Der deutsche Wortschatz von 1600 bis heute.

Hag, der

Grammatik Substantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Hag(e)s · Nominativ Plural: Hage
Aussprache 
Wortbildung  mit ›Hag‹ als Erstglied: Hagebuche  ·  mit ›Hag‹ als Letztglied: Rosenhag

Bedeutungsübersicht+

  1. [dichterisch] ...
    1. 1. Hecke aus Dorngebüsch, Buschwerk
    2. 2. Wald
eWDG

Bedeutung

dichterisch
1.
Hecke aus Dorngebüsch, Buschwerk
Beispiel:
Hohl über die Fläche sauset der Wind – / Was raschelt drüben am Hage? [ Droste-Hülsh.Knabe im Moor]
2.
Wald
Beispiel:
Er lebte tief im dunklen Hage, und viele Meilen weit wohnten nur Köhler und Wilddiebe und Hexen [ H. KantAula366]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hag · Hagebutte · Butte · Hagedorn · Hagestolz
Hag m. ‘Dorngebüsch, Buschwerk, kleiner Wald’. Neben ahd. hag m. ‘Einhegung, Schanze, Stadt’ (8. Jh.), mhd. hac m. n., mnd. hach, hāch m. ‘Hecke, Einfriedung, umfriedeter Ort, umgrenztes Waldstück’, aengl. hæg n. ‘Gehege, Einzäunung’ steht mit germ. -ana- erweitertes ahd. (8. Jh.), asächs. hagan, mhd. hagen, mnd. hāgen, nhd. Hagen m. (s. Hain) und die ebenfalls im Stamm abweichenden germ. Bildungen mnd. hāge f. m. ‘Hecke, Dornzaun, Gehölz’, mnl. hāghe f. m., nl. haag f. ‘Gehege, Hecke, Gehölz’, aengl. haga m., engl. haw ‘Hecke, Einzäunung, eingefriedetes Landstück, Frucht des Hagedorns’, anord. hagi m. ‘Weideplatz’, schwed. hage ‘Gehege, Waldweide’. Diese germ. Substantive, weiterhin die bei Gehege und hegen (s. d.) behandelten zugehörigen Ableitungen sowie das verwandte, eine westgerm. Bildung auf -jō fortsetzende Hecke1 (s. d.) verbinden sich mit kelt. Formen wie gall. caio ‘Gehege’, kymr. cae ‘Zaun, Gehege’, air. caí ‘Haus’ (s. auch Kai), ferner wohl mit lat. caulae ‘Schranken, Schafhürden, Gehege’ und lassen eine Wurzel ie. *kagh- ‘fassen, einfassen; geflochtene Hürde, Flechtwerk’ erschließen. Das im jüngeren Nhd. nur noch in poetischer Sprache gebräuchliche Hag begegnet wie Hagen auch in zusammengesetzten Ortsnamen auf -hag, -hagen (vgl. außerdem die Städtenamen dt. Hagen, nl. Den Haag). Hagebutte f. Frucht der Heckenrose. Die verdeutlichende Zusammensetzung wird im 15. Jh. üblich (daneben frühnhd. hagenbutz m.; vgl. aber schon ahd. haganbutta ‘Weiß- oder Kreuzdorn’, Hs. 12. Jh.). Voraus geht mhd. butte, nhd. (mundartlich) Butte f. (wohl verwandt mit obd. Butze, Butzen m. ‘Klumpen, Schlacke, Kerngehäuse’, s. Butzenscheibe) in gleichem Sinne, vereinzelt auch mhd. hage f. Hagedorn m. ‘Weißdorn’, in älterer Zeit auch ‘Heckenrose, Liguster’, ahd. haganthorn (9. Jh.), mhd. hage(n)dorn; im Germ. allgemein Bezeichnung für als Hecke angepflanzte Dornsträucher, vgl. asächs. haguthorn, mnd. hāgedōrn, hāgedorne, mnl. hāghedoorn, nl. hagedoorn, aengl. haga-, haguþorn, engl. hawthorn, anord. hagþorn, schwed. hagtorn. Hagestolz m. ‘älterer Junggeselle’, ahd. hagustalt ‘gegen Entlohnung Arbeitender’ (9. Jh., auch hagustalt Adj. ‘ehelos, in Lohn stehend’, um 800), mhd. hagestalt, hagestolz ‘Unverheirateter’, asächs. hagustald ‘junger Mann, Diener, Knecht’, mnd. hāge(n)stolt(e) ‘Lehnsmann, unverheirateter älterer Mann’, aengl. hagosteald ‘Jüngling, unverheirateter junger Krieger’ (adjektivisch ‘jung, unverheiratet’), anord. haukstaldr ‘Häuptling, Krieger’ (vgl. den Beinamen runisch Hagustaldaʀ). Das zweite Kompositionsglied gehört zu got. gastaldan ‘erwerben’, aengl. stealdan ‘besitzen’ und somit zu der unter Stall1 (s. d.) dargestellten Wurzelform ie. *stel- ‘stellen, aufstellen; stehend, unbeweglich, steif; Ständer, Pfosten, Stamm, Stiel’. Ausgangsbedeutung ist ‘Hagbesitzer’. Nach germanischem Erbrecht erhält der älteste Sohn den Hof, der jüngere aber nur ein kleines eingefriedetes Anwesen, weshalb er keinen eigenen Hausstand gründen kann und in sozialer Abhängigkeit bleibt. Eine andere Erklärung gibt de Vries Anord. 214. Die seit dem 13. Jh. geltende Form Hagestolz ist volksetymologisch angelehnt an das Adjektiv stolz (s. d.).

Verwendungsbeispiele für ›Hag‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Erst dachte ich, es sei ein Spielzeug, das ein Kind über meinen Hag geworfen hatte. [Katz, Richard: Übern Gartenhag, München u. Zürich: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. 1965, S. 151]
Ein Hagestolz ist ein Mann, der ohne Weib und Kind in einem umfriedeten Besitztümchen wohnt, in einem Hag. [Reimann, Hans: Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache, Düsseldorf: Econ-Verl. 1964 [1931], S. 43]
Schließlich ist auch die letzte Herde abgebraust, der Hag ist leer; braun zerstampft der Boden. [Die Zeit, 08.01.1951, Nr. 02]
In der Werbung zeigt man sich entsprechend bemüht, „Kaffee Hag“ einen jugendlichen Anstrich zu geben. [Die Zeit, 14.01.1963, Nr. 02]
Solange die Konkurrenz nicht auf den Plan trat, mochte sich der Erfinder des „Kaffee Hag“ geschmeichelt fühlen. [Die Zeit, 14.01.1963, Nr. 02]
Zitationshilfe
„Hag“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hag>.

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