Handschrift, die

GrammatikSubstantiv (Femininum)
Abkürzung Hs. · Substantiv (Femininum)
Aussprache
WorttrennungHand-schrift
WortzerlegungHandSchrift
Wortbildung mit ›Handschrift‹ als Erstglied: ↗Handschriftenabteilung · ↗Handschriftendruck · ↗Handschriftenkunde · ↗Handschriftleser
 ·  mit ›Handschrift‹ als Letztglied: ↗Kinderhandschrift · ↗Liederhandschrift · ↗Originalhandschrift · ↗Pergamenthandschrift
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
die für einen Menschen charakteristische Schrift
Beispiele:
eine saubere, klare, gefällige, energische, flotte, ausgeschriebene Handschrift
eine altmodische, fremde, krause, nachlässige, (un)ordentliche, (un)leserliche Handschrift
das ist seine Handschrift
eine gute Handschrift haben, pflegen
jmds. Handschrift kennen, nachahmen
sich [Dativ] eine bessere Handschrift angewöhnen
in schöner, leserlicher Handschrift
sich um eine deutliche Handschrift bemühen
eine Handschrift zu deuten suchen
bildlich
Beispiel:
salopp er schreibt eine gute Handschrift (= schlägt kräftig zu)
übertragen die dem Künstler eigene Ausdrucksweise
Beispiele:
das Drama verrät die Handschrift eines Genies
jeder Pinselstrich lässt die Handschrift des Malers erkennen
Diese Zeichnung baut sich, aus der eigenwilligen Handschrift des Künstlers kommend, locker und unmittelbar auf [Bild. Kunst1954]
2.
mit der Hand geschriebenes Werk, besonders aus der Zeit vor der Erfindung des Buchdrucks
Beispiele:
eine alte, kostbare Handschrift
eine Handschrift des Nibelungenliedes
die Universitätsbibliothek besitzt Handschriften des zwölften Jahrhunderts
die Echtheit einer Handschrift anzweifeln, beweisen
eine Sammlung, der Vergleich alter Handschriften
Die verlorene Handschrift [FreytagHandschriftTitel]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hand · aushändigen · Handbuch · handfest · Handgeld · handgemein · Handgemenge · handgreiflich · Handhabe · handhaben · Handlanger · handlich · Handschrift · Handschuh · Handstreich · Handtuch · Oberhand · überhandnehmen
Hand f. ‘unterster Teil des Armes zum Greifen und Halten’, ahd. hant (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. hant, asächs. hand, aengl. hand, hond, nl. engl. hand, anord. hǫnd, schwed. hand, got. handus führen auf eine Substantivbildung germ. *handu-, die im Ablautverhältnis steht zu got. -hinþan ‘greifen, fangen’ (frahinþan ‘gefangennehmen’), aschwed. schwed. hinna ‘erlangen, erreichen’ und zu ahd. herihunda ‘Beute’ (9. Jh.), aengl. hūþ, got. hunþs ‘Beute’. Hand wäre danach als ‘die Greifende, Fangende’ zu deuten. Eine Verbindung zu außergerm. Wörtern ist nicht sicher nachzuweisen; de Vries Nl. 234 hält daher Herkunft aus einem vorie. Substrat für möglich. Doch vgl. zur Problematik des Wortes Markey in: Journal of Indo-European Studies 12 (1984) 261 ff. Im Ahd. geht Hand in die i-Deklination über; Reste des alten u-Stammes zeigen Fügungen wie abhanden (s. ↗ab), vorhanden ‘verfügbar, vorrätig’, eigentlich ‘vor den Händen’ (15. Jh.), meist in der Fügung vorhanden sein, attributiv seit dem 18. Jh., und zuhanden ‘greifbar, nahe’ (15. Jh.), die den umlautlosen Dativ Plur. bewahren. aushändigen Vb. ‘aus der Hand geben’ (17. Jh.). Handbuch n. ‘Buch, das den Stoff eines Wissensgebietes umfaßt’, Übersetzung (15. Jh.) von gleichbed. lat. manuāle. handfest Adj. ‘kräftig, derb’, mhd. hantveste, mnd. hantvast ‘in feste Hand genommen, gefangen, tüchtig’. Handgeld n. ‘Anzahlung bei mündlichem Abschluß eines Vertrages’, besonders ‘Geld, das jmdm. (bei der Anwerbung zum Militärdienst) in die gelobende Hand gezahlt wird’ (17. Jh.); vgl. mnd. hantgelt ‘Zins, Rente’ (14. Jh.). handgemein Adj. ‘handgreiflich, tätlich’ (18. Jh.). Handgemenge