Hang, der

GrammatikSubstantiv (Maskulinum) · Genitiv Singular: Hang(e)s · Nominativ Plural: Hänge
Aussprache
Wortbildung mit ›Hang‹ als Erstglied: ↗Hangabfahrt · ↗Hangneigung · ↗Hangstart · ↗Hangwind · ↗hangabwärts
 ·  mit ›Hang‹ als Letztglied: ↗Abfahrthang · ↗Abfahrtshang · ↗Abhang · ↗Bergeshang · ↗Berghang · ↗Felsenhang · ↗Felshang · ↗Fersenhang · ↗Flachhang · ↗Fußhang · ↗Gebirgshang · ↗Genickhang · ↗Gleithang · ↗Gletscherhang · ↗Hügelhang · ↗Idiotenhang · ↗Kniehang · ↗Kreuzhang · ↗Liegehang · ↗Nordhang · ↗Osthang · ↗Prallhang · ↗Rebenhang · ↗Schneehang · ↗Sonnenhang · ↗Spannhang · ↗Steilhang · ↗Streckhang · ↗Sturzhang · ↗Südhang · ↗Talhang · ↗Zahnhang
eWDG, 1969

Bedeutungen

1.
schräg abfallende Seite einer Bodenerhebung, Abhang
Beispiele:
ein sanfter, steiler, schroffer, senkrechter, bewaldeter, steiniger, kahler Hang
die Hänge der Klippen, Gletscher
den Hang hinaufklettern, hinunterklettern
das Echo hallt an den Hängen wider
die Kletterer kamen auf dem abschüssigen Hang ins Rutschen
die Sonne strahlt über den grünen Hängen der Berge
SkisportAbfahrt auf geneigtem Hang (= Slalom)
Und wie er tritt an des Felsen Hang [SchillerTaucher]
2.
starke Neigung
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
ein unbezähmbarer, schwärmerischer, krankhafter, unglücklicher Hang
ein Hang zur Bequemlichkeit, zu einem ungebundenen Leben
ein Hang zum Grübeln steckt in ihm, kommt in ihm auf
Menschen, in denen ein Hang zum Bösen rumorte [MusilMann309]
einen Hang zu etw. haben
Beispiele:
einen Hang zum Träumen, Nichtstun, Spiel, zur Verschwendung, Eitelkeit, Lüge haben
er hatte schon immer einen Hang zum Übertreiben
einen angeborenen, ausgesprochenen Hang zum Zweifel besitzen
sie spürten den Hang, alles zu verspotten
einen Hang bezähmen
einem Hang (widerstandslos) nachgeben
3.
Turnen Lage, bei der der Turner an den Händen oder Beinen hängt oder von einem anderen Körperteil durch Auflegen auf das Gerät frei über dem Boden gehalten wird
Grammatik: nur im Singular
Beispiele:
aus dem Hang abspringen
ein Riesenschwung im Hang rücklings
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

