Haft, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Haft · wird nur im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Haft‹ als Erstglied: ↗Haftanstalt · ↗Haftbedingung · ↗Haftbefehl · ↗Haftbeschwerde · ↗Haftbrief · ↗Haftentlassene · ↗Haftentlassung · ↗Haftentschädigung · ↗Haftgrund · ↗Haftraum · ↗Haftstrafe · ↗Haftunterbrechung · ↗Haftverschonung · ↗Haftzeit · ↗haftfähig1 · ↗haftunfähig
 ·  mit ›Haft‹ als Letztglied: ↗Abschiebehaft · ↗Auslieferungshaft · ↗Beugehaft · ↗Bunkerhaft · ↗Dunkelhaft · ↗Einzelhaft · ↗Festungshaft · ↗Gemeinschaftshaft · ↗Isolationshaft · ↗Isolierhaft · ↗Kerkerhaft · ↗Lagerhaft · ↗Ordnungshaft · ↗Schutzhaft · ↗Strafhaft · ↗U-Haft · ↗Untersuchungshaft · ↗Zellenhaft · ↗Zimmerhaft · ↗Zwangshaft
 ·  mit ›Haft‹ als Binnenglied: ↗Inhaftnahme  ·  formal verwandt mit: ↗enthaften · ↗inhaftieren
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
das Gefangenhalten, der polizeiliche Gewahrsam
Beispiele:
eine milde, strenge, verschärfte Haft
jmdn. in Haft nehmen, setzen (= verhaften)
jmdn. wegen Fluchtverdacht in Haft (be)halten
jmdn. (vorzeitig) aus der Haft entlassen, aus der widerrechtlichen Haft befreien
aus der Haft entfliehen
er ist in Haft, war ein halbes Jahr in Haft
seine Haft (= Haftzeit) ist gestern abgelaufen
gehoben, übertragen
Beispiele:
Dann aber ließ sich mein Gefühl nicht mehr in der Haft halten [HagelstangeSpielball72]
[der Achtzigjährige] der gerade erst aus der Haft seiner engen Vaterstadt sich lösen wollte [Th. Mann11,545]
2.
Haftstrafe
Beispiele:
darauf, auf dieses Delikt steht Haft
er wurde mit zwei Tagen, sechs Wochen Haft bestraft
umgangssprachlich er hat zwei Tage Haft bekommen, gekriegt
die Haft wurde in eine Geldstrafe umgewandelt
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haft1 · Haftel · Heftel · Haft2 · Haftbefehl · haften · Haftung · verhaften · Verhaftung · verhaftet · inhaftieren
Haft1 f. ‘polizeilicher Gewahrsam, Gefangenschaft’. Auf das Westgerm. beschränkt sind die Feminina mhd. haft ‘Fesselung, Gefangenschaft, Befestigung’ (frühnhd. auch ‘Beschlagnahme’), mnd. hacht ‘Anspruch, Berechtigung, Haft’, wohl auch aengl. hæft ‘Gefangennahme, Haft’ und ahd. hafta ‘Verknüpfung, Griff, Gefangennahme’ (9. Jh.), mhd. hafte ‘Verknüpfung, Haft, Verwahrung, Hindernis’, mnd. hacht(e), hafte ‘Gefängnis, Haft’, anfrk. hafta ‘Gefangenschaft’, mnl. hachte ‘Gefangenschaft, Gefahr, schwierige Lage’. Daneben kennt das Germ. ein in den Verwendungen sich mit den Feminina vermischendes maskulines und neutrales Substantiv ahd. haft m. n. ‘Band, Fessel, Gefangenschaft’ (9. Jh.), mhd. haft m. ‘Band, Fessel, Knoten, Halt’ (spätmhd. auch ‘Bürgschaft’), nhd. Haft m. ‘Verbindung, Naht, Fessel, Haltevorrichtung’ (bis ins 18. Jh., vgl. dazu das Deminutivum mhd. haftel, haftelīn, heftel, heftelīn, obd. Haftel, omd. Heftel n. ‘Verschluß aus Haken und Öse’), aengl. hæft m. ‘Band, Fessel, Gefangenschaft’, anord. hapt n. ‘Fessel’ sowie ein Maskulinum mhd. haft, aengl. hæft, anord. haptr ‘Gefangener’, das sich zum Adjektiv ahd. (9. Jh.), mhd. haft ‘gebunden, gefangen’ (s. ↗-haft) stellt. Alle diese nominalen Bildungen (und weiterhin die bei ↗Heft angegebenen germ. Formen, s. d.) weisen die auch für ↗heben und ↗haben (s. d.) vorauszusetzende Wurzel ie. *kap- auf; sie bewahren (im Unterschied zu den genannten Verben) deren ursprüngliche Bedeutung ‘fassen’ (vgl. lat. capere ‘nehmen, fassen, ergreifen’, captīvus ‘gefangen, erbeutet’). Wohl ebenfalls an diese Gruppe anzuschließen (vielleicht als Rückbildung aus dem Verb haften, s. unten) ist der Insektenname Haft2 m. n. ‘Eintagsfliege’ (18. Jh., vgl. gleichbed. nl. haft, haf n., 17. Jh.), dessen Pluralform Hafte von Oken in die dt. zoologische Fachsprache übernommen wird (s. ↗Eintagsfliege). Eine junge Zusammensetzung mit nhd. Haft f. ‘polizeilicher Gewahrsam’ ist Haftbefehl m. ‘schriftliche richterliche Verfügung, eine Person zu verhaften’ (2. Hälfte 19. Jh.) für älteres Haftbrief (16. Jh.). haften Vb. ‘fest an einem Gegenstand hängen, kleben’, in der Fügung für etw., jmdn. haften ‘bürgen, einstehen, verantwortlich sein’, ahd. haftēn ‘hängen, kleben, festhalten, zugeordnet, verbunden sein’ (9. Jh.), mhd. haften ‘befestigt sein, anhängen, zugehören’, asächs. hafton ‘haften’, mnd. haften, hachten, mnl. hachten ‘haften, befestigen, gefangennehmen’ (mnd. auch ‘bürgen’). Das Verb basiert wie das unter ↗heften (s. d.) dargestellte, anders abgeleitete gemeingerm. Faktitiv auf dem in ahd. haft ‘gebunden, gefangen’ vorliegenden germ. Adjektiv (s. ↗-haft). Seit Mitte des 14. Jhs. ist der vor allem rechtssprachliche Gebrauch im Sinne von ‘bürgen’ bezeugt. Nur noch hierzu gehört heute das Verbalsubstantiv Haftung f. ‘Verpflichtung, für etw. oder jmdn. einzustehen’ (so seit dem 14. Jh., im älteren Nhd. auch ‘Gefangennahme’), ahd. haftunga ‘Gefangenschaft’ (um 900), mhd. haftunge ‘Gefangennahme, Haft, das Festhalten’, mnd. haftinge ‘Haft’. verhaften Vb. ‘gefangennehmen’ (17. Jh., zuvor ‘pfänden, beschlagnahmen, verbinden, befestigen’, 15. Jh.), transitivierende Präfixbildung zu haften (s. oben) anstelle von vorausgehendem mhd. frühnhd. verheften (Part. Prät. verhaft, verheftet) ‘einheften, befestigen, verbinden, vorenthalten’ (frühnhd. auch ‘festnehmen, pfänden’), dieses zu mhd. heften (s. ↗heften); Verhaftung f. ‘Gefangennahme’ (16. Jh., zunächst auch ‘Verbindung, Befestigung’), vgl. frühnhd. verheftunge ‘Beschlagnahme’ (15. Jh.). Das Part. Prät. von verhaften verselbständigt sich im Nhd. als verhaftet Part.adj. ‘eng mit etw. verbunden, in etw. verwurzelt’ (16. Jh.). inhaftieren Vb. in der Kanzleisprache des 18. Jhs. als Synonym für verhaften aufkommend, ist eine latinisierende Bildung (mit ↗in-, s. d.) zu Haft (wohl unter Einfluß der präpositionalen Fügung in Haft).

