Hässlichkeit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Hässlichkeit · Nominativ Plural: Hässlichkeiten
Aussprache 
Worttrennung Häss-lich-keit
Wortzerlegung hässlich-keit
Ungültige Schreibung Häßlichkeit
Rechtschreibregeln § 2
Duden GWDS, 1999 und DWDS, 2017

Bedeutungen

1.
a)
hässliches Aussehen
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: abstoßende, monströse Hässlichkeit; [etw. in seiner] ganzen Hässlichkeit
in Präpositionalgruppe/-objekt: Mut zur Hässlichkeit
in Koordination: Schönheit und Hässlichkeit
Beispiele:
Selbstzweifel habe ich ununterbrochen und bin deshalb schüchtern. Ich denke ich bin fett und die Hässlichkeit ist mir ins Gesicht geschrieben. [coanonymous.wordpress.com, 26.05.2016]
Damit wird das Theater mitten in Berlin zu einem großen, leeren Kasten am ohnehin nur mäßig belebten Potsdamer Platz – vielleicht die gerechte Strafe für seelenlose Investorenarchitektur an einem der hässlichsten Plätze der an Hässlichkeiten nicht armen Hauptstadt. [Süddeutsche Zeitung, 26.08.2016]
Das Nachfolgemodell aus Beton, bis 1961 dank großer Spendenfreudigkeit der Berliner errichtet, ist von ausgesuchter Häßlichkeit und hat den einzigen Vorzug, hoch zu sein[…]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 11.02.1993]
Der Betrachter ahnt, daß er bei aller Häßlichkeit eine verehrungswürdige Person vor sich hat. [Busch, Werner: Das sentimentalische Bild, München: Beck 1993, S. 425]
b)
hässliche Gesinnung (als eine sich auf die Mitmenschen übel auswirkende Eigenschaft)
Kollokationen:
mit Genitivattribut: die Hässlichkeit des Lebens, der Welt
Beispiele:
[…] du hast überall Hässlichkeit und Schlechtigkeit gesehen, in jedem Menschen, an jedem Ort. [Neue Zürcher Zeitung, 05.04.2016]
Die Menschenrechte folgen gerade nicht aus der Vorstellung, daß der Mensch ein besonders schönes, liebenswertes Wesen sei, sondern aus der bitteren Erkenntnis, zu welcher Häßlichkeit und Niedrigkeit er jederzeit fähig ist. [Die Zeit, 14.11.1997, Nr. 47]
Gleichzeitig suchte und fand sein abgründiger Argwohn Befriedigung in der Verderbtheit und Häßlichkeit dieser Umwelt […]. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 06.01.1995]
Dies erklärt, warum die Deutschen […] in dem Augenblick, wo sie der nationalistischen Krankheit verfallen, schlechthin unmenschlich werden und eine bestialische Hässlichkeit entwickeln, deren kein anderes Volk fähig ist: Sie, und gerade und nur sie, verlieren durch Nationalismus alles, den Kern ihres menschlichen Wesens, ihrer Existenz, ihres Selbst. [Haffner, Sebastian: Geschichte eines Deutschen, Stuttgart: Dt. Verl.-Anst. 2000 [1939], S. 210]
2.
seltener menschlich unerfreuliche Handlung, gemeine (1) Worte
Beispiele:
Zu den vielen Hässlichkeiten des Brexit‑Wahlkampfs in Großbritannien in den vergangenen Wochen zählte auch das Herbeireden einer »Türken‑Gefahr«. [Der Standard, 23.06.2016]
Er [ein Regisseur] lässt [in seinem Film] zwischen all den Hässlichkeiten der globalisierten, uniformierten Gesellschaft – Ausbeutung, Bauernfängertricks, Mobbing, Sexspiele – Momente von Lust und Freiheit und Freude aufblitzen. [Süddeutsche Zeitung, 25.03.2010]
Ich tyrannisierte sie, sagte ihnen Hässlichkeiten ins Gesicht, war frech – ein kleiner »Herrenmensch« […]. [Alexander Granach, Da geht ein Mensch: Leck: btb Verlag 2007, S. 219]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haß · hassen · häßlich · Häßlichkeit
Haß m. ‘von Feindseligkeit, von leidenschaftlicher Abneigung getragene Gesinnung’, ahd. (8. Jh.), mhd. haʒ ‘Groll, Feindschaft’, asächs. heti ‘Feindschaft, Verfolgung’, mnd. hāt(e), mnl. hāte (daneben hat), nl. haat, aengl. hete, engl. hate, anord. hatr, schwed. hat, got. hatis ‘Haß, Zorn’ ist ein alter es/os-Stamm, der mit (ablautendem) asächs. hōti ‘feindlich, erzürnt’ und mit außergerm. Verwandten griech. kḗdos (κῆδος), (dor.) kā́dos (κᾶδος) ‘Sorge, Trauer, Leichenbestattung, Verschwägerung, Verwandtschaft’, osk. cadeis (Genitiv) ‘Feindschaft’, mir. caiss, kymr. cas ‘Haß’ sowie mit awest. sādra- ‘Leid, Qual’ auf die Wurzel ie. *k̑ād-, *k̑əd- ‘seelische Verstimmung, Kummer, Haß, Sorge, Leid’ zurückzuführen ist. hassen Vb. ‘Haß empfinden’, ahd. haʒʒēn (8. Jh.), haʒʒōn (9. Jh.), mhd. haʒʒen, asächs. haton, mnd. mnl. hāten, nl. haten, aengl. hatian, engl. to hate, anord. schwed. hata, got. hatan. Im Germ. bedeutet das Verb auch ‘verfolgen’, das Substantiv entsprechend ‘Verfolgung’. S. dazu das Kausativum ↗hetzen, eigentlich ‘hassen machen, zur Verfolgung bringen’, und zugehöriges Hatz. Für das Germ. ist also eine Ausgangsbedeutung ‘feindselige Verfolgung’ bzw. ‘verfolgen’ anzusetzen. häßlich Adj. ‘unschön, abstoßend, gemein, armselig’; ahd. haʒlīh (Hs. 12. Jh.), mhd. haʒ(ʒe)lich, heʒ(ʒe)lich, asächs. hetilīk, aengl. hetelic bedeuten ‘Haß erregend, feindselig’. Über ‘hassenswert, verhaßt’ wird häßlich in frühnhd. Zeit zum Gegenwort von schön umgedeutet. Häßlichkeit f. ‘unschönes Aussehen’, spätmhd. heʒlichkeit ‘Haß, Abscheu’ (14. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abscheulichkeit · Ekligkeit · Grauslichkeit · ↗Grässlichkeit · Hässlichkeit · ↗Scheußlichkeit · Unschönheit
Zitationshilfe
„Hässlichkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/H%C3%A4sslichkeit>, abgerufen am 25.11.2020.

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