Hag, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Hag(e)s · Nominativ Plural: Hage
Aussprache
Wortbildung mit ›Hag‹ als Letztglied: ↗Rosenhag
eWDG, 1969

Bedeutung

dichterisch
1.
Hecke aus Dorngebüsch, Buschwerk
Beispiel:
Hohl über die Fläche sauset der Wind – / Was raschelt drüben am Hage? [Droste-Hülsh.Knabe im Moor]
2.
Wald
Beispiel:
Er lebte tief im dunklen Hage, und viele Meilen weit wohnten nur Köhler und Wilddiebe und Hexen [H. KantAula366]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hag · Hagebutte · Butte · Hagedorn · Hagestolz
Hag m. ‘Dorngebüsch, Buschwerk, kleiner Wald’. Neben ahd. hag m. ‘Einhegung, Schanze, Stadt’ (8. Jh.), mhd. hac m. n., mnd. hach, hāch m. ‘Hecke, Einfriedung, umfriedeter Ort, umgrenztes Waldstück’, aengl. hæg n. ‘Gehege, Einzäunung’ steht mit germ. -ana- erweitertes ahd. (8. Jh.), asächs. hagan, mhd. hagen, mnd. hāgen, nhd. Hagen m. (s. ↗Hain) und die ebenfalls im Stamm abweichenden germ. Bildungen mnd. hāge f. m. ‘Hecke, Dornzaun, Gehölz’, mnl. hāghe f. m., nl. haag f. ‘Gehege, Hecke, Gehölz’, aengl. haga m., engl. haw ‘Hecke, Einzäunung, eingefriedetes Landstück, Frucht des Hagedorns’, anord. hagi m. ‘Weideplatz’, schwed. hage ‘Gehege, Waldweide’. Diese germ. Substantive, weiterhin die bei ↗Gehege und ↗hegen (s. d.) behandelten zugehörigen Ableitungen sowie das verwandte, eine westgerm. Bildung auf -jō fortsetzende ↗Hecke (s. d.) verbinden sich mit kelt. Formen wie gall. caio ‘Gehege’, kymr. cae ‘Zaun, Gehege’, air. caí ‘Haus’ (s. auch ↗Kai), ferner wohl mit lat. caulae ‘Schranken, Schafhürden, Gehege’ und lassen eine Wurzel ie. *kagh- ‘fassen, einfassen; geflochtene Hürde, Flechtwerk’ erschließen. Das im jüngeren Nhd. nur noch in poetischer Sprache gebräuchliche Hag begegnet wie Hagen auch in zusammengesetzten Ortsnamen auf -hag, -hagen (vgl. außerdem die Städtenamen dt. Hagen, nl. Den Haag). Hagebutte f. Frucht der Heckenrose. Die verdeutlichende Zusammensetzung wird im 15. Jh. üblich (daneben frühnhd. hagenbutz m.; vgl. aber schon ahd. haganbutta ‘Weiß- oder Kreuzdorn’, Hs. 12. Jh.). Voraus geht mhd. butte, nhd. (mundartlich) Butte f. (wohl verwandt mit obd. Butze, Butzen m. ‘Klumpen, Schlacke, Kerngehäuse’, s. ↗Butzenscheibe) in gleichem Sinne, vereinzelt auch mhd. hage f. Hagedorn m. ‘Weißdorn’, in älterer Zeit auch ‘Heckenrose, Liguster’, ahd. haganthorn (9. Jh.), mhd. hage(n)dorn; im Germ. allgemein Bezeichnung für als Hecke angepflanzte Dornsträucher, vgl. asächs. haguthorn, mnd. hāgedōrn, hāgedorne, mnl. hāghedoorn, nl. hagedoorn, aengl. haga-, haguþorn, engl. hawthorn, anord. hagþorn, schwed. hagtorn. Hagestolz m. ‘älterer Junggeselle’, ahd. hagustalt ‘gegen Entlohnung Arbeitender’ (9. Jh., auch hagustalt Adj. ‘ehelos, in Lohn stehend’, um 800), mhd. hagestalt, hagestolz ‘Unverheirateter’, asächs. hagustald ‘junger Mann, Diener, Knecht’, mnd. hāge(n)stolt(e) ‘Lehnsmann, unverheirateter älterer Mann’, aengl. hagosteald ‘Jüngling, unverheirateter junger Krieger’ (adjektivisch ‘jung, unverheiratet’), anord. haukstaldr ‘Häuptling, Krieger’ (vgl. den Beinamen runisch HagustaldaR). Das zweite Kompositionsglied gehört zu got. gastaldan ‘erwerben’, aengl. stealdan ‘besitzen’ und somit zu der unter ↗Stall (s. d.) dargestellten Wurzelform ie. *stel- ‘stellen, aufstellen; stehend, unbeweglich, steif; Ständer, Pfosten, Stamm, Stiel’. Ausgangsbedeutung ist ‘Hagbesitzer’. Nach germanischem Erbrecht erhält der älteste Sohn den Hof, der jüngere aber nur ein kleines eingefriedetes Anwesen, weshalb er keinen eigenen Hausstand gründen kann und in sozialer Abhängigkeit bleibt. Eine andere Erklärung gibt de Vries Anord. 214. Die seit dem 13. Jh. geltende Form Hagestolz ist volksetymologisch angelehnt an das Adjektiv ↗stolz (s. d.).

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Er ist am Morgen zuvor in Hage an der ostfriesischen Küste gestartet, hat die Nordsee überquert und sich dann entlang der englischen Küste südwärts geschlichen.
Die Zeit, 15.10.1998, Nr. 43
Trinke Kaffee Hag, und du bist sportlich, jung und einfach chic, lautet die versteckte Botschaft.
Die Welt, 05.05.2004
Erst dachte ich, es sei ein Spielzeug, das ein Kind über meinen Hag geworfen hatte.
Katz, Richard: Übern Gartenhag, München u. Zürich: Droemersche Verlagsanstalt Th. Knaur Nachf. 1965, S. 151
Ein Hagestolz ist ein Mann, der ohne Weib und Kind in einem umfriedeten Besitztümchen wohnt, in einem Hag.
Reimann, Hans: Vergnügliches Handbuch der Deutschen Sprache, Düsseldorf: Econ-Verl. 1964 [1931], S. 43
Innerhalb weniger Wochen stellten auch die kleineren Konkurrenten Melitta und Hag ihre Röstmaschinen auf das Schnellverfahren um.
Hars, Wolfgang: Nichts ist unmöglich! Lexikon der Werbesprüche, München: Piper 2001 [1999], S. 105
Zitationshilfe
„Hag“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hag>, abgerufen am 23.10.2019.

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