Höfling, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Höflings · Nominativ Plural: Höflinge
Aussprache 
Worttrennung Höf-ling
Wortzerlegung  Hof -ling
eWDG

Bedeutung

historisch Angehöriger der Hofgesellschaft, des Hofstaates
Beispiel:
die Höflinge versammelten sich im Thronsaal, verneigten sich tief vor der Königin
abwertend Fürstendiener, Hofschranze
Beispiele:
intrigante, ränkeschmiedende Höflinge
jeder kommunalen Selbständigkeit entkleidet, wurden sie [die Städte] von kriechenden Höflingen, servilen Beamten ... überschwemmt [ MehringDt. Geschichte74]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hof · Gehöft · hofieren · höfisch · höflich · Höflichkeit · Höfling · Hofmeister · Hofnarr
Hof m. ‘in einen Wohnkomplex einbezogener eingezäunter Platz, bäuerliches Anwesen, fürstliche Residenz, fürstliches Gefolge und Milieu’, ahd. (9. Jh.), mhd. asächs. mnd. mnl. nl. aengl. hof können der unter Hobel (s. d.) behandelten Labialerweiterung ie. *keup-, *kūp- der Wurzel ie. *keu-, *keu̯ə- ‘biegen, Wölbung, Höhlung’ zugeordnet werden; dann würde Verwandtschaft mit Hübel ebenso wie mit Hügel, hoch (s. d.) und den dort genannten Wörtern bestehen. Der inhaltliche Bezug zur genannten Wurzel ließe sich aus der Vorstellung eines auf erhöhtem Gelände, auf einer Anhöhe gelegenen Anwesens erklären, wofür Parallelen wie norw. hov ‘Hügel’, anord. hof ‘Tempel’ sprechen. Vertreten wird auch die Vermutung, daß die aus Lehm und Flechtwerk errichtete Wand eines Gebäudes oder einer Einhegung um den Wohnkomplex, also eine Wurzelbedeutung ‘biegen, flechten; umhegter, umzäunter Raum’ als Ausgangspunkt zu betrachten sei (vgl. de Vries Nl. 261). Die bereits im Ahd. und Asächs. nachzuweisende und bei mhd. hof deutlich hervortretende Verwendung im Sinne von ‘Fürstenresidenz, fürstlicher Hofstaat’, an die die meisten Komposita und Ableitungen anknüpfen, entwickelt sich unter dem Einfluß von gleichbed. afrz. cort (frz. cour), mlat. cortis, curtis. Gehöft n. ‘bäuerliches Anwesen, ländlicher Gebäudekomplex’, frühnhd. (md.) gehofte (15. Jh.), dann Gehöfte, Gehöfde; Kollektivbildung zu Hof. hofieren Vb. ‘jmdn. mit Galanterie, übertriebener Liebenswürdigkeit behandeln, sich mit Höflichkeit und Dienstbeflissenheit um jmds. Gunst bemühen’ (vgl. jmdm. den Hof machen), mhd. hovieren, hofieren, auch ‘in festlicher Geselligkeit sich erfreuen, aufwarten, musizieren, einherstolzieren’. höfisch Adj. ‘zum Hof (eines Fürsten) gehörig, den Fürstenhof betreffend’, mhd. hövesch, hövisch ‘hofgemäß, fein, gesittet, unterhaltend’, entsprechend afrz. corteis, cortois (frz. courtois); s. auch hübsch. höflich Adj. ‘zuvorkommend, aufmerksam, gute Umgangsformen beweisend’, mhd. hovelich ‘dem Hof angemessen, fein gebildet’; Höflichkeit f. ‘guter Umgangston, Zuvorkommenheit’, mhd. hovelecheit. Höfling m. ‘Angehöriger eines fürstlichen Hofstaats, Fürstendiener’, mhd. hovelinc. Hofmeister m. ‘Verwalter, Aufseher über Dienerschaft und Hofhaltung eines Fürsten, Erzieher (in einem vornehmen Hause)’, mhd. hovemeister. Hofnarr m. ‘Spaßmacher, Unterhalter an einem Fürstenhof’ (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
(im) Schlepptau · Anhang · Begleitperson · Begleitung · Entourage · Eskorte · Gefolge (eines Prominenten) · Gefolgschaft · Gefolgsleute · Tross  ●  Hofstaat  veraltet, ironisch · (jemandes) Jungs  ugs. · (jemandes) Leute  ugs. · (jemandes) Mädels  ugs. · Hofschranze  geh., veraltet · Höfling  geh., veraltet · Schranze  geh., veraltet
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Höfling‹

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Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Höfling‹.

Verwendungsbeispiele für ›Höfling‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Zwar hätten einige Höflinge versucht, die Queen zum Fest versöhnlich zu stimmen, doch ohne Erfolg.
Süddeutsche Zeitung, 13.12.1999
Die Höflinge sind mächtig, und sie unterliegen den Gesetzen der Macht.
Commer, Heinrich: Managerknigge. In: Zillig, Werner (Hg.) Gutes Benehmen, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1985], S. 8909
Die Höflinge redeten von einem Opferfest - sämtliche Christen würden geopfert werden.
Stucken, Eduard: Die weißen Götter, Stuttgart: Stuttgarter Hausbücherei [1960] [1919], S. 294
Das bestimmte diesen eitlen, geistig beschränkten und geltungssüchtigen Höfling aber nicht, sich zurückzuhalten.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 21679
Auch die kriecherischen und brutalen Höflinge im Stück erinnerten an reale Vorbilder in Württemberg.
Safranski, Rüdiger: Friedrich Schiller, München Wien: Carl Hanser 2004, S. 163
Zitationshilfe
„Höfling“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/H%C3%B6fling>, abgerufen am 03.08.2021.

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