Handstreich, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum)
Aussprache
WorttrennungHand-streich (computergeneriert)
WortzerlegungHandStreich
Wortbildung mit ›Handstreich‹ als Erstglied: ↗handstreichartig
eWDG, 1969

Bedeutung

unerwarteter Überfall
Beispiele:
ein kühner, blutiger, überraschender, erfolgreicher, gescheiterter Handstreich
einen sorgfältig geplanten Handstreich vorbereiten, ausführen
eine Festung im Handstreich nehmen, erobern
Leutnant Clanricard soll einen bereits einmal mißlungenen, aussichtslosen Handstreich wiederholen [Weiskopf8,210]
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Hand · aushändigen · Handbuch · handfest · Handgeld · handgemein · Handgemenge · handgreiflich · Handhabe · handhaben · Handlanger · handlich · Handschrift · Handschuh · Handstreich · Handtuch · Oberhand · überhandnehmen
Hand f. ‘unterster Teil des Armes zum Greifen und Halten’, ahd. hant (8. Jh.), mhd. mnd. mnl. hant, asächs. hand, aengl. hand, hond, nl. engl. hand, anord. hǫnd, schwed. hand, got. handus führen auf eine Substantivbildung germ. *handu-, die im Ablautverhältnis steht zu got. -hinþan ‘greifen, fangen’ (frahinþan ‘gefangennehmen’), aschwed. schwed. hinna ‘erlangen, erreichen’ und zu ahd. herihunda ‘Beute’ (9. Jh.), aengl. hūþ, got. hunþs ‘Beute’. Hand wäre danach als ‘die Greifende, Fangende’ zu deuten. Eine Verbindung zu außergerm. Wörtern ist nicht sicher nachzuweisen; de Vries Nl. 234 hält daher Herkunft aus einem vorie. Substrat für möglich. Doch vgl. zur Problematik des Wortes Markey in: Journal of Indo-European Studies 12 (1984) 261 ff. Im Ahd. geht Hand in die i-Deklination über; Reste des alten u-Stammes zeigen Fügungen wie abhanden (s. ↗ab), vorhanden ‘verfügbar, vorrätig’, eigentlich ‘vor den Händen’ (15. Jh.), meist in der Fügung vorhanden sein, attributiv seit dem 18. Jh., und zuhanden ‘greifbar, nahe’ (15. Jh.), die den umlautlosen Dativ Plur. bewahren. aushändigen Vb. ‘aus der Hand geben’ (17. Jh.). Handbuch n. ‘Buch, das den Stoff eines Wissensgebietes umfaßt’, Übersetzung (15. Jh.) von gleichbed. lat. manuāle. handfest Adj. ‘kräftig, derb’, mhd. hantveste, mnd. hantvast ‘in feste Hand genommen, gefangen, tüchtig’. Handgeld n. ‘Anzahlung bei mündlichem Abschluß eines Vertrages’, besonders ‘Geld, das jmdm. (bei der Anwerbung zum Militärdienst) in die gelobende Hand gezahlt wird’ (17. Jh.); vgl. mnd. hantgelt ‘Zins, Rente’ (14. Jh.). handgemein Adj. ‘handgreiflich, tätlich’ (18. Jh.). Handgemenge n. ‘Schlägerei, Nahkampf’ (17. Jh.). handgreiflich Adj. ‘tätlich, greifbar’ (17. Jh.). Handhabe f. ‘Griff, Henkel, begründeter Anlaß’, ahd. hanthaba (9. Jh.), mhd. hanthabe; handhaben Vb. ‘auf eine bestimmte Weise gebrauchen, benutzen’ (16. Jh.), frühnhd. hanthaben ‘fest fassen, (an)halten, schützen, unterstützen’ (15. Jh.). Handlanger m. ‘Zuarbeiter’ (in Bauberufen), ‘willfähriger Helfer’ (15. Jh.); zu ↗langen ‘ausstrecken, reichen, greifen’ (s. d.). handlich Adj. ‘bequem, leicht zu handhaben’, mhd. hantlich ‘mit der Hand verrichtet’. Handschrift f. ‘für jmdn. charakteristische Schrift, handgeschriebenes Werk’, frühnhd. auch ‘Unterschrift, Schuldbrief’ (15. Jh.). Handschuh m. ‘Bekleidungsstück der Hand’, ahd. hantscuoh (9. Jh.), mhd. hantschuoch. Handstreich m. ‘Handschlag’ (16. bis 19. Jh.); ‘plötzlicher Überfall’ (Anfang 19. Jh. als Übersetzung von frz. coup de main). Handtuch n. ‘Tuch zum Abtrocknen der Hände, des Körpers’, ahd. hanttuoh (Hs. 12. Jh.), mhd. hanttuoch; aus dem Boxsport das Handtuch werfen ‘(den Kampf) aufgeben’ (20. Jh.). Oberhand f. ‘Überlegenheit, Übermacht’, mhd. oberhant (aus obere hant); geläufig die Oberhand gewinnen, behalten. Zu Hand im Sinne von ‘Besitz, Macht’. überhandnehmen Vb. ‘sich zu stark vermehren, ausbreiten’ (15. Jh.), mhd. überhant nemen; vgl. mhd. überhant f. ‘Übermacht’.

Thesaurus

Synonymgruppe
Assoziationen
Synonymgruppe
Handstreich · ↗Operation · ↗Schlag  ●  ↗Coup  franz.
Oberbegriffe
Assoziationen

Typische Verbindungen
computergeneriert

Handstreich Tisch abschaffen absetzen ausführen beenden befreien bemächtigen beseitigen besetzen durchsetzen einnehmen entmachten erledigen erobern gelungen genial glücken kühn lösen militärisch mißlingen nehmen nächtlich reißen unternehmen vorbereitet wegwischen wischen übernehmen

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Handstreich‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Der praktische Nutzen des Handstreichs tendiert momentan jedoch eher gegen Null.
Der Tagesspiegel, 15.06.1999
Ein Handstreich brachte uns in den Besitz einer wichtigen Stellung.
Archiv der Gegenwart, 2001 [1940]
Mit diesem Handstreich hat sie alle übertrumpft, nicht zuletzt mich.
Schulze, Ingo: Neue Leben, Berlin: Berlin Verlag 2005, S. 920
Er ging sogar noch methodischer vor und spekulierte nicht darauf, daß ein Handstreich ihm den Erfolg in die Hände spielen werde.
Heuß, Alfred: Hellas. In: Propyläen Weltgeschichte, Berlin: Directmedia Publ. 2000 [1962], S. 3552
Aus eigenen Mitteln den Handstreich auszuführen, war Demosthenes zu schwach.
Meyer, Eduard: Geschichte des Altertums, Bd. IV,2. In: Geschichte des Altertums, Berlin: Directmedia Publ. 2001 [1901], S. 11097
Zitationshilfe
„Handstreich“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Handstreich>, abgerufen am 21.02.2019.

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