Haft, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Haft · wird nur im Singular verwendet
Aussprache  [haft]
Wortbildung  mit ›Haft‹ als Erstglied: Haftanstalt · Haftbedingung1 · Haftbefehl · Haftbeschwerde · Haftbrief · Haftentlassene · Haftentlassung · Haftentschädigung · Haftgrund · Haftlokal · Haftnotiz2 · Haftplatz · Haftraum · Haftrichter · Haftstrafe · Haftunterbrechung · Hafturlaub · Haftverschonung · Haftzeit · haftfähig1 · haftunfähig
 ·  mit ›Haft‹ als Letztglied: Abschiebehaft · Auslieferungshaft · Beugehaft · Bunkerhaft · Dunkelhaft · Einzelhaft · Festungshaft · Gemeinschaftshaft · Isolationshaft · Isolierhaft · Kerkerhaft · Lagerhaft · Ordnungshaft · Schutzhaft · Sippenhaft · Strafhaft · Untersuchungshaft · Zellenhaft · Zimmerhaft · Zwangshaft
 ·  mit ›Haft‹ als Binnenglied: Inhaftnahme  ·  formal verwandt mit: enthaften · inhaftieren
ZDL-Vollartikel

Bedeutungen

1.
meist offiziell, vor allem als Strafe oder für die Dauer der Strafverfolgung angeordnete Festhaltung eines Menschen in einem Gefängnis o. Ä.
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine verschärfte, vorbeugende Haft
in Präpositionalgruppe/-objekt: jmdn. in Haft nehmen, setzen (= verhaften), (be)halten; in Haft sein, bleiben; sich in Haft befinden; [eine Nacht, zwei, drei Jahre usw.] in Haft verbringen; aus der Haft entlassen werden, freikommen; von der Haft verschont werden
hat Präpositionalgruppe/-objekt: Haft in einem Arbeitslager, Straflager, Zuchthaus, mit Sicherheitsverwahrung
Beispiele:
1993 – Der Bundesgerichtshof erkennt in einem Urteil erstmals den Anspruch auf Schmerzensgeld für rechtswidrig erlittene Haft an. [Die Zeit, 28.04.2013 (online)]
Susi war während der Haft Ulis größte Stütze. [Welt am Sonntag, 10.11.2019]
Gegen mich wurde nie Anklage erhoben. Offiziell war ich auch nie in Haft, nur unter Arrest. Das alles ist nirgends dokumentiert. [Süddeutsche Zeitung, 05.08.2015]
Zum Jahresende 1999 sind zwei Drittel seiner Haft (= Haftdauer) abgelaufen, so daß die Strafvollstreckungskammer ihm dann die restliche Zeit auf Bewährung erlassen könnte. [Frankfurter Allgemeine Zeitung, 07.10.1998]
Zehntausende von Männern und Frauen, durch jahrelange Haft entkräftet, krank und zerlumpt, bevölkern die Landstraßen, um nach ihrer Befreiung zu ihren Angehörigen zu eilen. [Berliner Zeitung, 30.06.1945]
2.
Strafe in Form einer Haft (1)
Synonym zu Haftstrafe, Freiheitsstrafe, siehe auch Gefängnis (2)
