Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Haar, das

Grammatik Substantiv (Neutrum) · Genitiv Singular: Haar(e)s · Nominativ Plural: Haare
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Haar‹ als Erstglied: Haaransatz · Haarausfall · Haarbahn · Haarbalg · Haarband · Haarbau · Haarbesen · Haarbeutel · Haarboden · Haarbogen · Haarbreite · Haarbusch · Haarbürste · Haarbüschel · Haarclip · Haardecke · Haardutt · Haarentferner · Haarersatz · Haaresbreite · Haarfarbe · Haarfestiger · Haarfilz · Haarflechte · Haarflut · Haarfranse · Haarfrisur · Haarfärbemittel · Haargarn · Haargeflecht · Haargefäß · Haargel · Haarglanz · Haargummi · Haargurke · Haarklammer · Haarkleid · Haarklemme · Haarknoten · Haarkosmetik · Haarkrankheit · Haarkranz · Haarkringel · Haarkünstler · Haarlack · Haarling · Haarlocke · Haarmasche · Haarmensch · Haarmode · Haarnadel · Haarnetz · Haarpfeil · Haarpflege · Haarpflegemittel · Haarpinsel · Haarpracht · Haarprobe · Haarpuder · Haarraubwild · Haarreif · Haarriss · Haarschere · Haarschleife · Haarschmuck · Haarschnecke · Haarschneidemaschine · Haarschneider · Haarschnitt · Haarschopf · Haarschwund · Haarseite · Haarsieb · Haarspalter · Haarspange · Haarspitze · Haarspray · Haarstoppel · Haarstrang · Haarstrich · Haarsträhne · Haartolle · Haartour · Haartracht · Haartransplantation · Haartrockner · Haarturm · Haarverpflanzung · Haarwachs · Haarwasser · Haarwelle · Haarwerk · Haarwickel · Haarwild · Haarwirbel · Haarwuchs · Haarwurzel · Haarzelle · Haarzopf · Haarzwiebel · Haaröl · Härchen · Härlein · haarbreit · haardünn · haarfein · haargenau · haarig · haarklein · haarlos · haarscharf · haarsträubend · haarähnlich
 ·  mit ›Haar‹ als Letztglied: Abfallhaar · Achselhaar · Balghaar · Barthaar · Blondhaar · Borstenhaar · Braunhaar · Brusthaar · Bürstenhaar · Dachshaar · Deckhaar · Drahthaar · Eigenhaar · Engelhaar · Engelshaar · Flachshaar · Flaumhaar · Frauenhaar · Goldhaar · Grannenhaar · Haupthaar · Kamelhaar · Katzenhaar · Kopfhaar · Kraushaar · Kunsthaar · Kurzhaar · Langhaar · Nackenhaar · Nasenhaar · Oberhaar · Pferdehaar · Rinderhaar · Ringelhaar · Rosshaar · Rückenhaar · Schamhaar · Schläfenhaar · Schnurrbarthaar · Schnurrhaar · Seidenhaar · Silberhaar · Stoppelhaar · Strubbelhaar · Tierhaar · Unterhaar · Wimperhaar · Wimpernhaar · Zottelhaar · Zweithaar
 ·  mit ›Haar‹ als Binnenglied: Langhaarfrisur · Rauhaardackel · langhaarig
eWDG

