Halt, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Halt(e)s · Nominativ Plural: Halte · wird meist im Singular verwendet
Aussprache
Wortbildung mit ›Halt‹ als Erstglied: ↗haltlos · ↗haltmachen  ·  mit ›Halt‹ als Letztglied: ↗Anhalt · ↗Aufenthalt · ↗Bedarfshalt · ↗Einhalt · ↗Rückhalt · ↗Zwischenhalt
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
Stütze
Beispiele:
er suchte Halt am Geländer, an der Wand
den festen Halt unter den Füßen verlieren
der Stützverband gab dem Gelenk Halt
in diesen Sandalen hat der Fuß nicht genug Halt
der Bücherstoß hat keinen Halt (= wird umfallen)
Aber mein Fuß findet keinen Halt, ich gerate ins Rutschen [RemarqueIm Westen245]
Tiere auszuschneiden, denen er nun mit kleinen Holzständern Steife und Halt gab [MusilMann704]
übertragen
Beispiele:
das Elternhaus muss dem Kind einen festen Halt bieten, geben
an jmdm. Halt haben
sie ist ohne jeden inneren, moralischen Halt (= Festigkeit)
Sie müssen Ihrer Frau in diesen schweren Zeiten ein Halt sein [BrechtDreigroschenroman236]
2.
Stillstand, das Innehalten
Beispiele:
gehoben der Ausbreitung einer Krankheit Halt gebieten
gehoben jmdm. Halt gebieten
ohne Halt durchfahren
Die riesigen Pläne / Der Mächtigen kommen am Ende zum Halt [BrechtSchweyk6]
Das Dorf, wo der Reisewagen ... den ersten Halt macht (= das erste Mal hält) [Hofmannsth.ProsaI 371]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

halten · Halt · Halter · Haltung · abhalten · Anhalt · anhalten · Anhalter · aushalten · behalten · Behälter · Behältnis · einhalten · Einhalt · enthalten · erhalten · unterhalten · Unterhalt · Zuhälter · zuhalten · Unterhaltung
halten Vb. ‘festhalten, bewahren’, ahd. haltan ‘festhalten, befolgen, (be)hüten’ (8. Jh.), mhd. halten, halden ‘hüten, weiden, bewahren, verehren, festhalten, gefangenhalten, meinen, sich benehmen, an einem Punkt anhalten, stillhalten’, asächs. haldan ‘halten, hüten, feiern’, mnd. hōlden ‘hüten, bewachen, schützen, weiden, einhalten, veranstalten, festhalten, stillhalten, sich verhalten’, mnl. nl. houden, aengl. haldan, healdan, engl. to hold, anord. halda, schwed. hålla, got. haldan ‘hüten, weiden’. Sieht man den Dental des ehemals reduplizierenden germ. Verbs als präsensbildendes Formans an und geht von einer Grundbedeutung ‘(Vieh) hüten’ aus, dann läßt sich eine Verbindung zu griech. kéllein (κέλλειν) ‘antreiben, bewegen, anfahren, landen’, lat. celer ‘schnell, rasch’, aind. kaláyati ‘treibt (Vieh), hält, trägt, macht’ und Anschluß an die Wurzel ie. *kel- ‘treiben, zu schneller Bewegung antreiben’ herstellen, die möglicherweise mit *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. ↗hell) identisch ist (vgl. Pokorny 1, 548; anders Seebold 249, der auf Grund der Bedeutung ‘hüten, weiden’ das germ. Verb auf die Wurzel ie. *ku̯el(ə)- ‘drehen, sich um etw. herumbewegen’ zurückführen möchte, s. ↗Hals). Aus der Grundbedeutung ‘hüten’ entwickelt sich einerseits ‘achthaben, beobachten, bewahren’, andrerseits ‘festhalten’ sowie ‘an-, stillhalten, in einem Zustand verharren’, schließlich (vielleicht unter dem Einfluß von haben) ‘für etw. ansehen, glauben, meinen’. Halt m. ‘Stütze, das (Inne)halten’, mhd. halt ‘Bestand, Ort, Aufenthalt’. Halter m. ‘Haltevorrichtung’ (vgl. Federhalter), ‘wer etw. hält’ (vgl. Statthalter), ahd. haltāri ‘Erretter, Erlöser’ (um 1000; vgl. bihaltāri ‘Wächter’, 8. Jh.), mhd. haltære, halter ‘Hirt, Bewahrer, Erlöser’. Haltung f. ‘Körperhaltung, Pose, innere Einstellung, Beherrschtheit’, spätmhd. haltunge, auch ‘Gewahrsam, Verwahrung, Inhalt’. abhalten Vb. ‘fernhalten, hindern, durchführen’ (15. Jh.). Anhalt m. ‘Anhaltspunkt, Ursache’, mhd. anhalt; anhalten Vb. ‘festhalten, stehenbleiben, stoppen, andauern, zu etw. bewegen, um etw. bitten’ (1. Hälfte 15. Jh.); Anhalter m. ‘wer fremde Autos anhält, um sich mitnehmen zu lassen’, geläufig in der Wendung per Anhalter fahren (Mitte 20. Jh.); zuvor im Sinne von ‘Förderer, (An)treiber’ (16. Jh.). aushalten Vb. ‘bis zum Ende durchstehen, ertragen, Unterhalt gewähren’, mhd. ūʒhalten ‘instand halten, verpflegen’. behalten Vb. ‘nicht weggeben, bewahren’, ahd. bihaltan ‘beachten. bewahren, schützen’ (8. Jh.), mhd. behalten, -halden ‘für sich behalten, bewahren, Erfolg haben, beherbergen, einhalten, (vor Gericht) durch Zeugen erhärten’; Behälter m. ‘Gefäß’, frühnhd. auch ‘Gefängnis’ (15. Jh.); vgl. mhd. behaltære, behalter ‘Beobachter, Bewahrer, Erlöser’, ahd. bihaltāri ‘Wächter’ (8. Jh.); Behältnis n. ‘Behälter, Gefäß’ (15. Jh.), mhd. behaltnisse ‘das Halten, Erhaltung, Vorbehalt, Gewahrsam, Gedächtnis’, ahd. bihaltnessi ‘das Zurückhalten’ (9. Jh.). einhalten Vb. ‘aufhören, aufhalten, beachten’ (15. Jh.); Einhalt m. ‘Einschränkung, Eindämmung’ (Mitte 15. Jh.), dann besonders in der Verbindung Einhalt gebieten, tun (16. Jh.); frühnhd. auch für Inhalt. enthalten Vb. ‘(sich) fernhalten, zurückhalten, enthaltsam sein, zum Inhalt haben’, mhd. enthalten ‘stillhalten, zurückhalten’; dazu enthaltsam ‘mäßig, abstinent’ und Enthaltsamkeit (beide 18. Jh.). erhalten Vb. ‘empfangen, bekommen, bewahren’ (16. Jh.). unterhalten Vb. ‘etw. sichern, bewahren, sich erfreuen, ein Gespräch führen’ (17. Jh.); Unterhalt m. (17. Jh.); Zuhälter m. ‘wer von den Einkünften einer Prostituierten lebt’ (Mitte 19. Jh.), wohl in der Sprache der Polizei gebildet nach älterem Zuhalter ‘wer zu einem hält, Anhänger’ (15. Jh.), mnd. toholder, tohelder, zu zuhalten Vb. im Sinne von ‘zu einer Person halten, ihr beistehen’, auch mit einem zuhalten ‘es mit einem halten, ein außereheliches Verhältnis haben’ (15. Jh.). Unterhaltung f. (18. Jh.).