Kollokationen:
mit Adjektivattribut: eine lebenslange, mehrjährige, bedingte (= auf Bewährung ausgesetzte), unbedingte (= sofort anzutretende) Haft
als Akkusativobjekt: eine Haft antreten, absitzen, verbüßen; [zwei Jahre o. Ä.] Haft beantragen, fordern, verhängen
als Aktivsubjekt: jmdm. drohen [zwei, drei Jahre usw.] Haft
als Passivsubjekt: die Haft wird [auf Bewährung] ausgesetzt, [in eine Bewährungsstrafe] umgewandelt
in Präpositionalgruppe/-objekt: zu [zwei, drei Jahren usw.] Haft verurteilt werden
Beispiele:
In erster Instanz bekam F. [wegen fahrlässiger Tötung durch überhöhte Geschwindigkeit] zwei Jahre Haft und sollte seinen Führerschein verlieren. [Bild, 26.10.2019]
Staatsanwältin Juliane T[…] forderte neun Monate Haft auf Bewährung sowie 100 Arbeitsstunden. ABER: Richter Jan Willem B[…] verurteilte S. wegen Beihilfe zum Betrug nur zu 2.250 Euro Geldstrafe. [Bild, 18.10.2019]
Dafür wurde sie bestraft. Drei Jahre Haft, zehn Monate musste sie absitzen. [Süddeutsche Zeitung, 28.09.2018]
Er wurde zu neun Monaten bedingter Haft verurteilt, die Probezeit (= Bewährung) […] beträgt drei Jahre. [Der Standard, 18.06.2014]
Das Militärgericht verurteilte die Angeklagten […] zu je 25 Jahren Haft in Arbeitslagern. [Berliner Zeitung, 14.09.1948]
3.
selten, gehoben, veraltend, übertragen Zustand der engen Verbundenheit, des Verhaftetseins
siehe auch Verhaftung (3)
Beispiele:
Von dem damaligen Willen, sich aus der Haft seiner engen Vaterstadt [Lübeck] zu lösen, sprach er noch im hohen Alter[…] und zweifellos ist der hastige Aufbruch aus der ummauerten Heimat im Herbst 1893 als ein Akt heftigen Protestes zu verstehen. [Schröter, Klaus: Thomas Mann. Hamburg: rowohlt e-Book 2005]
Wir haben es soeben abermals angedeutet: das Ding hätte überhaupt nicht »erscheinen« können und wäre folglich auch nicht erfaßt und begriffen worden ohne die Wirklichkeit jenes Bildes, das aus der Haft der Dinglichkeit wieder zu lösen nur dem Dichter und bisweilen dem Seher gelingt und auch ihnen nur in den seltenen Augenblicken besinnungentrückter Liebe. [Klages, Ludwig: Der Geist als Widersacher der Seele. 3. Band, Teil 2. Leipzig: Barth 1932, S. 1256]
Verfällt man auch auf der Gebirgsreise wieder in die Haft des modernen Kulturmenschen und eilt von Gasthaus zu Gasthaus, so bleibt der Natur keine Zeit, ihre heilende Wirkung auszuüben, und man kehrt müde und überanstrengt heim. [Die Landfrau, 13.06.1925]