Bedeutungen

1.
fadenförmiges, biegsames, elastisches Horngebilde, das in der Oberhaut von Mensch und Tier wurzelt
Beispiele:
ein Haar durch das Mikroskop betrachten
ein blondes Haar am Mantel
jmdm. ein Haar vom Kleid nehmen
sich [Dativ] viele Haare auskämmen,
sich [Dativ] ein graues Haar ausreißen
einige Haare gucken unter der Mütze hervor, hängen ins Gesicht
bildlich
Beispiele:
jmds. Leben, das Gelingen hängt an einem Haar (= ist sehr gefährdet)
umgangssprachlichmehr Schulden als Haare auf dem Kopf haben (= sehr viele Schulden haben)
umgangssprachlichein Haar in etw., in der Suppe finden (= etw. auszusetzen haben)
kein gutes Haar (= nichts Gutes) an jmdm., etw. lassen
darüber, deswegen brauchst du dir kein graues Haar, keine grauen Haare wachsen zu lassen (= darüber brauchst du dir keine Sorgen zu machen, dich nicht zu grämen)
darüber könnte, kann man graue Haare kriegen (= das macht einem großen Kummer)
sie hat Haare auf den Zähnen (= weiß sich zu wehren, verteidigt ihr Recht hartnäckig)
jmdm. kein Haar, Härchen krümmen können (= jmdm. nicht das Geringste zuleide tun können)
Beispiel:
er kann niemandem ein Haar krümmen
Haare lassen (müssen) (= nicht ohne Schaden davonkommen)
Beispiele:
bei diesem Geschäft hat er Haare gelassen
bei den Spekulationen musste er Haare lassen
übertragen
auf ein, aufs Haar (= sehr genau)
Beispiel:
die Zwillinge gleichen sich aufs Haar
um, auf ein Haar (= beinahe)
Beispiele:
um ein Haar wäre ein Unglück geschehen
auf ein Haar hätten wir den Zug verpasst
nicht um ein Haar (= nicht im geringsten) von etw. abgehen
2.
Haar, HaareGesamtheit von 1, alle Haare, besonders die des menschlichen Kopfes
Beispiele:
er, sie hat blondes, (kastanien)braunes, brünettes, schwarzes, rotes, graues, graumeliertes, (schnee)weißes Haar
dickes, volles, schweres, starkes, hartes, dünnes, feines, weiches, schütteres, langes, kurzes Haar
glattes, krauses, lockiges, gewelltes, gelocktes, glänzendes, seidiges, stumpfes, starres Haar
strähniges, fettiges, trockenes, zottliges, zerzaustes, struppiges, schmutziges Haar
schönes, gepflegtes Haar
abgeschnittenes Haar wird aufgekauft
eine Puppe mit echtem Haar
sie trägt ihr Haar lang, kurz, offen, in einem Knoten, (in der Mitte) gescheitelt
(jmdm.) das Haar, die Haare kämmen, überkämmen, zurückkämmen, hochkämmen, bürsten, in Ordnung bringen
(sich) [Dativ] das Haar, die Haare kämmen, überkämmen, zurückkämmen, hochkämmen, bürsten, in Ordnung bringen
umgangssprachlich(jmdm.) das Haar, die Haare machen
umgangssprachlich(sich) [Dativ] das Haar, die Haare machen
das Haar, die Haare waschen, spülen, einrollen, föhnen, trocknen
jmdm. das Haar, die Haare (ab)schneiden, frisieren, legen, toupieren
sich [Dativ] das Haar, die Haare tönen, färben, blondieren, bleichen, lacken lassen
ich lasse (mir) das Haar, die Haare wachsen
mein Haar wächst (nach), bricht (ab)
meine Haare wachsen schnell, langsam, fetten leicht, fallen mir ins Gesicht, fliegen im Wind
meine Haare fallen aus, gehen aus, werden dünn
jmdm. (freundlich lächelnd) mit der Hand über das Haar streichen
sich [Dativ] aus Nervosität durch das Haar fahren
die Kinder trugen Kränze im Haar
Mit fliegendem Haar und erhitzten Gesichtern liefen gerade die vorbei, die es noch nicht gewohnt waren, zu spät zu kommen [ BöllHaus207]
das Haar war zu einem griechischen Knoten geschlungen [ MusilMann95]
sie kämmt ihr goldenes Haar [ HeineIch weiß nicht]
bildlich
Beispiel:
saloppder frisst mir noch die Haare vom Kopf (= der isst so viel, dass ich arm werde)
umgangssprachlich, bildlich etw. an den Haaren herbeiziehen (= etw. heranziehen, was nicht unmittelbar zur Sache gehört)