n. ‘Schlägerei, Nahkampf’ (17. Jh.). handgreiflich Adj. ‘tätlich, greifbar’ (17. Jh.). Handhabe f. ‘Griff, Henkel, begründeter Anlaß’, ahd. hanthaba (9. Jh.), mhd. hanthabe; handhaben Vb. ‘auf eine bestimmte Weise gebrauchen, benutzen’ (16. Jh.), frühnhd. hanthaben ‘fest fassen, (an)halten, schützen, unterstützen’ (15. Jh.). Handlanger m. ‘Zuarbeiter’ (in Bauberufen), ‘willfähriger Helfer’ (15. Jh.); zu ↗langen ‘ausstrecken, reichen, greifen’ (s. d.). handlich Adj. ‘bequem, leicht zu handhaben’, mhd. hantlich ‘mit der Hand verrichtet’. Handschrift f. ‘für jmdn. charakteristische Schrift, handgeschriebenes Werk’, frühnhd. auch ‘Unterschrift, Schuldbrief’ (15. Jh.). Handschuh m. ‘Bekleidungsstück der Hand’, ahd. hantscuoh (9. Jh.), mhd. hantschuoch. Handstreich m. ‘Handschlag’ (16. bis 19. Jh.); ‘plötzlicher Überfall’ (Anfang 19. Jh. als Übersetzung von frz. coup de main). Handtuch n. ‘Tuch zum Abtrocknen der Hände, des Körpers’, ahd. hanttuoh (Hs. 12. Jh.), mhd. hanttuoch; aus dem Boxsport das Handtuch werfen ‘(den Kampf) aufgeben’ (20. Jh.). Oberhand f. ‘Überlegenheit, Übermacht’, mhd. oberhant (aus obere hant); geläufig die Oberhand gewinnen, behalten. Zu Hand im Sinne von ‘Besitz, Macht’. überhandnehmen Vb. ‘sich zu stark vermehren, ausbreiten’ (15. Jh.), mhd. überhant nemen; vgl. mhd. überhant f. ‘Übermacht’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Handschrift · ↗Schreibweise  ●  ↗Klaue  ugs.
Unterbegriffe
Assoziationen
Synonymgruppe
(schlecht leserliche) Handschrift  ●  ↗Gekrakel  ugs. · ↗Gekritzel  ugs. · ↗Geschmier  ugs. · ↗Geschmiere  ugs. · ↗Geschreibsel  ugs. · ↗Gesudel  ugs. · Hieroglyphen  ugs., fig. · ↗Klaue  ugs. · ↗Pfote  ugs. · ↗Sauklaue  ugs. · ↗Sudelarbeit  ugs.
Assoziationen
Geschichte
Synonymgruppe
Handschrift · ↗Handschriftensammlung · ↗Kodex
Synonymgruppe
Handschrift · ↗Manuskript
Synonymgruppe
Schreibstil  ●  Handschrift  fig. · ↗Schreibe  ugs.
Assoziationen
Synonymgruppe
(persönlicher) Stil · Ausführungsweise · ↗Manier · charakteristische Vorgehensweise  ●  Handschrift  fig.
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Autograph Faksimile Inkunabel Landesbibliothek Miniatur Mittelalter Nibelungenlied Pergament entziffern erhalten erkennbar hebräisch illuminiert illustriert individuell kostbar krakelig künstlerisch lateinisch lesbar liberal mittelalterlich sozialdemokratisch tragen trügen unleserlich unverkennbar unverwechselbar wertvoll überliefern

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Handschrift‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

In unseren gemeinsam entstandenen Bildern sehe ich keinen Verlust der eigenen Handschrift.
Der Tagesspiegel, 09.02.2002
Auch in der technischen Ausführung genossen liturgische Handschriften aus den nördlichen Ländern damals einen guten Ruf.
o. A.: Die mittelalterliche Kirche. In: Jedin, Hubert (Hg.) Handbuch der Kirchengeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1966], S. 4255
Für die Gestaltung des Textes ist die eingehende Beschreibung der zahlreichen Handschriften naturgemäß in erster Linie von Interesse.
Jahresberichte für deutsche Geschichte, 1931, S. 404
Launig, stand mit kindlicher Handschrift an den Rand einer Seite gekritzelt.
Glavinic, Thomas: Die Arbeit der Nacht, München Wien: Carl Hanser Verlag 2006, S. 213
Trotz des allgemeinen Gebrauchs der Schreibmaschine ist eine gute Handschrift noch immer nicht überflüssig geworden.
Penndorf, Balduin: Die Berufsausbildung und Weiterbildung des Kaufmanns, Stuttgart: Violet [1912], S. 90
Zitationshilfe
„Handschrift“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Handschrift>, abgerufen am 18.09.2019.

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