Haspe, die

Grammatik Substantiv (Femininum) · Genitiv Singular: Haspe · Nominativ Plural: Haspen
Aussprache 
Worttrennung Has-pe
Wortbildung  mit ›Haspe‹ als Letztglied: Eisenhaspe
eWDG

Bedeutung

geschmiedeter Haken mit Spitze zum Einschlagen in Holz oder Mauerwerk und mit Dorn zum Einhängen von Türflügeln und Fensterflügeln
Beispiele:
das Fenster ist mit Haspen befestigt
die Tür mit den Haspen in die Angeln einhängen
die Haspe aus der Mauerwand reißen
Etymologisches Wörterbuch (Wolfgang Pfeifer)

Etymologie

Haspe · Haspel · haspeln · abhaspeln · verhaspeln
Haspe f. in Holz oder Mauerwerk einzuschlagender ‘Eisenhaken mit Dorn’ zum Einhängen von Tür- und Fensterflügeln, auch ‘Garnwinde’, mhd. mnd. haspe, hespe ‘Türhaken, -angel, Garnwinde’, mnl. haspe ‘Garnwinde, -strang’, aengl. hæsp, hæpse ‘Klammer’, engl. hasp ‘Klammer, Garnwinde’, anord. hespa ‘Türhaken, Wollstrang’, dän. haspe ‘Eisenkrampe’ können als Bildungen mit s-haltigem Suffix zu der unter -haft, haben und heben (s. d.) angeführten Wurzel ie. *kap- ‘fassen’ gestellt werden, wozu auch lat. capsa ‘Behältnis, Kapsel, Kasten’ (zu lat. capere ‘nehmen, fassen, ergreifen’). Haspe wäre danach als ‘das Erfassende’ zu verstehen. Oder man geht von einer Bedeutung ‘gekrümmter Gegenstand, Haken’ aus, vergleicht mnl. nl. hoep ‘Ring, Reif’, aengl. hōp, engl. hoop ‘Metallring’, anord. hōp ‘kleine Bucht’ sowie aind. cāpaḥ ‘Bogen’, lit. kabė́ti ‘(herunter)hängen’, kãbė ‘Haken, Klammer’, russ. skobá (скоба) ‘eiserne Krampe, Klammer’ und verbindet diese mit nasalhaltigem griech. skambós (σκαμβός) ‘krumm, krummbeinig’, lit. kìbti (kimbù) ‘sich anhängen’ unter Anschluß an ie. *(s)kamb-, *(s)kemb- ‘krümmen, biegen’ (wozu vielleicht auch Schimpf, s. d.). Beide Herleitungsversuche sind unbefriedigend. Vielleicht sollte für das Germ. auf Grund der Bedeutungen ‘Haken, Klammer’ und ‘Garnwinde’ besser von zwei Wörtern ausgegangen werden. Haspel f. m. ‘Hebevorrichtung, Seilwinde, Gerät zum Ab- und Aufwickeln und Messen von Garn’, ahd. haspil m. ‘Garnwinde’ (um 1100), mhd. mnd. haspel m. ‘Garnwinde, Fördermaschine, Förderschacht’, mnl. nl. haspel m. ‘Garnwinde’, abgeleitet vom oben dargestellten Substantiv mit dem Suffix germ. -ila- für Gerätebezeichnungen. haspeln Vb. ‘auf eine, von einer Haspel wickeln, mit der Haspel hochwinden, hastig sprechen’, frühnhd. haspeln ‘Garn wickeln’ (15. Jh.). abhaspeln Vb. ‘mit der Haspel abwickeln, von der Haspel ablaufen lassen’ (15. Jh.), übertragen ‘hastig, leiernd hersagen’, (reflexiv) ‘sich sehr beeilen’ (18. Jh.). verhaspeln Vb. (reflexiv) ‘sich beim Sprechen verwirren’, besonders mundartlich geläufig, selten in der Schriftsprache (19. Jh.), älter ‘Garn aufwickeln’ (16. Jh.).

Verwendungsbeispiele für ›Haspe‹

maschinell ausgesucht aus den DWDS-Korpora

Wackelig und klappernd hing die zweiteilige Flurtür in den halbzerbrochenen Haspen.
Rehbein, Franz: Das Leben eines Landarbeiters. In: Simons, Oliver (Hg.) Deutsche Autobiographien 1690-1930, Berlin: Directmedia Publ. 2004 [1911], S. 44870
Das Göring-Wappen am Bug ersetzte er durch das Bonner Stadtzeichen, den Namen in der Haspe und an der Glocke ließ er entfernen.
Der Tagesspiegel, 17.04.2004
Zitationshilfe
„Haspe“, bereitgestellt durch das Digitale Wörterbuch der deutschen Sprache, <https://www.dwds.de/wb/Haspe>, abgerufen am 18.01.2022.

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