Beispiele:
der Redner hat diesen Vergleich, die Beispiele an den Haaren herbeigezogen
das Argument, die Ausrede ist an den Haaren herbeigezogen
jmdm. stehen (vor Angst, Schreck) die Haare zu Berge
jmdm. sträubt sich das Haar, sträuben sich die Haare (= jmd. ist sehr entsetzt)
Beispiel:
wenn ich diese Schwindeleien, diesen Unsinn höre, sträuben sich mir die Haare
übertrieben man möchte sich [Dativ] (vor Verzweiflung, Wut) die Haare ausreißen, ausraufen (= man ist sehr verzweifelt, wütend)
Beispiel:
ich könnte mir die Haare ausreißen!
umgangssprachlich sich, einander in die Haare geraten, sich in den Haaren liegen (= sich streiten)
Beispiele:
die drei sind sich ernstlich in die Haare geraten
ich war dabei, als sie sich in die Haare gerieten
umgangssprachlich mit Haut und Haar, Haut und Haaren (= ganz und gar)
Beispiel:
jmdm. mit Haut und Haaren ausgeliefert, verfallen sein
Dieses Wort ist Teil des Wortschatzes für das Goethe-Zertifikat A1.
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haar · haaren · haarig · haarscharf · Haarspalterei
Haar n. beim Menschen und bei den meisten Säugetieren auf der Haut wachsendes fadenförmiges, biegsames Horngebilde, Gesamtheit der Haare auf dem Kopf des Menschen, ahd. (8. Jh.), mhd. asächs. mnd. hār, mnl. haer, nl. haar, aengl. hǣr, hēr, engl. hair, anord. hār, schwed. hår (germ. *hēra-), Herkunft ungewiß. Man versucht, die germ. Formen als dehnstufige Bildungen mit lit. šerỹs ‘Borste, (Tier)haar’, aruss. sьrstь, serestь ‘Wollstoff’, russ. šerst’ (шерсть) ‘Wolle’ zu verbinden und an die Wurzel ie. *k̑er(s)- ‘Borste, steifes Haar; starren, rauh und kratzig sein’ anzuschließen. haaren Vb. ‘Haare verlieren’, frühnhd. haren ‘die Haare ausraufen’ (Anfang 16. Jh.). haarig Adj. ‘behaart’, älter auch (da starker Haarwuchs als Zeichen der Kraft und Stärke gilt) ‘stark, kräftig, ungeheuerlich, Kraft erfordernd’ (15. Jh.). haarscharf Adj. ‘sehr scharf, genau’ (18. Jh.). Haarspalterei f. ‘Spitzfindigkeit’ (19. Jh.); vgl. in vier teil ein härlin spalten (16. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Haar · Haare · Haarpracht · Haarschopf · Haartracht · Haupthaar · Kopfbehaarung · Kopfhaar · Mähne · Schopf  ●  Fell  ugs. · Matte  ugs. · Pelz  ugs. · Wolle  ugs.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Haar‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Haar‹.

Verwendungsbeispiele für ›Haar‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wer wollte, konnte sich den Bart scheren oder die Haare auf modische Länge schneiden lassen. [Fresenius, Hanna: Sauna, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1987 [1974], S. 18]
Man kann einen erwachsenen Mann dazu zwingen, sich die Haare zu stutzen. [Schulz, Johannes: Erziehung zum Untertan. In: Haug, Hans-Jürgen u. Maessen, Hubert (Hgg.) Kriegsdienstverweigerer - Gegen die Militarisierung der Gesellschaft, Frankfurt a. M.: Fischer 1971, S. 24]
Der Wind, der schneidend über den weiten Platz wehte, zerrte an seinen langen schwarzen Haaren. [Neue deutsche Literatur, 1953, Nr. 2, Bd. 1]
Um 1900 nahmen die Haare jedoch erneut große ballonartige Formen an. [o. A.: Lexikon der Kunst - H. In: Olbrich, Harald (Hg.), Lexikon der Kunst, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1991], S. 9875]
Mit kurzen Bewegungen winkt die junge Frau mit den langen dunklen Haaren nach links. [Die Zeit, 10.02.2000, Nr. 7]
Zitationshilfe
„Haar“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Haar>.

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