eWDG

Bedeutungen

1.
Art, wie man seinen Körper hält, bestimmte Stellung des Körpers
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
eine gute, schlechte, nachlässige, lässige, saloppe, schlaffe, stramme, steife, gerade, aufrechte Haltung haben
auf eine korrekte Haltung achten
in schlechter, verkrampfter, gebeugter, gebückter, krummer Haltung am Tisch sitzen
eine andere Haltung einnehmen
das Schwimmen ist besonders geeignet, die Haltung zu verbessern
der Springer belegte durch große Weiten und ausgezeichnete Haltung den ersten Platz
die Eiskunstläuferin, Turnerin muss noch ihre Haltung verbessern
Sein Kopf hing zwischen hochgezogenen Schultern in einer verkrampften Haltung nach vorn [ KasackStadt245]
Militär Haltung annehmen, einnehmen (= strammstehen)
Beispiele:
die Mannschaft nimmt Haltung ein
selbst die Leutnants nahmen Haltung an und machten Ehrenbezeigung [ G. HermannWordelmann42]
Nimm Haltung an, du sprichst mit dem Bezirksschulrat [ H. KantAula300]
bestimmte Stellung des Körpers und Gesichtsausdruck
Beispiele:
er setzte sich an den Schreibtisch und nahm eine amtliche, dienstliche Haltung ein
er stand ihr in drohender, respektvoller Haltung gegenüber
[Oberleutnant Winfried] der in seiner gewinnend freundlichen Haltung vor dem Onkel paradierte [ A. ZweigGrischa153]
2.
(aus einer bestimmten Grundeinstellung resultierendes) Verhalten, Auftreten
Grammatik: meist im Singular
Beispiele:
seine vorbildliche, beispielhafte, tadellose, tapfere Haltung während dieser Katastrophe
eine sichere, selbstbewusste, arrogante Haltung jmdm. gegenüber haben
eine ruhige, gesetzte, vornehme Haltung zeigen
seine trotzige, abweisende, dienstliche Haltung machte mir jeden Zugang zu ihm unmöglich
Macheath hatte sich eine ganz bestimmte Haltung zurechtgelegt [ BrechtDreigroschenroman189]
sich in einem bestimmten Verhalten, Auftreten äußernde Grundeinstellung
Beispiele:
in einer Frage, Angelegenheit eine klare, undurchsichtige, realistische, loyale, feindliche, ablehnende, abwartende, zögernde, zwiespältige, fortschrittliche Haltung haben, einnehmen
seine kühle, reservierte, kritische Haltung zu dieser Frage
er gab seine starre Haltung auf
seine Haltung ändern
die Regierung ist von ihrer früheren Haltung abgewichen
jmds. innere Haltung billigen
jmds. Haltung verstehen
die ironische Haltung des Schriftstellers
Herr Jansch sieht in dem Kameraden Niggl einen Mann, dessen politische Haltung er erkunden möchte [ A. ZweigErziehung71]
daß die Empfehlungen des Wissenschaftsrates nicht durch eine allzu konservative Haltung ihrer [der Universitäten] Gelehrten Gefahr laufen, nicht voll realisiert zu werden [ Butenandt50 Jahre11]
Humor ist eine natürliche Gabe und eine unbewußte Haltung [ H. KantAula241]
an dem Verhalten, Auftreten erkennbare innere Beherrschtheit, Fassung
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
er ließ sich nie gehen, sondern bewahrte immer Haltung
sie trug den Abschied mit einer Haltung, die ihr Ehre machte
unerschütterliche Haltung zeigen
als er das sah, erbleichte er, verlor aber seine Haltung nicht
er verlor alle Haltung und schrie sie an
Fassung, Majestät, Haltung [ DürrenmattEngelIII]
3.
papierdeutsch das Halten
Grammatik: nur im Singular, nur mit folgendem Attribut
entsprechend der Bedeutung von halten (14)
Beispiele:
die Haltung landwirtschaftlicher Nutztiere
die Haltung von Raubkatzen in zoologischen Gärten
[die Intensivhaltung, die] die Haltung von mehreren Tausend bis zu einigen Hunderttausend Hennen in einem Betrieb gestattet [ Urania1965]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

