Haftung, die

GrammatikSubstantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Haftung · Nominativ Plural: Haftungen · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
WorttrennungHaf-tung
Wortzerlegunghaften2-ung
Wortbildung mit ›Haftung‹ als Erstglied: ↗Haftungsanspruch · ↗Haftungsausschluss · ↗Haftungsbegrenzung · ↗Haftungsbescheid · ↗Haftungsbeschränkung · ↗Haftungseingeständnis · ↗Haftungsfrage · ↗Haftungsrecht · ↗Haftungsregelung · ↗Haftungsrisiko
 ·  mit ›Haftung‹ als Letztglied: ↗Amtshaftung · ↗Erbenhaftung · ↗Gefährdungshaftung · ↗Gewährsträgerhaftung · ↗Gewährträgerhaftung · ↗Kollektivhaftung · ↗Kraftfahrzeughaftung · ↗Mängelhaftung · ↗Produkthaftung · ↗Prospekthaftung · ↗Schuldenhaftung · ↗Sippenhaftung · ↗Solidarhaftung · ↗Staatshaftung · ↗Störerhaftung · ↗Verschuldenshaftung · ↗Zufallshaftung · ↗Zustandshaftung
eWDG, 1969

Bedeutungen

a)
Jura
entsprechend der Bedeutung von haften² (a)
Beispiele:
für Beschädigungen, die auf dem Transport entstehen, lehnt die Firma jede Haftung ab
für Garderobe wird keine Haftung übernommen
Gesellschaft mit beschränkter Haftung
die beschränkte Haftung
b)
entsprechend der Bedeutung von haften² (b)
Beispiel:
Wir können keinerlei Haftung für Ihre Person übernehmen [SchnitzlerMedardusV 2]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haft1 · Haftel · Heftel · Haft2 · Haftbefehl · haften · Haftung · verhaften · Verhaftung · verhaftet · inhaftieren
Haft1 f. ‘polizeilicher Gewahrsam, Gefangenschaft’. Auf das Westgerm. beschränkt sind die Feminina mhd. haft ‘Fesselung, Gefangenschaft, Befestigung’ (frühnhd. auch ‘Beschlagnahme’), mnd. hacht ‘Anspruch, Berechtigung, Haft’, wohl auch aengl. hæft ‘Gefangennahme, Haft’ und ahd. hafta ‘Verknüpfung, Griff, Gefangennahme’ (9. Jh.), mhd. hafte ‘Verknüpfung, Haft, Verwahrung, Hindernis’, mnd. hacht(e), hafte ‘Gefängnis, Haft’, anfrk. hafta ‘Gefangenschaft’, mnl. hachte ‘Gefangenschaft, Gefahr, schwierige Lage’. Daneben kennt das Germ. ein in den Verwendungen sich mit den Feminina vermischendes maskulines und neutrales Substantiv ahd. haft m. n. ‘Band, Fessel, Gefangenschaft’ (9. Jh.), mhd. haft m. ‘Band, Fessel, Knoten, Halt’ (spätmhd. auch ‘Bürgschaft’), nhd. Haft m. ‘Verbindung, Naht, Fessel, Haltevorrichtung’ (bis ins 18. Jh., vgl. dazu das Deminutivum mhd. haftel, haftelīn, heftel, heftelīn, obd. Haftel, omd. Heftel n. ‘Verschluß aus Haken und Öse’), aengl. hæft m. ‘Band, Fessel, Gefangenschaft’, anord. hapt n. ‘Fessel’ sowie ein Maskulinum mhd. haft, aengl. hæft, anord. haptr ‘Gefangener’, das sich zum Adjektiv ahd. (9. Jh.), mhd. haft ‘gebunden, gefangen’ (s. ↗-haft) stellt. Alle diese nominalen Bildungen (und weiterhin die bei ↗Heft angegebenen germ. Formen, s. d.) weisen die auch für ↗heben und ↗haben (s. d.) vorauszusetzende Wurzel ie. *kap- auf; sie bewahren (im Unterschied zu den genannten Verben) deren ursprüngliche Bedeutung ‘fassen’ (vgl. lat. capere ‘nehmen, fassen, ergreifen’, captīvus ‘gefangen, erbeutet’). Wohl ebenfalls an diese Gruppe anzuschließen (vielleicht als Rückbildung aus dem Verb haften, s. unten) ist der Insektenname Haft2 m. n. ‘Eintagsfliege’ (18. Jh., vgl. gleichbed. nl. haft, haf n., 17. Jh.), dessen Pluralform Hafte von Oken in die dt. zoologische Fachsprache übernommen wird (s. ↗Eintagsfliege). Eine junge Zusammensetzung mit nhd. Haft f. ‘polizeilicher Gewahrsam’ ist Haftbefehl m. ‘schriftliche richterliche Verfügung, eine Person zu verhaften’ (2. Hälfte 19. Jh.) für älteres Haftbrief (16. Jh.). haften Vb. ‘fest an einem Gegenstand hängen, kleben’, in der Fügung für etw., jmdn. haften ‘bürgen, einstehen, verantwortlich sein’, ahd. haftēn ‘hängen, kleben, festhalten, zugeordnet, verbunden sein’ (9. Jh.), mhd. haften ‘befestigt sein, anhängen, zugehören’, asächs. hafton ‘haften’, mnd. haften, hachten, mnl. hachten ‘haften, befestigen, gefangennehmen’ (mnd. auch ‘bürgen’). Das Verb basiert wie das unter ↗heften (s. d.) dargestellte, anders abgeleitete gemeingerm. Faktitiv auf dem in ahd. haft ‘gebunden, gefangen’ vorliegenden germ. Adjektiv (s. ↗-haft). Seit Mitte des 14. Jhs. ist der vor allem rechtssprachliche Gebrauch im Sinne von ‘bürgen’ bezeugt. Nur noch hierzu gehört heute das Verbalsubstantiv Haftung f. ‘Verpflichtung, für etw. oder jmdn. einzustehen’ (so seit dem 14. Jh., im älteren Nhd. auch ‘Gefangennahme’), ahd. haftunga ‘Gefangenschaft’ (um 900), mhd. haftunge ‘Gefangennahme, Haft, das Festhalten’, mnd. haftinge ‘Haft’. verhaften Vb. ‘gefangennehmen’ (17. Jh., zuvor ‘pfänden, beschlagnahmen, verbinden, befestigen’, 15. Jh.), transitivierende Präfixbildung zu haften (s. oben) anstelle von vorausgehendem mhd. frühnhd. verheften (Part. Prät. verhaft, verheftet) ‘einheften, befestigen, verbinden, vorenthalten’ (frühnhd. auch ‘festnehmen, pfänden’), dieses zu mhd. heften (s. ↗heften); Verhaftung f. ‘Gefangennahme’ (16. Jh., zunächst auch ‘Verbindung, Befestigung’), vgl. frühnhd. verheftunge ‘Beschlagnahme’ (15. Jh.). Das Part. Prät. von verhaften verselbständigt sich im Nhd. als verhaftet Part.adj. ‘eng mit etw. verbunden, in etw. verwurzelt’ (16. Jh.). inhaftieren Vb. in der Kanzleisprache des 18. Jhs. als Synonym für verhaften aufkommend, ist eine latinisierende Bildung (mit ↗in-, s. d.) zu Haft (wohl unter Einfluß der präpositionalen Fügung in Haft).