Thesaurus

Synonymgruppe
Arrest · ↗Freiheitsentzug · ↗Gefängnis · ↗Gewahrsam · Haft · ↗Sicherheitsverwahrung · ↗Sicherungsverwahrung  ●  ↗Freiheitsentziehung  fachspr.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Abwesenheit Bewährung Entlassung Folter Fortdauer Gefangene Geldstrafe Hausarrest Kaution Mord Sicherungsverwahrung Todesstrafe Verbüßung Verdächtige Verurteilung absitzen begnadigen bestrafen entlassen freikommen freilassen israelisch lebenslang lebenslänglich mehrjährig sitzen umwandeln verbüßen verschonen verurteilen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Haft‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Viele von ihnen kamen erst nach langen Monaten Haft wieder frei.
Die Zeit, 06.12.2010, Nr. 49
Nach amtlicher Zählung befinden sich damit nur noch 1 449 Personen in Haft.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1982]
Freilich geschah dies alles zu einer Zeit, da es durchaus ungewöhnlich war, sich einer mehrjährigen Haft rühmen zu können.
Salomon, Ernst von: Der Fragebogen, Reinbek bei Hamburg: Rowohlt 1961 [1951], S. 2
So lange war er nicht mit Mädchen zusammen gewesen, überhaupt nicht seit seiner Haft.
Fallada, Hans: Wer einmal aus dem Blechnapf frißt - Bd. 2, Berlin u. a.: Aufbau-Verl. 1990 [1934], S. 196
Ich glaube keinesfalls, daß sie ihm etwas tun, er ist in der Haft eher sicherer als draußen.
Tucholsky, Kurt: An Walter Hasenclever, 14.03.1933. In: ders., Kurt Tucholsky, Werke - Briefe - Materialien, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1933], S. 9690
Zitationshilfe
„Haft“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Haft>, abgerufen am 20.03.2019.

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