Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Höflichkeit, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Höflichkeit · Nominativ Plural: Höflichkeiten
Aussprache 
Worttrennung Höf-lich-keit
Wortzerlegung höflich -keit
Wortbildung  mit ›Höflichkeit‹ als Erstglied: Höflichkeitsbesuch · Höflichkeitsbezeigung · Höflichkeitsfloskel · Höflichkeitsformel · Höflichkeitsphrase · höflichkeitshalber
eWDG

Bedeutungen

1.
liebenswürdiges Benehmen, Zuvorkommenheit, Wohlerzogenheit
Grammatik: meist im Singular
in gegensätzlicher Bedeutung zu Unhöflichkeit
Beispiele:
etw. mit größter Höflichkeit sagen
jmdn. mit ausgesuchter, gemessener, feierlicher Höflichkeit empfangen, behandeln
jmdn. mit äußerster, zuvorkommender Höflichkeit anreden, bedienen
jmdn. mit verbindlicher, eisiger Höflichkeit begrüßen
jmdm. alle, jede Höflichkeit erweisen
etw. (nur) aus Höflichkeit tun
umgangssprachlich, scherzhaftdarüber schweigt des Sängers Höflichkeit! (= darüber spricht man nicht!)
2.
höfliche, oft leere Redensart
Grammatik: meist im Plural
Beispiele:
Höflichkeiten austauschen
jmdm. einige Höflichkeiten sagen
(nur) leere, nichtssagende Höflichkeiten wechseln
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hof · Gehöft · hofieren · höfisch · höflich · Höflichkeit · Höfling · Hofmeister · Hofnarr
Hof m. ‘in einen Wohnkomplex einbezogener eingezäunter Platz, bäuerliches Anwesen, fürstliche Residenz, fürstliches Gefolge und Milieu’, ahd. (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. mnl. nl. aengl. hof können der unter Hobel (s. d.) behandelten Labialerweiterung ie. *keup-, *kūp- der Wurzel ie. *keu-, *keu̯ə- ‘biegen, Wölbung, Höhlung’ zugeordnet werden; dann würde Verwandtschaft mit Hübel ebenso wie mit Hügel, hoch (s. d.) und den dort genannten Wörtern bestehen. Der inhaltliche Bezug zur genannten Wurzel ließe sich aus der Vorstellung eines auf erhöhtem Gelände, auf einer Anhöhe gelegenen Anwesens erklären, wofür Parallelen wie norw. hov ‘Hügel’, anord. hof ‘Tempel’ sprechen. Vertreten wird auch die Vermutung, daß die aus Lehm und Flechtwerk errichtete Wand eines Gebäudes oder einer Einhegung um den Wohnkomplex, also eine Wurzelbedeutung ‘biegen, flechten; umhegter, umzäunter Raum’ als Ausgangspunkt zu betrachten sei (vgl. de Vries Nl. 261). Die bereits im Ahd. und Asächs. nachzuweisende und bei mhd. hof deutlich hervortretende Verwendung im Sinne von ‘Fürstenresidenz, fürstlicher Hofstaat’, an die die meisten Komposita und Ableitungen anknüpfen, entwickelt sich unter dem Einfluß von gleichbed. afrz. cort (frz. cour), mlat. cortis, curtis. Gehöft n. ‘bäuerliches Anwesen, ländlicher Gebäudekomplex’, frühnhd. (md.) gehofte (15. Jh.), dann Gehöfte, Gehöfde; Kollektivbildung zu Hof. hofieren Vb. ‘jmdn. mit Galanterie, übertriebener Liebenswürdigkeit behandeln, sich mit Höflichkeit und Dienstbeflissenheit um jmds. Gunst bemühen’ (vgl. jmdm. den Hof machen), mhd. hovieren, hofieren, auch ‘in festlicher Geselligkeit sich erfreuen, aufwarten, musizieren, einherstolzieren’. höfisch Adj. ‘zum Hof (eines Fürsten) gehörig, den Fürstenhof betreffend’, mhd. hövesch, hövisch ‘hofgemäß, fein, gesittet, unterhaltend’, entsprechend afrz. corteis, cortois (frz. courtois); s. auch hübsch. höflich Adj. ‘zuvorkommend, aufmerksam, gute Umgangsformen beweisend’, mhd. hovelich ‘dem Hof angemessen, fein gebildet’; Höflichkeit f. ‘guter Umgangston, Zuvorkommenheit’, mhd. hovelecheit. Höfling m. ‘Angehöriger eines fürstlichen Hofstaats, Fürstendiener’, mhd. hovelinc. Hofmeister m. ‘Verwalter, Aufseher über Dienerschaft und Hofhaltung eines Fürsten, Erzieher (in einem vornehmen Hause)’, mhd. hovemeister. Hofnarr m. ‘Spaßmacher, Unterhalter an einem Fürstenhof’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(eine) gute Erziehung genossen haben · (eine) gute Kinderstube (genossen haben) · (sich) zu benehmen wissen · Anstand · Benehmen · Benimm · Chic · Etikette · Höflichkeit · Manieren · Schliff · Stil · Umgangsform · Umgangsformen · feine Sitte · gut erzogen · gute Umgangsformen · gutes Benehmen · gutes Betragen  ●  Galanterie  geh.
Oberbegriffe
  • handlungsleitende Norm(en)
  • gesellschaftliche Norm · soziale Norm · soziales Skript

Typische Verbindungen zu ›Höflichkeit‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Höflichkeit‹.

Verwendungsbeispiele für ›Höflichkeit‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wo muß denn nun diese vielzitierte Höflichkeit, das gute Benehmen beginnen? [Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1972 [1968], S. 18]
Mit korrekter Höflichkeit allein aber ist es auch hier nicht getan. [Oheim, Gertrud: Einmaleins des guten Tons, Gütersloh: Bertelsmann 1957 [1955], S. 149]
Und vielleicht machte sich nun auch die sparsame Höflichkeit, mit der man seine Kunden behandelte, bemerkbar. [Brigitte, 1952, Nr. 23]
Mit der westlichen Höflichkeit scheint es in der Tat hier nicht weit her zu sein! [Kaim, Julius R.: Ka-de-O. In: Gelbe Post, 01.05.1939, S. 1]
Dennoch sollten wir uns mühen, von einer gewissen gleichbleibenden Höflichkeit zu sein. [Dänhardt, Reimar: Fein oder nicht fein, Berlin: Deutscher Militärverl. 1972 [1968], S. 195]
Zitationshilfe
„Höflichkeit“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/H%C3%B6flichkeit>.

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