letzte Änderung:

Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haft1 · Haftel · Heftel · Haft2 · Haftbefehl · haften · Haftung · verhaften · Verhaftung · verhaftet · inhaftieren
Haft1 f. ‘polizeilicher Gewahrsam, Gefangenschaft’. Auf das Westgerm. beschränkt sind die Feminina mhd. haft ‘Fesselung, Gefangenschaft, Befestigung’ (frühnhd. auch ‘Beschlagnahme’), mnd. hacht ‘Anspruch, Berechtigung, Haft’, wohl auch aengl. hæft ‘Gefangennahme, Haft’ und ahd. hafta ‘Verknüpfung, Griff, Gefangennahme’ (9. Jh.), mhd. hafte ‘Verknüpfung, Haft, Verwahrung, Hindernis’, mnd. hacht(e), hafte ‘Gefängnis, Haft’, anfrk. hafta ‘Gefangenschaft’, mnl. hachte ‘Gefangenschaft, Gefahr, schwierige Lage’. Daneben kennt das Germ. ein in den Verwendungen sich mit den Feminina vermischendes maskulines und neutrales Substantiv ahd. haft m. n. ‘Band, Fessel, Gefangenschaft’ (9. Jh.), mhd. haft m. ‘Band, Fessel, Knoten, Halt’ (spätmhd. auch ‘Bürgschaft’), nhd. Haft m. ‘Verbindung, Naht, Fessel, Haltevorrichtung’ (bis ins 18. Jh., vgl. dazu das Deminutivum mhd. haftel, haftelīn, heftel, heftelīn, obd. Haftel, omd. Heftel n. ‘Verschluß aus Haken und Öse’), aengl. hæft m. ‘Band, Fessel, Gefangenschaft’, anord. hapt n. ‘Fessel’ sowie ein Maskulinum mhd. haft, aengl. hæft, anord. haptr ‘Gefangener’, das sich zum Adjektiv ahd. (9. Jh.), mhd. haft ‘gebunden, gefangen’ (s. -haft) stellt. Alle diese nominalen Bildungen (und weiterhin die bei Heft1 angegebenen germ. Formen, s. d.) weisen die auch für heben und haben (s. d.) vorauszusetzende Wurzel ie. *kap- auf; sie bewahren (im Unterschied zu den genannten Verben) deren ursprüngliche Bedeutung ‘fassen’ (vgl. lat. capere ‘nehmen, fassen, ergreifen’, captīvus ‘gefangen, erbeutet’). Wohl ebenfalls an diese Gruppe anzuschließen (vielleicht als Rückbildung aus dem Verb haften, s. unten) ist der Insektenname Haft2 m. n. ‘Eintagsfliege’ (18. Jh., vgl. gleichbed. nl. haft, haf n., 17. Jh.), dessen Pluralform Hafte von Oken in die dt. zoologische Fachsprache übernommen wird (s. Eintagsfliege). Eine junge Zusammensetzung mit nhd. Haft f. ‘polizeilicher Gewahrsam’ ist Haftbefehl m. ‘schriftliche richterliche Verfügung, eine Person zu verhaften’ (2. Hälfte 19. Jh.) für älteres Haftbrief (16. Jh.). haften Vb. ‘fest an einem Gegenstand hängen, kleben’, in der Fügung für etw., jmdn. haften ‘bürgen, einstehen, verantwortlich sein’, ahd. haftēn ‘hängen, kleben, festhalten, zugeordnet, verbunden sein’ (9. Jh.), mhd. haften ‘befestigt sein, anhängen, zugehören’, asächs. hafton ‘haften’, mnd. haften, hachten, mnl. hachten ‘haften, befestigen, gefangennehmen’ (mnd. auch ‘bürgen’). Das Verb basiert wie das unter heften (s. d.) dargestellte, anders abgeleitete gemeingerm. Faktitiv auf dem in ahd. haft ‘gebunden, gefangen’ vorliegenden germ. Adjektiv (s. -haft). Seit Mitte des 14. Jhs. ist der vor allem rechtssprachliche Gebrauch im Sinne von ‘bürgen’ bezeugt. Nur noch hierzu gehört heute das Verbalsubstantiv Haftung f. ‘Verpflichtung, für etw. oder jmdn. einzustehen’ (so seit dem 14. Jh., im älteren Nhd. auch ‘Gefangennahme’), ahd. haftunga ‘Gefangenschaft’ (um 900), mhd. haftunge ‘Gefangennahme, Haft, das Festhalten’, mnd. haftinge ‘Haft’. verhaften Vb. ‘gefangennehmen’ (17. Jh., zuvor ‘pfänden, beschlagnahmen, verbinden, befestigen’, 15. Jh.), transitivierende Präfixbildung zu haften (s. oben) anstelle von vorausgehendem mhd. frühnhd. verheften (Part. Prät. verhaft, verheftet) ‘einheften, befestigen, verbinden, vorenthalten’ (frühnhd. auch ‘festnehmen, pfänden’), dieses zu mhd. heften (s. heften); Verhaftung f. ‘Gefangennahme’ (16. Jh., zunächst auch ‘Verbindung, Befestigung’), vgl. frühnhd. verheftunge ‘Beschlagnahme’ (15. Jh.). Das Part. Prät. von verhaften verselbständigt sich im Nhd. als verhaftet Part.adj. ‘eng mit etw. verbunden, in etw. verwurzelt’ (16. Jh.). inhaftieren Vb. in der Kanzleisprache des 18. Jhs. als Synonym für verhaften aufkommend, ist eine latinisierende Bildung (mit in-1, s. d.) zu Haft (wohl unter Einfluß der präpositionalen Fügung in Haft).

Thesaurus

Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen zu ›Haft‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Haft‹.

Zitationshilfe
„Haft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Haft>, abgerufen am 27.11.2021.

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