchtigung (und Ausbildung für den Kampf) der Jugend
Beispiele:
Die Gymnasien waren die Stätten, in denen die vornehme männliche Jugend ihre militärische Ausbildung erhielt, athletische Übungen veranstaltete und allgemein unterrichtet wurde. [Berliner Zeitung, 18.01.1997]
Platon preist in seinem »Phaidros« die seelisch-sinnliche Liebe zwischen Mann und Jüngling, die sich nicht nur im Gymnasium abspielt. [Die Welt, 15.07.2000]
Ohne systematische Leibesübungen im griechischen Gymnasium wäre die Schönheit des griechischen Körpers nicht erreicht worden. [Berliner Tageblatt (Abend-Ausgabe), 05.04.1919]
Gymnasium, bei den alten Griechen Bezeichnung für öffentliche Anlagen, in denen Jünglinge und Männer nackt […] unter Leitung der vom Staate bestellten Gymnasten und Gymnasiarchen ihren Körper ausbildeten, und die allmählich auch zum Sammelplatz des gesamten geistigen Lebens wurden, indem namentlich die Philosophen ihre Vorträge in ihnen zu halten pflegten[…]. [o. A.: G. In: Brockhausʼ Kleines Konversations-Lexikon, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1906], S. 29277]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Gymnasium · Gymnasiast · gymnasial
Gymnasium n. älteste Form der bürgerlichen höheren Schule mit besonderer Pflege der klassischen Sprachen Griechisch und Latein. Lateinschulen im Mittelalter heißen schola und studium. Um 1500 führen Humanisten Gymnasium zur Bezeichnung der über die gewöhnlichen Unterrichtsziele hinausgehenden Lateinschulen ein, eine Bezeichnung, die im 13./14. Jh. Universitäten, besonders in Italien und Frankreich, führen (neben studium generale und universitas). Anfang des 19. Jhs. werden durch Verfügung alle Schulen Gymnasium genannt, die ihre Schüler zur Hochschulreife führen, später nur diejenigen, die vorzugsweise den altsprachlichen Unterricht pflegen. Zugrunde liegt die übertragene Verwendung von griech. gymnásion (γυμνάσιον), lat. gymnasium ‘Versammlungsort der Philosophen und Sophisten’, ursprünglich ein öffentlicher Platz, wo die männliche Jugend, nach griechischer Sitte unbekleidet, Leibesübungen durchführte. Griech. gymnásion ist postverbal zu griech. gymnázesthai (γυμνάζεσθαι) ‘sich nackt (körperlich und geistig) üben’ gebildet, das von griech. gymnós (γυμνός) ‘nackt’ ausgeht (s. ↗Gymnastik und ↗nackt). Gymnasiast m. ‘Schüler eines Gymnasiums’ (um 1700), aus nlat. gymnasiasta (17. Jh.). gymnasial Adj. ‘zum Gymnasium gehörig, am Gymnasium befindlich’ (19. Jh.), latinisierende Ableitung von Gymnasium, besonders in Zusammensetzungen (Gymnasiallehrer, -professor).

Thesaurus

Synonymgruppe
Gymnasium  ●  ↗Oberschule  ugs.
Oberbegriffe
Unterbegriffe
  • Mädchengymnasium  ●  ↗Lyzeum  regional
  • Berufliches Gymnasium · Berufsgymnasium  ●  Fachgymnasium  veraltet
  • neusprachliches Gymnasium · sprachliches Gymnasium
  • Progymnasium · Untergymnasium
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abitur Aula Berufsschule Gesamtschule Grundschule Hauptschule Klasse Kloster Lehramt Lehrer Mittelschule Oberstufe Realschule Schuljahr Schulleiter Schüler Schülerin achtjährig achtstufig altsprachlich besuchen evangelisch grundständig humanistisch musisch neunjährig neusprachlich städtisch unterrichten Übertritt

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Gymnasium‹.

Zitationshilfe
„Gymnasium“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Gymnasium>, abgerufen am 20.11.2019.

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