halten · Halt · Halter · Haltung · abhalten · Anhalt · anhalten · Anhalter · aushalten · behalten · Behälter · Behältnis · einhalten · Einhalt · enthalten · erhalten · unterhalten · Unterhalt · Zuhälter · zuhalten · Unterhaltung
halten Vb. ‘festhalten, bewahren’, ahd. haltan ‘festhalten, befolgen, (be)hüten’ (8. Jh.), mhd. halten, halden ‘hüten, weiden, bewahren, verehren, festhalten, gefangenhalten, meinen, sich benehmen, an einem Punkt anhalten, stillhalten’, asächs. haldan ‘halten, hüten, feiern’, mnd. hōlden ‘hüten, bewachen, schützen, weiden, einhalten, veranstalten, festhalten, stillhalten, sich verhalten’, mnl. nl. houden, aengl. haldan, healdan, engl. to hold, anord. halda, schwed. hålla, got. haldan ‘hüten, weiden’. Sieht man den Dental des ehemals reduplizierenden germ. Verbs als präsensbildendes Formans an und geht von einer Grundbedeutung ‘(Vieh) hüten’ aus, dann läßt sich eine Verbindung zu griech. kéllein (κέλλειν) ‘antreiben, bewegen, anfahren, landen’, lat. celer ‘schnell, rasch’, aind. kaláyati ‘treibt (Vieh), hält, trägt, macht’ und Anschluß an die Wurzel ie. *kel- ‘treiben, zu schneller Bewegung antreiben’ herstellen, die möglicherweise mit *kel(ə)- ‘rufen, schreien, lärmen, klingen’ (s. hell) identisch ist (vgl. Pokorny 1, 548; anders Seebold 249, der auf Grund der Bedeutung ‘hüten, weiden’ das germ. Verb auf die Wurzel ie. *ku̯el(ə)- ‘drehen, sich um etw. herumbewegen’ zurückführen möchte, s. Hals). Aus der Grundbedeutung ‘hüten’ entwickelt sich einerseits ‘achthaben, beobachten, bewahren’, andrerseits ‘festhalten’ sowie ‘an-, stillhalten, in einem Zustand verharren’, schließlich (vielleicht unter dem Einfluß von haben) ‘für etw. ansehen, glauben, meinen’. Halt m. ‘Stütze, das (Inne)halten’, mhd. halt ‘Bestand, Ort, Aufenthalt’. Halter m. ‘Haltevorrichtung’ (vgl. Federhalter), ‘wer etw. hält’ (vgl. Statthalter), ahd. haltāri ‘Erretter, Erlöser’ (um 1000; vgl. bihaltāri ‘Wächter’, 8. Jh.), mhd. haltære, halter ‘Hirt, Bewahrer, Erlöser’. Haltung f. ‘Körperhaltung, Pose, innere Einstellung, Beherrschtheit’, spätmhd. haltunge, auch ‘Gewahrsam, Verwahrung, Inhalt’. abhalten Vb. ‘fernhalten, hindern, durchführen’ (15. Jh.). Anhalt m. ‘Anhaltspunkt, Ursache’, mhd. anhalt; anhalten Vb. ‘festhalten, stehenbleiben, stoppen, andauern, zu etw. bewegen, um etw. bitten’ (1. Hälfte 15. Jh.); Anhalter m. ‘wer fremde Autos anhält, um sich mitnehmen zu lassen’, geläufig in der Wendung per Anhalter fahren (Mitte 20. Jh.); zuvor im Sinne von ‘Förderer, (An)treiber’ (16. Jh.). aushalten Vb. ‘bis zum Ende durchstehen, ertragen, Unterhalt gewähren’, mhd. ūʒhalten ‘instand halten, verpflegen’. behalten Vb. ‘nicht weggeben, bewahren’, ahd. bihaltan ‘beachten. bewahren, schützen’ (8. Jh.), mhd. behalten, -halden ‘für sich behalten, bewahren, Erfolg haben, beherbergen, einhalten, (vor Gericht) durch Zeugen erhärten’; Behälter m. ‘Gefäß’, frühnhd. auch ‘Gefängnis’ (15. Jh.); vgl. mhd. behaltære, behalter ‘Beobachter, Bewahrer, Erlöser’, ahd. bihaltāri ‘Wächter’ (8. Jh.); Behältnis n. ‘Behälter, Gefäß’ (15. Jh.), mhd. behaltnisse ‘das Halten, Erhaltung, Vorbehalt, Gewahrsam, Gedächtnis’, ahd. bihaltnessi ‘das Zurückhalten’ (9. Jh.). einhalten Vb. ‘aufhören, aufhalten, beachten’ (15. Jh.); Einhalt m. ‘Einschränkung, Eindämmung’ (Mitte 15. Jh.), dann besonders in der Verbindung Einhalt gebieten, tun (16. Jh.); frühnhd. auch für Inhalt. enthalten Vb. ‘(sich) fernhalten, zurückhalten, enthaltsam sein, zum Inhalt haben’, mhd. enthalten ‘stillhalten, zurückhalten’; dazu enthaltsam ‘mäßig, abstinent’ und Enthaltsamkeit (beide 18. Jh.). erhalten Vb. ‘empfangen, bekommen, bewahren’ (16. Jh.). unterhalten Vb. ‘etw. sichern, bewahren, sich erfreuen, ein Gespräch führen’ (17. Jh.); Unterhalt m. (17. Jh.); Zuhälter m. ‘wer von den Einkünften einer Prostituierten lebt’ (Mitte 19. Jh.), wohl in der Sprache der Polizei gebildet nach älterem Zuhalter ‘wer zu einem hält, Anhänger’ (15. Jh.), mnd. toholder, tohelder, zu zuhalten Vb. im Sinne von ‘zu einer Person halten, ihr beistehen’, auch mit einem zuhalten ‘es mit einem halten, ein außereheliches Verhältnis haben’ (15. Jh.). Unterhaltung f. (18. Jh.).