Thesaurus

Synonymgruppe
Anfasser · ↗Griff · Halt · ↗Haltegriff · ↗Handgriff · ↗Heft (Messer) · ↗Henkel · ↗Knauf
Eisenbahn
Synonymgruppe
Halt · ↗Haltepunkt  ●  ↗Haltestelle  österr., südtirolerisch, schweiz.
Unterbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Ausschau Grenze Hand Prozent Rede Vortrag aber abhalten anhalten auch aufhalten aushalten bereithalten dagegenhalten durchhalten einhalten entgegenhalten er es festhalten ich lange mehr nicht noch sie vorhalten wir zurückhalten zusammenhalten

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Halt‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wen wollte sie sich mit dem Wort vom Leib halten?
Kuckart, Judith: Lenas Liebe, Köln: DuMont Literatur und Kunst Verlag 2002, S. 20
Tut mir leid, ich halte diese Stücke für komplett unnotwendig.
Die Zeit, 16.12.1998, Nr. 52
Zahlreiche Kardinäle hielten jedoch schon dieses Regime für zu progressistisch.
o. A.: Die Kirche in der Gegenwart. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1971], S. 16098
Viele hielten jedoch den Zeitpunkt für tiefgreifende Änderungen noch nicht für gekommen.
Iserloh, Erwin u. a.: Reformation, katholische Reform und Gegenreformation. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1967], S. 7014
Dennoch fühlte sie sich einigermaßen unsicher, hielt es jedenfalls für angezeigt, die Dinge nur behutsam anzufassen.
Goldfriedrich, Johann: Geschichte des Deutschen Buchhandels vom Beginn der klassischen Litteraturperiode bis zum Beginn der Fremdherrschaft. In: Lehmstedt, Mark (Hg.) Geschichte des deutschen Buchwesens, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1909], S. 28831
Zitationshilfe
„Halt“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Halt>, abgerufen am 21.10.2019.

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