Handhabe

GrammatikSubstantiv
WorttrennungHand-ha-be (computergeneriert)
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
begründete Veranlassung, etw. zu tun
Beispiele:
eine Handhabe schaffen, liefern, ergreifen, vorschlagen
jmdm. feste Handhaben für etw. bieten, geben
zu einer Beschlagnahme fehlt die gesetzliche Handhabe
Bisher habe sich eine juristische Handhabe nicht gefunden, gegen die Burschen einzuschreiten [Feuchtw.Söhne399]
2.
Synonym zu Handgriff (Lesart 2)
Beispiele:
die Handhabe einer Sense
die Handhaben an einem Torflügel
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hand · aushändigen · Handbuch · handfest · Handgeld · handgemein · Handgemenge · handgreiflich · Handhabe · handhaben · Handlanger · handlich · Handschrift · Handschuh · Handstreich · Handtuch · Oberhand · überhandnehmen
Hand f. ‘unterster Teil des Armes zum Greifen und Halten’, ahd. hant (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. hant, asächs. hand, aengl. hand, hond, nl. engl. hand, anord. hǫnd, schwed. hand, got. handus führen auf eine Substantivbildung germ. *handu-, die im Ablautverhältnis steht zu got. -hinþan ‘greifen, fangen’ (frahinþan ‘gefangennehmen’), aschwed. schwed. hinna ‘erlangen, erreichen’ und zu ahd. herihunda ‘Beute’ (9. Jh.), aengl. hūþ, got. hunþs ‘Beute’. Hand wäre danach als ‘die Greifende, Fangende’ zu deuten. Eine Verbindung zu außergerm. Wörtern ist nicht sicher nachzuweisen; de Vries Nl. 234 hält daher Herkunft aus einem vorie. Substrat für möglich. Doch vgl. zur Problematik des Wortes Markey in: Journal of Indo-European Studies 12 (1984) 261 ff. Im Ahd. geht Hand in die i-Deklination über; Reste des alten u-Stammes zeigen Fügungen wie abhanden (s. ↗ab), vorhanden ‘verfügbar, vorrätig’, eigentlich ‘vor den Händen’ (15. Jh.), meist in der Fügung vorhanden sein, attributiv seit dem 18. Jh., und zuhanden ‘greifbar, nahe’ (15. Jh.), die den umlautlosen Dativ Plur. bewahren. aushändigen Vb. ‘aus der Hand geben’ (17. Jh.). Handbuch n. ‘Buch, das den Stoff eines Wissensgebietes umfaßt’, Übersetzung (15. Jh.) von gleichbed. lat. manuāle. handfest Adj. ‘kräftig, derb’, mhd. hantveste, mnd. hantvast ‘in feste Hand genommen, gefangen, tüchtig’. Handgeld n. ‘Anzahlung bei mündlichem Abschluß eines Vertrages’, besonders ‘Geld, das jmdm. (bei der Anwerbung zum Militärdienst) in die gelobende Hand gezahlt wird’ (17. Jh.); vgl. mnd. hantgelt ‘Zins, Rente’ (14. Jh.). handgemein Adj. ‘handgreiflich, tätlich’ (18. Jh.). Handgemenge n. ‘Schlägerei, Nahkampf’ (17. Jh.). handgreiflich Adj. ‘tätlich, greifbar’ (17. Jh.). Handhabe f. ‘Griff, Henkel, begründeter Anlaß’, ahd. hanthaba (9. Jh.), mhd. hanthabe; handhaben Vb. ‘auf eine bestimmte Weise gebrauchen, benutzen’ (16. Jh.), frühnhd. hanthaben ‘fest fassen, (an)halten, schützen, unterstützen’ (15. Jh.). Handlanger m. ‘Zuarbeiter’ (in Bauberufen), ‘willfähriger Helfer’ (15. Jh.); zu ↗langen ‘ausstrecken, reichen, greifen’ (s. d.). handlich Adj. ‘bequem, leicht zu handhaben’, mhd. hantlich ‘mit der Hand verrichtet’. Handschrift f. ‘für jmdn. charakteristische Schrift, handgeschriebenes Werk’, frühnhd. auch ‘Unterschrift, Schuldbrief’ (15. Jh.). Handschuh m. ‘Bekleidungsstück der Hand’, ahd. hantscuoh (9. Jh.), mhd. hantschuoch. Handstreich m. ‘Handschlag’ (16. bis 19. Jh.); ‘plötzlicher Überfall’ (Anfang 19. Jh. als Übersetzung von frz. coup de main). Handtuch n. ‘Tuch zum Abtrocknen der Hände, des Körpers’, ahd. hanttuoh (Hs. 12. Jh.), mhd. hanttuoch; aus dem Boxsport das Handtuch werfen ‘(den Kampf) aufgeben’ (20. Jh.). Oberhand f. ‘Überlegenheit, Übermacht’, mhd. oberhant (aus obere hant); geläufig die Oberhand gewinnen, behalten. Zu Hand im Sinne von ‘Besitz, Macht’. überhandnehmen Vb. ‘sich zu stark vermehren, ausbreiten’ (15. Jh.), mhd. überhant nemen; vgl. mhd. überhant f. ‘Übermacht’.

Thesaurus

Politik
Synonymgruppe
Ansatz · Handhabe · ↗Instrument · ↗Maßnahme · ↗Methode · ↗Mittel  ●  ↗Format  fachspr. · ↗Werkzeug  fachspr.

Typische Verbindungen
computergeneriert

Anklage Durchsetzung Eingreif Einschreiten Justiz Sanktion Strafverfolgung Verbot Vorgehen ausreichend besitzen bieten einzig fehlen fehlend formal geben gebieten geeignet gehaben gesetzlich juristisch lax legal liefern mangelnd rechtlich strafrechtlich willkommen wirksam

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Handhabe‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Schließlich haben sie so gut wie keine Handhabe, ihn abzusetzen.
Süddeutsche Zeitung, 22.08.1998
Was allerdings am Rande immer wieder deutlich wird, ist die zweifelhafte Handhabe des jüdischen Vermögens durch die Schweizer Banken.
Der Tagesspiegel, 26.04.1997
Wenn mich der Mann verrät, hat die Gestapo eine Handhabe gegen mich (»asoziales Verhalten«).
Klemperer, Victor: [Tagebuch] 1943. In: ders., Ich will Zeugnis ablegen bis zum letzten, Berlin: Aufbau-Taschenbuch-Verl. 1999 [1943], S. 11
Jetzt geht sie vor den beiden Deutschen her, eilig, damit keine Handhabe gegeben ist, sie zu stoßen oder zu berühren.
Becker, Jurek: Jakob der Lügner, Berlin: Aufbau-Verl. 1969, S. 224
Sie ist die Handhabe, sich von dem Zwang der Realität zu befreien.
Croy, Otto: Fotomontage, Düsseldorf: Knapp 1952 [1937], S. 7
Zitationshilfe
„Handhabe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Handhabe>, abgerufen am 18.04.2019.

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