Thesaurus

Psychologie
Synonymgruppe
Attitüde · Charakteranlage · Couleur · Gesinnung · Grundeinstellung · Haltung · Neigung · Standpunkt · Stellung · Veranlagung · innere Haltung
Oberbegriffe
  • psychologische Eigenschaft
Assoziationen
Synonymgruppe
Haltung · Körperhaltung · Pose · Positur · Stellung  ●  Gestus  geh.
Assoziationen
Synonymgruppe
(innere) Haltung · (jemandes) Philosophie · Auffassung vom Leben · Einstellung (zu) · Geisteshaltung · Gesinnung · Grundeinstellung · Lebenseinstellung · Mentalität · Selbstverständnis · Werte · Überzeugung  ●  Ethos  geh.
Synonymgruppe
Beherrschung · Fassung · Haltung · Kontrolle  ●  Contenance  geh., franz.
Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
Erhabenheit · Gefasstheit · Haltung · Stolz · Vornehmheit · würdevolles Benehmen  ●  Dignität  geh., bildungssprachlich · Distinktion  geh. · Getragenheit  geh. · Grandezza  geh., ital. · Gravität  geh., bildungssprachlich · Pathetik  geh. · Weihe  geh.
Oberbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
Aufzucht · Haltung (von Tieren) · Zucht
Assoziationen
Synonymgruppe
(in) Habachtstellung · (militärische) Haltung · Habt-Acht-Stellung · Habtachtstellung
Oberbegriffe
Assoziationen
  • (sich) bereithalten · auf alles vorbereitet (sein) · auf den Befehl (zum ...) warten · auf ihren Einsatz warten · auf seinen Einsatz warten · bereitstehen · darauf warten, dass es losgeht · einsatzbereit · in Alarmbereitschaft · parat stehen  ●  in den Startlöchern stehen  fig. · Gewehr bei Fuß (stehen)  ugs., militärisch, fig. · am Start (sein)  ugs.
  • bereit sein · vorbereitet sein · zur Verfügung stehen  ●  Gewehr bei Fuß (stehen)  fig. · in den Startlöchern stehen  fig.
  • genau aufpassen · genau beobachten  ●  aufpassen wie ein Haftelmacher  ugs., österr. · aufpassen wie ein Luchs  ugs. · aufpassen wie ein Schießhund  ugs.
  • Haltung annehmen · in Grundstellung gehen · stramm stehen · strammstehen  ●  (die) Grundstellung einnehmen  militärisch

Typische Verbindungen zu ›Haltung‹ (berechnet)

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Haltung‹.

Verwendungsbeispiele für ›Haltung‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Völlig unverständlich ist für den Kanzler die Haltung der tschechischen Kommunisten. [Küsters, Hans Jürgen: Entscheidung für die deutsche Einheit. In: Deutsche Einheit, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1998], S. 99]
Die Leser werden sich in ihrer aus länderfeindlichen Haltung bestätigt gefühlt haben. [Hannover, Heinrich: Die Republik vor Gericht 1954 - 1974, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 2001 [1998], S. 166]
Aber in einer einigermaßen befriedeten Welt hat man lange mit dieser Haltung gute Erfahrungen gemacht. [Arendt, Hannah: Elemente und Ursprünge totaler Herrschaft, Frankfurt a. M.: Europäische Verl.-Anst. 1957 [1955], S. 103]
Damit ist aber noch keineswegs die »theoretische« Haltung der Wissenschaft erreicht. [Heidegger, Martin: Sein und Zeit, Tübingen: Niemeyer 1986 [1927], S. 349]
Nötig ist für uns alle eine tadellose Haltung in diesem Raum. [o. A.: Rechenschaftsbericht an Reichsminister Rosenberg in Kiew, 06.06.1943]
Zitationshilfe
„Haltung“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Haltung>.

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