Thesaurus

Synonymgruppe
Haftkapital · Haftung · ↗Haftvermögen
Synonymgruppe
Haftpflicht · Haftung · ↗Obligo · ↗Verantwortlichkeit

Typische Verbindungen
computergeneriert

Aufsichtsratsmitglied Baugesellschaft Beteiligungs-Gesellschaft Beteiligungsgesellschaft Fahrlässigkeit Geschäftsführung Gesellschaft Grundstücksgesellschaft Handelsgesellschaft Richtigkeit Schade Verbindlichkeit Vertriebsgesellschaft Verwaltungs-Gesellschaft Verwaltungsgesellschaft ausschließen begrenzen beschränken beschränkt freistellen gemeinschaftlich kollektiv persönlich strafrechtlich unbegrenzt unbeschränkt verschuldensunabhängig verschärft zivilrechtlich übernehmen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Haftung‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In einem internen Papier hieß es, Ernst & Young übernehme in dieser Frage keine Haftung.
Die Welt, 29.07.2005
Allerdings wird eines Tages die ganze heutige Generation dafür in Haftung genommen werden.
Der Tagesspiegel, 12.04.1997
Unter Haftung versteht man die Pflicht, für die Folgen eines bestimmten Ereignisses einzustehen.
Oheim, Gertrud: Das praktische Haushaltsbuch, Gütersloh: Bertelsmann 1967 [1954], S. 453
Nur bei primitiven Rechten hat es eine strafrechtliche Haftung ohne Schuld gegeben.
o. A.: Einhundertsechsundachtzigster Tag. Donnerstag, 25. Juli 1946. In: Der Nürnberger Prozeß, Berlin: Directmedia Publ. 1999 [1946], S. 18373
Die Haftung erstreckt sich nicht auf eine bereits begründete Verpflichtung zum Schadensersatze.
o. A.: Gesetz über das Verlagsrecht. In: Schönfelder: Deutsche Gesetze : Sammlung des Zivil-, Straf- und Verfahrensrechts (Ergänzungslieferung), München: Beck 1997
Zitationshilfe
„Haftung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Haftung>, abgerufen am 22.11.2019.

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