hängen · Hang · hangeln · Hangendes · Gehänge · Abhang · abhängig · Anhang · Anhänger · anhängig · anhänglich · Anhänglichkeit · Anhängsel · Aushang · Aushängeschild · Überhang · Umhang · Vorhang
hängen Vb. ‘am oberen Ende schwebend befestigen’ (transitiv) bzw. ‘oben befestigt sein’ (intransitiv). Das starke, ehemals reduplizierende Verb ahd. hāhan (transitiv) ‘(auf)hängen, kreuzigen’ (um 800; vgl. zuohāhan ‘aufhängen’, 8. Jh.), mhd. hāhen (transitiv und intransitiv) ‘hängen’, (md.) hangen (14. Jh.), asächs. hāhan (transitiv), mnd. hangen (transitiv und intransitiv), mnl. hanghen, nl. hangen (transitiv und intransitiv), aengl. hōn (transitiv und intransitiv), anord. hanga (transitiv und intransitiv), got. hāhan (transitiv) setzt germ. *hanhan voraus, das in den Einzelsprachen teilweise Nasalschwund mit Ersatzdehnung aufweist; im Dt. und Nl. später auftretendes ng wird aus den Präteritalformen übernommen. Außergerm. vergleichbar sind hethit. gank- ‘hängen, wiegen’ und wohl auch aind. śáṅkatē ‘zweifelt, befürchtet, ist mißtrauisch, sorgt sich’, lat. cūnctārī ‘zögern, zaudern’, so daß von einer Wurzel ie. *k̑enk-, *k̑onk- ‘schwanken, hängen, geistig in der Schwebe sein’ ausgegangen werden kann. Neben dem starken Verb steht ein intransitives schwaches ēn-Verb ahd. hangēn ‘hängen, abhängig sein’ (8. Jh.), anord. hanga, got. hāhan (Prät. hāhaida), ein intransitives schwaches ōn-Verb asächs. hangon, aengl. hangian und ein transitives schwaches jan-Verb ahd. hengen ‘erlauben, gehorchen, denken’ (9. Jh.; vgl. gihengen ‘zustimmen, erlauben, zulassen’, 8. Jh.), mhd. (md.) hengen ‘(die Zügel) hängen lassen, nachjagen, geschehen lassen, gestatten’, auch md. obd. ‘aufhängen’ (obd. nhd.henken, s. d.), mnl. henghen ‘zugestehen’, nl. gehengen ‘erlauben’, anord. hengja ‘hängen’. Im Mhd. mischen sich starke und schwache Präteritalformen, indem transitives hienc (zu hāhen) auch die intransitive Bedeutung von hangete (zu hangēn) übernimmt; vgl. mhd. (transitiv) sie hienc daʒ houbit neben (intransitiv) nū hienc ein tavele vor dem tor. Ferner wird (vom 12. Jh. an) intransitives hangen (aus ahd. hangēn) auch transitiv wie hengen verwendet. Von hāhen bleiben im Nhd. lediglich die Präteritalformen erhalten. Die aus alledem resultierende Gebrauchsunsicherheit wird erst im 19. Jh. dahingehend geregelt, daß der intransitive Gebrauch einem starken (hängen, hing, gehangen), der transitive einem schwachen Verb (hängen, hängte, gehängt) zugewiesen wird. Vgl. Rissleben D. Gesch. d. Verbgruppe „hāhan – hangēn – hengen – henken“, Phil. Diss. Greifswald (1931). Hang m. ‘Neigung, Geneigtsein, hängende Stellung (des Turners), abschüssige Stelle’ (15. Jh.). hangeln Vb. ‘sich hängend fortbewegen’ (Anfang 19. Jh.). Hangendes n. ‘Gesteinsschichten über der Lagerstätte’, mhd. hangendeʒ (bergmannssprachlich). Gehänge n. ‘das Herabhängende, Bergabhang’, mhd. gehenge ‘Vorrichtung zum Anhängen, Türangel’. Abhang m. ‘Berghang, das Herabhängende’, mhd. (westmd.) abehang (14. Jh.); abhängig Adj. ‘schräg abfallend’ (15. Jh.), ‘nicht selbständig, angewiesen auf’ (Anfang 18. Jh.). Anhang m. ‘Angehängtes, Beigefügtes, Begleitung’, mhd. anehanc; Anhänger m. ‘wer einer Person oder Sache anhängt, was angehängt wird’ (15. Jh.); anhängig Adj. ‘zugehörig, schwebend’; rechtssprachlich insbesondere einen Prozeß anhängig machen ‘ein Gerichtsverfahren einleiten’ (15. Jh.); anhänglich Adj. ‘zugetan, verbunden’, geläufig seit dem 18. Jh., frühnhd. im Sinne von ‘anhängend, hingezogen’ (15./16. Jh.); Anhänglichkeit f. ‘Verbundenheit, Treue’ (14. Jh.); Anhängsel n. ‘anhängender (Schmuck)gegenstand, nebensächlicher Anhang, Begleiter’ (17. Jh.). Aushang m. ‘öffentliche Bekanntmachung’ (17. Jh.); vereinzelt auch für Aushängebogen ‘zur letzten Kontrolle bestimmter Abzug eines fertigen Druckbogens’ (18. Jh.). Aushängeschild n. ‘Reklameschild, Werbemittel’, ursprünglich ein Schild, das auf einen bestimmten Beruf, auf ein Gewerbe hinweist (18. Jh.). Überhang m. ‘Umhang, was überhängt’, mhd. überhanc. Umhang m. ‘umgehängtes Kleidungsstück’, ahd. umbihang (um 900), mhd. umbehanc ‘Vorhang, aufgehängter Teppich’. Vorhang m. ‘was vor etw. gehängt wird’, mhd. vor-, vürhanc (dazu s. ↗Gardine).

Thesaurus

Synonymgruppe
Abfall · ↗Abhang · ↗Gefälle · Hang · ↗Senkung
Assoziationen
Antonyme
  • Hang
Synonymgruppe
Geneigtheit · Hang · ↗Präferenz · ↗Sympathie · ↗Vorliebe · ↗Wohlwollen · ↗Zuneigung
Synonymgruppe
Anfälligkeit (für) · Hang (zu) · ↗Neigung (zu)
Assoziationen
Synonymgruppe
Affinität · ↗Anziehung · ↗Begierde · ↗Geneigtheit · Hang · ↗Lust · ↗Neigung · ↗Tendenz · ↗Verlangen
Synonymgruppe
Bevorzugung · Hang (zu) · ↗Neigung · ↗Schwäche (für) · ↗Vorliebe  ●  ↗Faible  franz. · ↗Prädilektion  geh., veraltet · ↗Präferenz  fachspr.
Unterbegriffe
  • Abkürzerei · Abkürzungsfaible · Abkürzungsfieber · Abkürzungsmanie · Abkürzungsvorliebe · Abkürzungswahn  ●  ↗Abkürzungsfimmel  ugs. · Aküfi  ugs.
Synonymgruppe
Abfahrt · Hang · ↗Piste · ↗Skipiste

Typische Verbindungen
computergeneriert

Bequemlichkeit Berg Gesamtkunstwerk Hügel Luxus Nostalgie Perfektion Perfektionismus Selbstdarstellung Selbstzerstörung Tal Vulkan Würgen abfallend ausgeprägt bewaldet fatal gegenüberliegend gewiss hinaufziehen hinunterstürzen kahl kleben nachsagen sanft schmiegen schneebedeckt steil verschneit Übertreibung

Detailliertere Informationen bietet das DWDS-Wortprofil zu ›Hang‹.

Verwendungsbeispiele
maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Letzthin bin ich einen Hang runtergestürzt und 50 Meter weiter unten stecken geblieben.
Die Welt, 05.11.2005
Vor elf Uhr sind sie nahezu allein auf den Hängen.
Der Tagesspiegel, 19.01.2002
Von schräg oben verläuft über den Hang eine Spur von Skiern.
Bauer, Josef Martin: So weit die Füße tragen, Frankfurt a.M: Fischer 1960 [1955], S. 253
Das Haus am Hang erwies sich wohl als alt, doch als gut gebaut.
Weismantel, Leo: Die höllische Trinität, Berlin: Union-Verl.1966 [1943], S. 0
Wir gingen nach links am Hang entlang, einen Pfad zu suchen.
Renn, Ludwig [d. i. Vieth v. Golßenau, Arnold Friedrich]: Krieg - Nachkrieg, Berlin: Aufbau-Verl. 1951 [1928], S. 15
Zitationshilfe
„Hang“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Hang>, abgerufen am 09.12.2019.

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